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Sonntag, 21. Juli 2019

Orff, Carl - Antigonae

Die Musikalisierung des Wortes


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wolfgang Sawallisch und seinem Ensemble gelingt es, die bisher einzige Studioeinspielung von Orffs 'Antigonae' eindeutig aus dem Rennen zu werfen.

Die archaische Klangwelt und ein zelebrierter Sprachduktus bestimmen die Faszination von Carl Orffs 'Antigonae‘-Vertonung nach der Übersetzung von Friedrich Hölderlin. Dieses klingende Paradoxon einer entschlackten Urgewalt zieht mit scheinbar einfachsten Mitteln den Hörer in seinen Bann – zumindest, wenn Orffs Trauerspiel eine solch stimmige Umsetzung erfährt wie in der gerade bei Profil Edition Günter Hänssler erschienenen Rundfunkaufnahme unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch aus dem Jahr 1958. In einem ausgewogenen Klangbild entfaltet sich die Tragödie um die Titelfigur Antigonae mit allen Facetten und Nuancen. Die zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht alte Stereotechnik erlaubt sogar kleinere Spielereien wie einen geheimnisvollen Ortswechsel für den Seher Tiresias und vermittelt in ihrer unmittelbaren Lebendigkeit ein plastisches Bild des Geschehens. Eine szenische Umsetzung vermisst man zu keinem Zeitpunkt, da verlässt man sich lieber auf die formale Statik der Komposition.

Orffs Bühnenwerk aus dem Jahre 1949 hat nur noch wenig mit dem naiv und liebevoll repetierenden Erzählton seiner Märchenopern 'Der Mond‘ und 'Die Kluge‘ zu tun, auch den Melodienreichtum einer 'Carmina Burana‘ sucht man vergeblich. Schon der Begriff „Oper“ wirkt bei 'Antigonae‘ fehl am Platze. Aus seiner Experimentierfreude in Bezug auf das Theater der griechischen Antike entstehen bis 1959 die Sophokles/Hölderlin-Vertonungen 'Antigonae‘ und 'Oedipus der Tyrann‘. Die Musikalisierung der Worte bildet hier vielmehr ein Gerüst für die argumentierende Person des Trauerspiels. Vom nicht enden wollenden Rezitationston bis zur ariosen Linie ist die Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten ungemein weit gespannt. Die Protagonistin der Rundfunkeinspielung Martha Mödl macht ohrenfällig deutlich, wie nahe sich Musik und Sprache kommen können. Die Schauspielkunst und ungeheure Präsenz der Künstlerin übertragen sich unmissverständlich auf das rein akustische Erlebnis beim Hören der Aufnahme. Die bereits deutlich abgenutzte, fahle Höhe ihrer Stimme weiß die Mödl im Todesgesang Antigonaes effektvoll zu nutzen.

Als Kreon beeindruckt Carlos Alexander mit seinem mächtigen Bariton, den er schlank zu führen weiß, und sticht die Mödl mit der Klarheit und Prägnanz seiner Artikulation fast noch aus. Wie auch in der späteren Studioaufnahme bei der Deutschen Grammophon ist Fritz Uhl als jugendlich heldenhafter Hämon zu erleben, in dieser Rundfunkaufnahme jedoch deutlich spontaner und glaubwürdiger. Überhaupt liest sich die Besetzung wie ein „Who is who“ der damaligen deutschsprachigen Opernwelt: Josef Traxel als exponierter Tiresias, Kurt Böhme in der kleinen aber eindrücklichen Partie des Boten, Lilian Benningsen als ergreifend unpathetische Eurydice, William Dooley als Chorführer und der herrlich dunkle Mezzosopran von Marianne Radev als Ismene. Aus der fast schon buffonesken Partie des Wächters macht Paul Kuen ein Kabinettstückchen der besonderen Art.

Neben allen vokal-dramatischen Glanzleistungen muss man den hervorragend disponierten Chor des Bayerischen Rundfunks als ebenbürtigen Partner der neun Protagonisten benennen. Dieser Chor kann ein gehauchtes Piano ebenso textverständlich und klangvoll singen wie einen donnernden emotionalen Ausbruch. Und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks steht diesem Klangkörper in energetischer Brillanz und Präzision in nichts nach. Somit gelingt es Wolfgang Sawallisch und seinem Ensemble die bisher einzige Studioeinspielung der DG unter Ferdinand Leitner eindeutig aus dem Rennen zu werfen. Klangtechnisch kann der BR-Mitschnitt ohne Weiteres mithalten und Martha Mödls Interpretation der Antigonae ist deutlich näher am musikalischen Potential des Wortes als die dennoch hochgeschätzte Inge Borkh.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Orff, Carl: Antigonae

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
2
15.02.2010
Medium:
EAN:

CD
881488906653


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Profil - Edition Günter Hänssler

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EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
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Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
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