> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonien Nr. 4 & 7
Sonntag, 21. April 2019

Beethoven, Ludwig van - Sinfonien Nr. 4 & 7

Es will nicht funken


Label/Verlag: Talent Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Philippe Herreweghes Einspielung von Beethovens Sinfonien Nr. 4 und 7 sind durchaus solide. Aber so richtig springt der Funke doch nicht über.

Die Königlichen Flämischen Philharmoniker mögen lange Zeit nicht das erste Orchester gewesen sein, an das man dachte, wenn es um kundige Beethoven-Interpretation ging. Einen Sprung nach vorne haben sie in dieser Beziehung gemacht, seit ein prominenter Dirigentenname sich ihnen verbindet: Philippe Herreweghe, der als Vertreter der sogenannten historisch informierten Aufführungspraxis bekannt geworden ist, sich seit geraumer Zeit jedoch auch dem (vor-)romantischen Repertoire widmet. Und das eben mit den Königlichen Flämischen Philharmonikern, mit denen er – fast erwartet man es – eine Gesamteinspielung der Beethovenschen Sinfonien erarbeitet.

Um es gleich zu sagen: In der ersten CD dieser Reihe, einer Aufnahme der Vierten und der Siebten Sinfonie, die 2005 beim belgischen Label Talent erschienen ist, erweisen sich die Flamen durchaus auf der Höhe der Zeit. Herreweghes Erfahrungen mit historischem Instrumentarium kommen dabei zweifellos nicht nur der Beethoven-Interpretation im engeren Sinne zugute, sondern auch der Spielpraxis des Orchesters. Dessen Klang ist homogen und transparent, bei sparsam eingesetztem Vibrato – so, wie man es von einer Beethoven-Einspielung heute eben erwartet –, findet jedoch erfreulicherweise die Mitte zwischen Purismus und dem Volumen traditioneller Sinfonieorchester. An seiner Bodenhaftung merkt man, wo die Wurzeln des Klangkörpers liegen; Beethovens Partituren kommt sie insofern zugute, als sie für das nötige innere Gewicht sorgt, das man – um einen Vergleich anzustellen – z.B. auf der gefeierten Aufnahme durch das RSO Stuttgart unter Roger Norrington mitunter vermisst. Dessen etwas skurrile Überraschungen (z.B. die Tempowahl in den langsamen Sätzen) bleiben dem Hörer hier freilich erspart. Herreweghes Interpretation gibt sich kundig, doch unaufgeregt, akkurat gegenüber dem Notentext, ohne ihm doch allzu viele Überraschungen abzuringen.

Freilich scheint es gelegentlich, als seien den Flamen die Beine doch etwas zu schwer, um etwa die ‚Apotheose des Tanzes’, wie die bis zum Überdruss kolportierte Charakterisierung der Siebten durch Richard Wagner lautet, mit der nötigen Verve anzugehen. Statt mit bacchantischem Wirbel wartet das Werk hier mit zwar exaktem, doch etwas uninspiriertem Musizieren auf. Dass namentlich die Holzbläser intonatorisch nicht immer völlig sauber sind, sei nur im Vorübergehen bemerkt. Auch von der weniger ekstatischen, dafür jedoch sehr luftigen Vierten gilt, dass die Funken, die diese Musik so überreich versprüht, nicht so recht überspringen wollen.

Ob das freilich nur am Orchester oder auch am Dirigenten liegt, mag vor der Hand schwer zu entscheiden sein. Freilich zeigte Herreweghes uneingeschränktes Lob verdienende Einspielung der Beethovenschen 'Missa solemnis’ (mit dem Orchestre des Champs-Elysèes), dass zumindest er es (noch) besser kann. Daher wird vielleicht enttäuscht sein, wer ein ähnliches musikalisches Erlebnis von dieser CD erwartet. Einen modernen, solide musizierten Beethoven bietet sie jedoch allemal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonien Nr. 4 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Talent Records
1
11.05.2005
EAN:

5413969291009


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Talent Records

Sometimes labels appear, offering to the listener more than both standard repertoire and romantic masterpieces. The Belgian CLASSIC TALENT label and its founder Ronald Dom belongs to the group of pioneers.

In 1968 Dom started as assistant-label-manager Classic with EMI. He contracted some famous belgian musicians who worked one year on ready-to-record material which was complementary to the international EMI catalogue. The year after the market slumped and EMI withdrew the project. Dom felt himself so responsible that he invited the musicians to record on his own initiative and expenses. Half of the musicians jumped into the sea with him.

1987 the first production came out. For Dom a production is like the birth and the growth of a child . "After the conception, whereas you have to look after the most ideal record circumstances, follows the birth: the record is ready. Then you take care of a nice clothing (jacket and booklet), you give it the best chances through good promotion and at last you let it go its own way."
Everybody is as important as well, but the first who has given her confidence to the new label, was the great violinist Lola Bobesco and her recording of the Viotti violin concertos 22 and 23 is still the bestseller of the catalogue. The last years Talent Records edited recordings with Philippe Herreweghe, Daniele Callegari, Hans Rotman, Marc Soustrot, Marco Guidarini, Wolfgang Meyer, André de Groote, Viviane Spanoghe, Quirine Viersen and since two years we are setting up a series of singer portraits with upcoming and confirmed voices , all singing forgotten French opera repertoir. The Talent catalogue includes 125 productions, which are each year extended with 6 new releases. In the course of 2005-2007 several "world premiere" recordings came out, such as Ernst Toch, Georges Enesco, Charles de Beriot, Henri Vieuxtemps, Vainberg etc.


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