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Dienstag, 23. Juli 2019

Ockeghem, Johannes - Missa Cuiusvis Toni

Gelungenes Experiment


Label/Verlag: aeon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ockeghems ?Missa Cuiusvis Toni? in vier absolut gelungen interpretierten Varianten: Die Versöhnung von theoretischem Anspruch und praktischer Ausführung, absolut überzeugend dargeboten vom Ensemble Musica Nova.

Johannes Ockeghem (ca. 1420 – 1497) gilt als eine der einflussreichsten Komponistenpersönlichkeiten der Renaissance. Zu seinen Lebzeiten in einflussreichen Stellungen am französischen Königshof, geachtet, ja bewundert von seinen komponierenden Zeitgenossen und mit entsprechender Intensität und Aufrichtigkeit bei seinem Tod beweint, war der im heute belgischen Saint-Ghislain geborene Künstler eine der überragenden Figuren. Und das lag nicht nur am rein musikalischen Erfolg seiner Werke – auch in Sachen satztechnischer Raffinesse war er den meisten Kollegen überlegen und stellte mit seinem ambitionierten Motetten und Messen auch die ausführenden Sänger der Zeit vor etliche Herausforderungen.

Das in dieser Hinsicht vielleicht herausragende Beispiel ist die ‚Missa Cuiusvis Toni’, jene Messe also, die Ockeghem so komponierte, dass sie in jedem der damals bekannten Kirchentöne gesungen werden konnte. Eine konstruktivistische Leistung von derart unerhörtem Ausmaß in einen auch rein musikalisch funktionierenden Satz zu gießen stellt dieses Werk musikhistorisch deutlich in die erste Reihe. Neben der theoretischen Herausforderung bedeutete die Messe für die Sänger, dass sie mit den gängigen Prinzipien von Solmisation und kontrapunktischer Praxis sehr vertraut sein mussten, galt es doch, die verschiedenen Alterationen dem jeweiligen Modus anzupassen und einzufügen.

Starke Interpreten

 

Was für die Interpreten des 15. Jahrhunderts beinahe Alltag gewesen sein mag, stellt auch kundige Ensembles der Gegenwart vor erhebliche Herausforderungen. Sich diesen historischen, theoretischen und praktischen Problemen gestellt zu haben, verdient Respekt. Dass dem ‚Ensemble Musica Nova’ in den nur fünf Tagen der Aufnahme eine derart geglückte musikalische und theoretische Demonstration gelungen ist, ist umso schöner.

Die acht Sängerinnen und Sänger musizieren sehr konzentriert, in einem fast kristallinen Klangbild, das im Wechsel der Modi gleichwohl eine erstaunlich breite Ausdruckspalette zulässt. Sehr ausgeprägte, gut fokussierte Register prägen das Bild, die französische Aussprache des Textes gibt der Interpretation eine spezielle Note. Ockeghems vierstimmige Setzweise folgt einem an der tiefen Lage orientierten Ideal und lässt die für die Motetten und Messen des Meisters typischen, intensiv gestalteten Bassverläufe plastisch hervortreten.

Besondere Erwähnung verdient die hervorragende Intonation des Ensembles: Sie muss angesichts der herauszuarbeitenden Feinheiten als absolute Voraussetzung für das Vorhaben gelten, wird diesen Anforderungen aber auch deutlich gerecht.

Würde nur eine Variante der Messe in dieser Qualität geboten – allein das wäre eine positive Erwähnung wert. Dem Hörer mit vier Varianten die Möglichkeit des intensiven Vergleichs zu geben und damit dem Ansinnen Ockeghems zu entsprechen, ist ein wirklicher Glücksfall. Und so sind die Unterschiede – wenn man beispielsweise die vier verschiedenen Kyrie-Varianten nebeneinander stellt – durchaus erheblich, ohne dass für diesen Befund in das Hören etwas ‚hineingeheimnisst’ werden müsste.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ockeghem, Johannes: Missa Cuiusvis Toni

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
aeon
2
01.03.2009
Medium:
EAN:

CD
3760058367537


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aeon

Äon bedeutet im Altgriechischen soviel wie Zeitalter bzw. Ewigkeit. Wenngleich letztendlich keine Aufnahme für die Ewigkeit sein kann, so kann sie doch zumindest Gültigkeit für ein Zeitalter oder Menschenalter beanspruchen. Diesem nicht geringen Anspruch versucht man bei AEON mit bereits fast hundert Titeln gerecht zu werden. Für seine Einlösung spricht, dass das Label seit seiner Gründung 2001 schnell zu einer der ersten Adressen aus Frankreich wurde. Den Labelgründern Damien und Kaisa Pousset ist es wichtig, einen Katalog zu schaffen, dessen einzelne Titel jeweils als ultimative Intention der beteiligten Musiker verstanden werden können. Künstler wie Alexandre Tharaud, Andreas Staier, Felicity Lott oder das Quatuor Ysaÿe haben hier Aufnahmen vorgelegt, die woanders so sicherlich nicht möglich gewesen wären. Der Katalog von AEON umfasst im Wesentlichen drei Hauptschwerpunkte: monographische CDs mit Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, dann das breitere, klassische Repertoire, das durch ausgewählte Künstler und Ensembles bestritten wird, sowie die frühe Musik des Mittelalters.


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