> > > Wagner, Richard: Die Walküre, 1. Akt
Montag, 22. April 2019

Wagner, Richard - Die Walküre, 1. Akt

Die letzten Stunden


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Doppel-CD, erschienen in der Edition Staatskapelle Dresden bei Profil Medien (2008), dokumentiert zahlreiche Aufnahmesitzungen die 1944 stattfanden. Trotz des fragmentarischen Charakters haben die Aufnahmen einen ganz eigenen Charme.

Archivaufnahmen von besonderer Qualität

Die 23. Ausgabe der Edition Staatskapelle Dresden bietet wertvolle und eindrucksvolle Einblicke in die letzten Interpretationen einiger Wagneropern, welche teilweise im Dresdner Opernhaus, vor seiner Zerstörung in der Nacht vom 13./14. Februar 1945, im Jahre 1944 entstanden sind. Bei den auf der Doppel-CD befindlichen Aufnahmen handelt es sich jedoch nicht um vollständig aufgezeichnete Werke. Im Zuge der Kriegswirren ist es teilweise bis heute ungeklärt, wie viele und welche Tondokumente verschollen sind, so bleibt auch ungeklärt, warum einige der Aufnahmen zudem im Steinsaal des Dresdner Hygienemuseums angefertigt wurden. Größtenteils bekannt ist aber die Historie der bis heute erhaltene Aufnahmen, Aufschluss darüber gibt das sehr informative und anschaulich gestaltete Booklet. So bietet die erste CD den vollständigen 1. Akt von Wagners 'Die Walküre', unter der Leitung Karl Elmendorff, die zweite CD bietet einzeln erhaltene Szenen und Aufnahmefragmente aus 'Tannhäuser', 'Der fliegende Holländer', 'Die Meistersinger von Nürnberg', 'Siegfried' und 'Götterdämmerung'. Zusätzlich zu den Interpretationen Elmendorffes, findet man auch Kurt Striegler als Dirigenten einiger Aufnahmesitzungen vor.

Hohe Aufnahmequalität

Die Aufnahmequalität ist nach moderner technischer Aufwertung sehr gut. So kommt man beim Hören des 1. Aktes der Walküre in den Genuss, die Akustik der „alten“ Semperoper vor Ihrer Zerstörung erleben zu können. Das Orchester kommt überzeugend mit all seinen dynamischen Nuancen zur Geltung, der Gesang ist sehr präsent. Insgesamt ist die Balance beider bei fast allen Aufzeichnungen sehr ausgeglichen.

Hohes musikalisches Niveau

Es mag einerseits bedauerlich sein, keine ‚vollständigen’ Aufnahmen hören zu können, was jedoch zugleich die noch erhaltenen Aufnahmen umso bedeutender macht. Karl Elmendorff sowie Kurt Striegeler legen auf diesen Aufnahmen Zeugnis von ihrer Qualität als Wagner-Interpreten bzw. Dirigenten ab. Aufnahmen z.B. aus dem Jahre 1938 unter dem Dirigat Bruno Walter oder eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1941, dirigiert von Erich Leinsdorf, machen dies im Vergleich deutlich. Elmendorf sorgt für eine sehr differenzierte Dynamik, die feinen Nuancen verleihen der Musik große Ausdruckskraft und überzeugen somit durch Emotionen und Atmosphäre. Während die genannten Vergleichsaufnahmen noch ein wenig das Tempo- bzw. Rhythmusgefühl eines deutschen Marsches zu Tage fördern, gelingt Elmendorf, mit seinem Orchester ein fließendes und weiches Tempo zu etablieren, welches sich der Dramaturgie der Musik anzupassen vermag. Besonders bemerkenswert wird dies auch im Zusammenspiel von Orchester und Solisten in 'Ich weiß ein wildes Geschlecht' aus der 1. Szenen und 'Einen unseligen labtest du' aus der 2. Szene. Bereits aber beim Vorspiel des 1. Aktes wird deutlich, welches Potential das Orchester bereithält. Die Kontrabässe eilen stetig mit Ihrer Linie voran, das Tremolo der Streicher unterstützt die dramaturgische Anspannung durch ihr dynamisches An- und Abschwellen. Die Blechbläser kündigen im sauber intonierten Unisono die bevorstehende Klimax an, welche sprichwörtlich mit Paukenschlägen zu Fall gebracht wird.

Die Aufnahmen sind als ein wichtiges historisches Dokument anzusehen, bei dem die Qualität des Orchesters, der Solisten und der Dirigenten bis heute auf höchstem Niveau deutlich wird. Auch wird mit dieser Veröffentlichung ein wichtiger Zusammenhang zwischen Wagners Musikschaffen und den Dirigenten der Dresdener Operngeschichte symbolisch hergestellt. Informationen dazu bietet das Booklet mit zahlreichen Illustrationen, einem historisch-biographischen Abriss zu Komponist, Dirigenten, Solisten und Opernhaus. Auf knapp 118 min. wird damit ein genussvolles Nacherleben einer bedeutenden Wagner-Deutung in den letzten Stunden eines bedeutenden Opernhauses ermöglicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: Die Walküre, 1. Akt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Profil - Edition Günter Hänssler
2
30.01.2009
118
EAN:
BestellNr.:

881488704853
PH07048


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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