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Dienstag, 23. Juli 2019

Mahler, Gustav - Rückert-Lieder

Mild und leise!


Label/Verlag: aeon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Transkriptionen für Klavierquartett von Wagner- und Mahlerliedern sowie Isoldes Liebestod singt Felicity Lott auf diesem Album. Kongenial begleitet vom Quatuor Schumann werden diese kammermusikalischen Bearbeitungen zu klugen Betrachtungen der Originale.

Wagt sich Felicity Lott jetzt ins hochdramatische Fach? Liebhaber der feinfühligen Interpretin müssen sich keine Sorgen um die Stimme ihres Idols machen. Zwar singt die Britin auf ihrer neuesten CD Mahlers Rückert-Lieder, die Wesendonck-Lieder und sogar Isoldes Liebestod. Gegen ein spätromantisches Orchester durchsetzen muss sich Lott aber nicht. Partner der Sopranistin ist auf diesem Album nämlich ein Klavierquartett. Die hier eingespielten Transkriptionen für Kammermusik-Ensemble stammen allesamt von Christian Favre. Ausgehend von den Klavierpartituren zu den Werken, hat er Klangfarben und Intentionen der Orchesterfassungen auf die Möglichkeiten des Klavierquartetts übertagen. Nicht nur bei den Mahler-Liedern gelingt ihm – wie durch einen Brennspiegel – eine kluge Betrachtung des Orchestersatzes. Das Tristan-Vorspiel legt in der Bearbeitung seine Nähe zur zweiten Wiener Schule offen. Selbst das, was in Favres Bearbeitung bisweilen von ferne an Caféhaus erinnert, nimmt der Musik nichts von ihrer Weihe und Wirkung.

Exquisit gestaltet

Und wie singt Felicity Lott? Eingebettet in den leichten und transparenten Kammermusiksatz bietet sie den Liebestod mit Leichtigkeit und geschmeidigen Verziehrungen. Hier ist Isoldes ‘mild und leise...’ wirklich einmal angebracht. Lott setzt auf Nuancen und Farbwerte und lässt dennoch weder Emphase noch strahlende Töne vermissen. Wenn sie auf den letzten Notenwerten ihre Stimme zurücknimmt, gleichsam ersterben lässt, beleuchtet sie Wagners Heroine mit ihren eigenen Mitteln von innen heraus. In den Wesendonck-Liedern gelingt ihr ‘Stehe still’ viel souveräner und lyrischer als so mancher dramatischen Sängerin. Hypnotische Melancholie beschwört Lott in ihrer Interpretation von ‘Im Treibhaus’. Das exquisit gestaltete ‘Träume’ ist einer der Höhepunkte der Aufnahme. 

Eigene Form

Und doch entfaltet sich Lotts Stimme am natürlichsten in den Mahler-Liedern. ‘Liebst du um Schönheit’ klingt von ihr gesungen, als jubele da eine frischverliebte Zwanzigjährige. Und dann lässt die Sopranistin in ‘Um Mitternacht’ bange Fragen über die sparsame Quartett-Begleitung schweben. Mit ‘Ich bin der Welt abbanden gekommen’ liefert Lott ein zartes Kernstück dieser interessanten Sicht auf Mahler und Wagner, die vor allem auch deshalb funktioniert, weil sich für die musikalische Begleitung der Sopranistin mit dem Quatuor Schumann wahre Farbzauberer zusammengefunden haben. Ihren intelligenten Vortrag gestalten die Musiker mit ungebändigter Vorstellungskraft und finden so zu eigenen Formen, die das große Orchester nicht vermissen lassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Rückert-Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
aeon
1
01.03.2009
Medium:
EAN:

CD
3760058368589


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aeon

Äon bedeutet im Altgriechischen soviel wie Zeitalter bzw. Ewigkeit. Wenngleich letztendlich keine Aufnahme für die Ewigkeit sein kann, so kann sie doch zumindest Gültigkeit für ein Zeitalter oder Menschenalter beanspruchen. Diesem nicht geringen Anspruch versucht man bei AEON mit bereits fast hundert Titeln gerecht zu werden. Für seine Einlösung spricht, dass das Label seit seiner Gründung 2001 schnell zu einer der ersten Adressen aus Frankreich wurde. Den Labelgründern Damien und Kaisa Pousset ist es wichtig, einen Katalog zu schaffen, dessen einzelne Titel jeweils als ultimative Intention der beteiligten Musiker verstanden werden können. Künstler wie Alexandre Tharaud, Andreas Staier, Felicity Lott oder das Quatuor Ysaÿe haben hier Aufnahmen vorgelegt, die woanders so sicherlich nicht möglich gewesen wären. Der Katalog von AEON umfasst im Wesentlichen drei Hauptschwerpunkte: monographische CDs mit Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, dann das breitere, klassische Repertoire, das durch ausgewählte Künstler und Ensembles bestritten wird, sowie die frühe Musik des Mittelalters.


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