> > > Dowland, John: Lieder für Tenor und Laute
Samstag, 25. Mai 2019

Dowland, John - Lieder für Tenor und Laute

Britische Melancholie


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lieder von Dowland und Nocturnals Britten in einer dichten und berührenden Interpretation.

Nicht immer gelingt es, eine CD mit zwei Komponisten, die knapp vierhundert Jahre voneinander getrennt gelebt haben, so überzeugend zusammen zu produzieren, wie es auf dieser CD mit Liedern von John Dowland (1563-1626) und den Nocturnals von Benjamin Britten (1913-1976) geschehen ist. Eingerahmt von zwei Blöcken mit sechs Liedern am Anfang und sieben Liedern am Ende (u.a. solche ‚Klassiker‘ wie ‚Come, heavy Sleep‘, ‚Flow, my tears‘ oder ‚In darkness let me dwell‘), die wiederum von insgesamt drei Solostücken für Laute unterbrochen werden, finden sich die Nocturnals, acht kleinere Stücke für Gitarre solo, die Britten als Variationen auf Dowlands ‚Come heavy sleep‘ geschrieben hat.

Die Lieder von Dowland werden von Mark Padmore interpretiert. Padmore ist ein intelligenter Sänger, der weiß, was er singen möchte und singt. Jedes Wort, jede musikalische Phrase wird bei ihm ausdrucksstark gestaltet. Hervorzuheben ist dabei besonders, dass trotz der intensiven Detailgestaltung nie der Eindruck entsteht, hier werde dem Manierismus gehuldigt. Stilistisch erinnern Padmores Stimme und Gestaltungswille oft an frühere Aufnahmen von Ian Bostridge, wenn auch Padmores Tenor eine eher baritonale Färbung aufweist. Leider klingt seine Stimme nicht immer ganz so natürlich und so frei, wie man es sich wünschen würde. Vor allem die Höhe macht ihm spürbar zu schaffen - sie klingt nicht selten eng und gepresst. Dennoch überzeugt seine Gestaltung, und die Tatsache, dass seine Stimme manchmal etwas dunkler und angestrengt klingt, passt an einigen Stellen sogar zu der melancholisch bis depressiven Stimmung der Lieder Dowlands. Begleitet wird Padmore ebenso einfühlsam wie unaufdringlich von Elizabeth Kenny auf der Laute.

Der Interpret des Herzstücks der CD, den Nocturnals op. 70, die Britten für Julian Bream anlässlich des Aldeburgh Festivals 1964 komponiert hat, ist Craig Ogden. Die Fülle der fein nuancierten Klangfarben, die Ogden auf seiner Gitarre erzeugen kann, weist ihn wieder einmal als führenden Gitarristen seiner Zeit aus. Seine Interpretation ist beinahe noch inniger als die ohnehin schon sehr stille und meditative Interpretation der Nocturnals von Julian Bream. So werden die Nocturnals von Britten zum eigentlichen, auch musikalischen, Zentrum dieser Aufnahme, zu einem Gang in die Stille, in die Nacht; ein Gang, der tiefsinnig, innig und intim gestaltet worden ist. Die Aufnahmetechnik trägt das ihre dazu bei, diesen Eindruck hervorzurufen. Dass das Booklet zwar einen Einführungstext in englischer, französischer und deutscher Sprache enthält, die Texte der Lieder Dowlands aber nicht übersetzt worden sind, ist bedauerlich. Fazit: Eine gelungene CD für jemanden, der sich auf einen Gang in die Stille einlassen möchte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dowland, John: Lieder für Tenor und Laute

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
25.01.2008
EAN:

034571176482


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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