> > > Gronefeld, Ingo: Flauto Traverso und Flauto Dolce in den Triosonaten des 18. Jahrhunderts - Band 2: Fasch - Millingre
Montag, 20. Mai 2019

Gronefeld, Ingo - Flauto Traverso und Flauto Dolce in den Triosonaten des 18. Jahrhunderts - Band 2: Fasch - Millingre

Gelungenes Werkverzeichnis


Label/Verlag: Dr. Hans Schneider Verlag
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch der zweite Band von Ingo Gronefelds Überblick über das barocke Repertoire für Flauto traverso und Flauto dolce eröffnet dem Praktiker einen breiten Blick in die zur Verfügung stehenden Werke.

Nach zweijähriger Pause ist in diesem Jahr der zweite Band zum Gebrauch der Flauto traverso und Flauto dolce in Triosonaten des 18. Jahrhunderts erschienen, der sich alphabetisch mit den Komponisten Fasch bis Millingre befasst. Dem Hauptziel, alle zugänglichen Werke in dieser weit verbreiteten Gattung des Barock zu erfassen, liegt eine gewissenhafte Forschungsarbeit in zahlreichen europäischen Archiven zugrunde. Die noch andauernde Arbeit des Musikwissenschafters Ingo Gronefeld zeugt von der enormen Werkfülle und den überaus beliebten Einsatz besonders der Traversflöte bei Komponisten, die ausdrücklich nicht später als 1750 geboren wurden. Nach eigener Aussage umgeht der Herausgeber mit dieser zeitlichen Eingrenzung die problematische Frage nach dem Einsatz von einem ein- oder zweiinstrumentalem Basso continuo. Gemeint ist damit, dass vor allem für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts oftmals nicht eindeutig geklärt werden kann, ob es sich bei der tiefsten Stimme des Trios nach oftmals frühklassischer Auffassung lediglich um ein Violoncello oder dem noch barocken Verständnis nach um einen Basso-Continuo-Part mit Cembalo und Cello handelt.

Genauso legitim erscheint eine weitere Herangehensweise zur Eingrenzung des Werkverzeichnisses, denn Gronefeld gibt bei Unstimmigkeiten in der Handschriftenüberlieferung die ersichtlichen Besetzungsvarianten immer gleich mit an. Somit ergibt sich beim Durchblättern des Kataloges häufig das Bild, dass neben dem Einsatz zweier Traversflöten auch die Möglichkeit zweier Violinen gegeben und zum Teil sogar ausdrücklich vorgeschrieben ist.

Neben der alphabetischen Vorgehensweise ordnet Gronefeld die Werke der jeweiligen Komponisten nach ihren Tonarten von den Notennamen c-a. Diese Art der Darstellung ist für den vorliegenden zweiten Band zwar recht übersichtlich, weil keine Komponistennamen wie beispielsweise Telemann oder Bach auftauchen, denen wohl in den anderen Bänden Gronefelds eine noch deutlich ausgiebigere Werkfülle in dieser Gattung nachgewiesen werden kann. Jedoch wäre für die Suche und Praxis möglicher Aufführungswerke eine besetzungsbetontere Ordnung hilfreich, bei welcher die Triosonaten zusätzlich nach der Besetzung der zweiten Stimme katalogisiert werden, die oftmals Violine oder Oboe, aber auch beispielsweise Viola d’amore oder Gambe sein kann.

Besonders hervorgehoben werden muss die Darstellung der ersten Takte (Incipits) der Flötenstimme bei jedem Triosatz der Komponisten. Dies erleichtert zum einen für Flötisten ungemein die mögliche Wiedererkennung von Werken. Des weiteren können diese wenigen Takte einen ersten Eindruck vom Werk verschaffen und damit äußerst hilfreich für die Auswahl und Entscheidung eines Werkes sein. Dennoch wünschenswert für die musikalische Praxis wäre bei diesen Incipits die gleichzeitige Angabe der beiden anderen Instrumentalstimmen, dank derer die Vorstellung besonders hinsichtlich der Art der Melodieverteilung und auch dem Schwierigkeitsgrad erheblich vereinfacht würde. Für die Wissenschaft ein wichtiger Zusatz ist der genaue Verweis auf den oder gleich mehrere Archivorte, in denen die Komposition als Handschrift vorhanden ist. Mit der Auslassung dieses für die musikalische Praxis weniger gewichtigen Zusatzes könnte andererseits Platz für den Druck der Satzanfänge aller Stimmen geschaffen werden.

Trotz der kleineren Verbesserungsvorschläge, die dem ausübenden Musiker zu einer noch vertiefenderen Kenntnis der Triosonaten des Barock führen könnten, stellt das noch nicht beendete Forschungswerk Gronefelds einen beachtlichen Beitrag zur vielleicht meistgespielten Gattung der barocken Kammermusik dar. Die insgesamt sehr gute Materialqualität des 600-seitigen Buches sowie der angemessen schlichte Leineneinband rechtfertigen neben dem immensen Arbeitsaufwand den zugegebenermaßen recht hohen Preis des Teilbandes.

Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gronefeld, Ingo: Flauto Traverso und Flauto Dolce in den Triosonaten des 18. Jahrhunderts - Band 2: Fasch - Millingre

Label:
Anzahl Medien:
Dr. Hans Schneider Verlag
0

Cover vergössern

Dr. Hans Schneider Verlag

1958 fügte Hans Schneider seinem 1949 gegründeten Musikantiquariat einen musikwissenschaftlich ausgerichteten Verlag hinzu. Lag anfangs der Schwerpunkt in der Herausgabe wichtiger Quellen zur Musikgeschichte als Faksimiles, sind nach und nach auch etliche wissenschaftliche Buchreihen hinzugekommen. So arbeitet der Verlag unter anderem mit etablierten musikwissenschaftlichen Institutionen im deutschsprachigen Raum zusammen. Zu nennen sind hier:

Die Universitäten Frankfurt, Mainz, München, Regensburg, Tübingen, Wien und Würzburg, die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, das Kunsthistorische Museum in Wien, die Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte, die Musikhochschule München, der Landesverband Bayerischer Tonkünstler, die Johannes-Brahms-Gesellschaft Internationale Vereinigung, die Hans Pfitzner-Gesellschaft, die Internationale Richard Strauss-Gesellschaft, die Internationale Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft, das Wiener Institut für Strauß-Forschung, die Internationale Joseph Haydn Privat-Stiftung Eisenstadt, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die Internationale Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik.

Als Verleger hat Hans Schneider ebenso viele Standardwerke herausgebracht, so u. a. Stiegers Opernlexikon, die achtbändige Dokumentation Carl Orff und sein Werk, den Katalog der Sammlung Anthony van Hoboken, Werkkataloge von Brahms, Bruckner, Clementi, Franck, Lully, Schumann, Spohr und Wagner, ebenso die Dokumente und Briefe des Walzerkönigs Johann Strauß (Sohn) und eine Dokumentation über die Geigenbauer der Deutschen Schule des 17.-19. Jahrhunderts von W. Hamma, als auch über die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart von Willibald Leo von Lütgendorff.

Schwerpunkte im Verlagsprogramm sind musikbibliographische Arbeiten, Musikinstrumentenkunde, Musikgeschichte, Studien zum Musikverlagswesen sowie Reprints wesentlicher Quellen zur Verlags- und Musikgeschichte.

Seit der Gründung des Verlags sind über 1250 Titel bei ?Hans Schneider ? Tutzing? erschienen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Dr. Hans Schneider Verlag:

  • Zur Kritik... Spannende Publikation zum Instrumentenbau und seinen Rahmenbedingungen im 19. Jahrhundert: Das von Uta Goebl-Streicher edierten 'Reisetagebuch des Klavierbauers Joahnn Baptist Streicher' leistet einen wertvollen Beitrag zur Erforschung des zeitgenössischen Klavierbaus und der Infrastruktur des Musikgeschäfts im 19. Jahrhundert. Weiter...
    (Meike Wiese, )
  • Zur Kritik... Überfällig: Michael Wackerbauers großartiges Buch über die Geschichte der groß besetzten Streicher-Kammermusik und ihre kompositorischen Besonderheiten ist nicht nur ein wichtiges wissenschaftliches Buch, sondern auch eine Fundgrube für Musiker. Weiter...
    (Christian Starke, )
  • Zur Kritik... 'Herzliebster Bach, was hast du verbrochen': Heinrich Deppert widmet sich in seiner Studie dem Frühwerk J.S. Bachs und unterfüttert seine These mit einer schlüssigen Argumentation. Weiter...
    (Marion Beyer, )

Alle Kritiken von Dr. Hans Schneider Verlag...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie: Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Hinreißendes Manöver: Das Theater Gießen hat mit der Wiederbelebung von Emmerich Kálmáns Operetten-Erstling 'Ein Herbstmanöver' einen Volltreffer gelandet, der beim Label Oehms auf nur einer CD akustisch konserviert wurde. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Durchwachsen: Eher unbekanntes Repertoire von Louis Vierne erkundet Muza Rubackyte mit Partnern von wechselnder Eignung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klangsinnliches Volkslied: Der Tenor Christian Gerhaher und ein exzellentes Klaviertrio widmen sich schottischen und walisischen Volksliedern mit entwaffnender Natürlichkeit und Eleganz im Ausdruck – in bester Klangqualität. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonia VIII in D major - Adagio e grave - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich