> > > Haydn, Joseph: Philemon & Baucis oder Jupiters Reise auf die Erde
Freitag, 26. April 2019

Haydn, Joseph - Philemon & Baucis oder Jupiters Reise auf die Erde

Zurück zu Papa Haydn: langweilig und verstaubt


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Einspielung von Joseph Haydns 'Philemon und Baucis' gehört in die Mottenkiste der Haydn-Interpretation. Hier lebt der gemütliche Papa Haydn nochmals auf. Leider.

Der Anlass der Uraufführung der Marionettenoper 'Philemon und Baucis oder Jupiters Reisen auf die Erde’ war der Besuch der österreichischen Kaiserin Maria Theresia auf Schloss Esterhazy im Jahre 1773. Wahrscheinlich wurde damit auch gleichzeitig das neu erbaute Marionettentheater eröffnet, aber das ist nicht ganz sicher, zudem ist das Werk auch nur als Fragment überliefert.

Die Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Bauer liefert hier eine Wiedergabe, die die Vorurteile gegenüber Haydns musikdramatischen Schaffen eher bestätigen denn revidieren. Gewiss kann man von den Sängern und den Instrumentalisten nicht verlangen, diesem Gelegenheitswerk die geistige Tiefe späterer Werke abzugewinnen, aber so harmlos und undifferenziert, wie die Musik auf dieser Aufnahme erklingt, ist Haydns Komposition nun auch wieder nicht. Das Hauptproblem resultiert nicht nur aus mangelndem theatralischem Bemühen der vier Solisten, sondern am zumeist modulationsarmen, wenig flexiblen Gesang. So bleibt die Arie des Philemon ('Mehr als zwanzig Jahr’) enervierend monoton und charakterlos. Die folgende Arie ('Ein Tag, der Freude bringt, ...’) von Manuel Warwitz als Philemon prolongiert die emotionale Teilnahmslosigkeit. Auch die Arien der Baucis mit Natalie Vincent wirken wenig verinnerlicht. Gleiches gilt auch für das eigentlich reizvolle Liebesduett (‘Entflohn ist nun der Schimmer’) mit Ulrike Hofbauer (Narcissa) und Bernhard Berchthold (Aret).

Anders der Sachverhalt beim Chor, der aus Mitgliedern des Kammerchores Salzburg (Einstudierung: Norbert Brandauer) bestand. Hier kommt die Stimmbehandlung eine angemessen große Ausdrucksgeste, auch technisch sind kaum Abstriche zu vermerken. Recht pauschal agiert hingegen das Instrumentalensemble Salzburger Hofmusik. Der musikalische Sprachfluss verliert sich zumeist in einer leeren Geste, was der permanenten Gegenwart von Sostenuto-Zähigkeit geschuldet ist. Das beginnt schon mit der einleitenden 'Sinfonia’. Hier wäre eine detailgenaue Durchdringungen der Ereignisfelder wünschenswert gewesen. Stattdessen biedermeilerlicher Haydnklang mit wenig Esprit ab. Eine Interpretation entlang des Notentextes ohne innere Ordnung, ohne tiefere Notwendigkeit. Kein positiver Beitrag zur Einschätzung Haydns als Komponist musikdramatischer Werke, sondern leider Bestätigung altbekannter Vorurteile. Der interessante Text des Booklets vermag diese Mängel nicht auszugleichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Haydn, Joseph: Philemon & Baucis oder Jupiters Reise auf die Erde

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
04.05.2009
EAN:

881488903850


Cover vergössern

Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Profil - Edition Günter Hänssler:

  • Zur Kritik... Badische Probleme: Eine zu kleine Besetzung hindert die volle Wirkung eines Karlsruher Hofkapellmeisters. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nüchterner Bruckner: Das WDR Sinfonieorchester Köln und sein Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste widmen sich eingehend Bruckners Achter Sinfonie. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Vokal perfekt: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden führten im Jahr 2014 in einem Gedenkkonzert Verdis Requiem mit hervorragenden Solisten auf. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Profil - Edition Günter Hänssler...

Weitere CD-Besprechungen von Michael Pitz-Grewenig:

  • Zur Kritik... Immer wieder neue Erkenntnisse: Der Pianist Alexandre Tharaud legt geistreiche und glänzende Interpretationen von Werken ader frühen Moderne vor. Ravel, Satie u. a. sind bei ihm in besten Händen. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Konzentration und Anspruch: Miklós Spányi begibt sich wieder in spannende Randbereiche des Repertoires und sagt Neues zu Carl Philipp Emanuel Bach. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Musik als Abenteuer im Kopf: Das Minguet Quartett legt einen gewichtigen Beitrag zur Rihm-Rezeption vor. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
blättern

Alle Kritiken von Michael Pitz-Grewenig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Alternative zu Bach: 'Der blutige und sterbende Jesus' ist eine klangschöne Alternative für die Passionszeit. Dazu interessant als besonders frühes Beispiel eines gleichwohl schon komplett und reif wirkenden Passionsoratoriums. Ganz klar: Reinhard Keiser lohnt sich. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Melodieselige Cello-Virtuosität: Original-Werke und melodieselige Arrangements für Cello und Orchester von russischen Komponisten präsentiert Daniel-Müller Schott hier auf höchsten Niveau. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Chansons, neu interpretiert: Das zweite Album von Charlotte Haesen und dem Ensemble Café des Chansons versammelt Bearbeitungen französischer Chansons. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Robert Kahn: Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Allego energico

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich