> > > Haydn, Joseph: Klaviersonaten Hob. XVI: 34, 35, 44, 48 & 52
Sonntag, 21. April 2019

Haydn, Joseph - Klaviersonaten Hob. XVI: 34, 35, 44, 48 & 52

Verbannte Emotionen


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Gegensatz zur barocken Klavierwelt findet Jewgenij Koroliov zu Haydns Sonaten kaum einen pianistisch überzeugenden Zugang.

Der russische Pianist Jewjenij Koroliov ist vor allen Dingen bekannt für seine mehrfach hoch gelobte und ausgezeichnete Auseinandersetzung mit der Klavierliteratur des Barock. Dass seine Einspielungen von Bachs 'Wohltemperiertem Klavier, der ‚Goldbergvariationen’, der 'Kunst der Fuge’ oder auch Händels Klaviersuiten auf dem modernen Konzertflügel sogar von Tastenpuristen und Verfechtern Historischer Aufführungspraxis anerkannt werden, spricht für sich. Was dabei herauskommt, wenn er sich mit Haydn befasst, kann man auf diesem, beim Label Edition Günter Hänssler erschienenen und mit dem SWR koproduzierten Album erfahren.

Eine Auswahl von fünf größtenteils gängigen Sonaten spielt Koroliov hier auf dem Steinway, und schnell stellt man schon in der C-Dur-Sonate Hob. XVI:35 fest, dass Koroliovs Faible für barockes Klaviergut auf Haydn abfärbt. Leider ganz und gar nicht zum musikalischen Vorteil, denn klar und plastisch kommen zwar einerseits die Stimmen zum Vorschein; doch pflegt Koroliov andererseits eine allzu sachliche pianistische Lesart, die sich überwiegend in einem dynamisch kaum differenzierten, konstant nüchternen Mezzoforte-Bereich abspielt. Fast scheint es stellenweise, als wolle er jedwede Emotionen mutwillig aus dem Notentext verbannen und Haydns Musik bewusst auf eine rein mathematisch-geometrische Ebene projizieren.

Am besten gelingen ihm noch der Kopfsatz der e-Moll-Sonate Hob. XVI:34, das Rondo der Sonate C-Dur Hob. XVI:48 und das 'Presto’-Finale des Es-Dur-Schwesterwerks Hob. XVI:52, in denen er wirklich einmal die Spritzigkeit und Originalität von Haydns Musik einfangen kann. Völlig blass bleiben hingegen der Finalsatz der genannten e-Moll-Sonate oder die komplette Sonate in G-Dur Hob. XVI:44. Nicht nur wählt Koroliov darin über Gebühr träge Tempi, sondern er spricht auch agogisch eine in sich unbewegliche, schwerfällige Sprache mit entschieden zu ausgeprägter Tendenz zum Portato; auch den Mittelsätzen fehlt es generell überwiegend an Wärme und Sinn fürs Kantable. Eine sonderlich aussagekräftige Sicht auf die zum Schluss erklingende Rarität des einzelnen Sonatensatzes Es-Dur Hob. deest erhält man dementsprechend leider auch nicht.

Alles in allem gehört diese CD somit zu den eindeutig schwächeren unter den vielen in diesem Jahr vorgelegten Neueinspielungen von Haydn-Sonaten – wie man sie mit wirklichem Leben erfüllt, hat z.B. Marc-André Hamelin mit der Fortsetzung seines Zyklus’ vorgemacht, der übrigens auch drei der vorliegenden Werke enthält.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Haydn, Joseph: Klaviersonaten Hob. XVI: 34, 35, 44, 48 & 52

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
30.11.2009
EAN:

881488100020


Cover vergössern

Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Profil - Edition Günter Hänssler:

  • Zur Kritik... Nüchterner Bruckner: Das WDR Sinfonieorchester Köln und sein Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste widmen sich eingehend Bruckners Achter Sinfonie. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Vokal perfekt: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden führten im Jahr 2014 in einem Gedenkkonzert Verdis Requiem mit hervorragenden Solisten auf. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Wenig Rares: Am Pult steht Lorin Maazel. Doch bis auf eine seltene Ausnahme legt das Label Profil Hänssler hier nur rechtefreie Zweitverwertungen vor. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Profil - Edition Günter Hänssler...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

  • Zur Kritik... Echte Alternative: Diese CD nähert sich Tschaikowsky konsequent anders: Die 'Rokoko-Variationen' erklingen hier mit Klavierbegleitung. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Strauss meets Wagner: Norbert Anger und Michael Schöch schlagen stilistisch und instrumental tragfähige Brücken zwischen Strauss und Wagner. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Vom Feinsten: Das Wiener Kreisler-Trio sollte man unbedingt auf dem kammermusikalischen Schirm haben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Peter Tschaikowsky: Grande Sonate G-Dur op.37 TH 139 - Moderato e risoluto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich