> > > Schütz, Heinrich: Weihnachtshistorie SWV 435
Mittwoch, 19. Juni 2019

Schütz, Heinrich - Weihnachtshistorie SWV 435

Heute ist der Heiland geboren


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein feierliches Repertoirestück der Vorweihnachtszeit: Heinrich Schütz' 'Historia der Freuden- und Gnadenreichen Geburt Gottes und Marien Sohnes Jesu Christi?. Eine gelungene Umsetzung des Chores mit Begleitung von historischen Instrumenten.

Wer kennt die Geschichte der Geburt Jesu Christi nicht? In der bedächtigen Vorweihnachtszeit und am Heiligen Abend greift man immer wieder gerne zu einer Vertonung der Evangelien. Schütz widmete sich erst im hohen Alter der Komposition der 'Historia der Freuden- und Gnadenreichen Geburt Gottes und Marien Sohnes Jesu Christi’. Dabei entstanden ein Eingangschor, acht Intermedien mit eingeschobenen Evangelientexten und ein Schluss. Nach mehreren Bränden in Dresden und Kopenhagen im 18. Jahrhundert galten die handschriftlichen Fassungen als verloren. Nur dem Tatendrang Philipp Spittas und den Notenfunden Arnold Scherings ist es heute zu verdanken, dass das Werk im Gesamten aufgeführt werden kann. Einzig der Eingangschor blieb verschollen, so dass Schering ihn mit Hilfe des Basso-Continuo nach eigenem Ersinnen ergänzte. In dieser Fassung erklingt die frohe Botschaft nun seit 1908.

Die Aufnahme des Heinrich-Schütz-Ensembles und des Monteverdi-Orchesters München wird nach 15 Jahren durch die Edition Günter Hänssler neu herausgegeben. Sie reiht sich in die lange Liste der Schütz-Aufnahmen ein, die fast jährlich immer wieder in der Vorweihnachtszeit auf den Markt gebracht werden. Wie in anderen Projekten arbeitete der Chor mit einem Orchester zusammen, das ausschließlich auf historischen Instrumenten musiziert. Mit Wolfgang Kelber wurde ein bekannter Vertreter der Alten Musik als gemeinsamer Leiter ausgewählt.

„Es begab sich aber...“

Die vortreffliche Besetzung des Evangelisten mit Bernhard Hirtreiter lädt vom Beginn des ersten Intermediums zum Zuhören ein. Der leichte und doch feierliche Ausdruck seiner Stimme lässt den Bibeltext lebendig werden und bereitet die Aussagen der Soliloquenten gekonnt vor. Die langjährige Erfahrung Wolfgang Kelbers (Leitung) zeichnet sich in der individuellen Gestaltung der einzelnen Intermedien ab. Keines gleicht in dieser Interpretation dem anderen. Schon die Komposition gibt vor, dass die Besetzung je Intermedium wechselt: Violinen mit Fagott, Flöten, Trompeten oder Klarinetten. Die Continuo-Begleitung hält sich insgesamt zurück, gerät dadurch aber nie zu weit in den Hintergrund. Auch bei erweiterter Begleitung durch obligat spielende Instrumente ist die Balance zwischen den Solisten, dem Chor und den Instrumentalisten ausgewogen. Die Dynamik und die Artikulation sind der Textaussage entsprechend ausdifferenziert. Das Tempo scheint dagegen in den Jubelgesängen stellenweise beinahe zu ruhig.

'Symphniae Sacrae III'

Neben der Weihnachtshistorie wurden zusätzlich Auszüge aus den 'Symphonie Sacrae III’ aufgenommen. Diese Sammlung von geistlichen Konzerten für fünf bis acht Stimmen galt als großes Abschlusswerk der Kompositionen von Heinrich Schütz. Dafür spricht die große Chorbesetzung und die hinzugefügten obligaten Instrumentalstimmen. (Nach diesem Werk komponierte Schütz allerdings noch weitere 80 Werke.) Kelber wählte drei Stücke aus den 'Symphonie Sacrae III’ aus: SWV 399 'Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen’, SWV 401 'Mein Sohn, warum hast du das getan’ und SWV 408 'Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen’. Anhand der Textaussagen lässt sich keine Verbindung zur Weihnachtshistorie erkennen. Sie stammen hauptsächlich aus dem Lukas-Evangelium und handeln von Worten und Gleichnissen Jesu.

Die Gesamtleistung der Solisten Mona Spägele (Sopran), Elisabeth Graf (Alt), Bernhard Hirtreiter (Tenor), Michael Schopper (Bass), Michael Mantaj (Bass) und des Chores überzeugt auch in diesen Stücken. Spägele schafft es, den rhythmisch sehr einfach gehaltenen Satz (SWV 401) inhaltlich als Unwissenheit des jungen Jesu darzustellen. Trotz des breiten Tonumfanges vermag ihre Stimme die geforderte Unschuldigkeit zu evozieren. Die Phrasierung von Graf ist in den langen Passagen gelungen (SWV 399), da sie den Textfluss nicht unterbrechen. Im selben Lied wirken die Sänger Hirtreiter und Mantaj am Beginn allerdings nur als Begleitung der Instrumentalisten. Trotz der exakt ausgeführten Koloraturen stehen sie in Relation zu den Flötisten in ungünstiger Balance. Die Leistung der Instrumentalisten ist dafür beachtlich. Die Flötisten bestechen durch genaue Artikulation, die Intonation der Blechbläser ist durchgängig sehr gut und der Gesamtklang wirkt prächtig und festlich.

Den Abschluss macht schließlich der 100. Psalm aus dem Opus ultimum von 1671. Mit 'Jauchzet dem Herrn, alle Welt’ wurde ein passender Abschluss gefunden. Der präzise Wechsel des Gregorianischen Chorals, den Solisten und einem achtstimmigen Chor zeigt die Vielseitigkeit des Ensembles und des Komponisten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Weihnachtshistorie SWV 435

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
14.09.2009
Medium:
EAN:

CD
881488602852


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Profil - Edition Günter Hänssler

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