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Montag, 22. April 2019

Lehár, Franz - Spring

Erfrischend und spritzig


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dynamik wie auch die Phrasierung und die Gestaltung sind geschmackvoll angelegt.

Nicht so verträumt und sehnsüchtig, wie das Frühlingsmädel von Sir Lawrence Alma-Tadema auf dem Covergemälde der CD suggeriert, sondern erfrischend und spritzig klingt die zu Unrecht vergessene Musik zu Franz Lehárs Operette ‚Frühling‘ nach einem Libretto von Rudolf Eger.
1922 wurde im einschlägigen Wiener Kabarett ‚Hölle‘ des Komponisten letzter und – wie im ausgezeichnet zusammengestellten und kenntnisreich verfassten Programmheft festgehalten wird – ambitioniertester Einakter mit großem Erfolg herausgebracht, der in der Folgezeit einige Adaptionen und Umarbeitungen erfuhr.

Der Plot verlässt die ausgetretenen Pfade der Gattung: Es werden diesmal nicht Gräfinnen oder Fürstinnen besucht, sondern die arbeitende Bevölkerung beschrieben. Dabei werden aktuelle Themen wie die Wohnungsnot behandelt. Das ist für diese Zeit recht außergewöhnlich.
Zu Beginn findet man sich in einem kleinen Maschinenschreibbüro im Wien der frühen 20er wieder. Dieses ist aber nur der Rahmen der eigentlichen Handlung, denn eine der beiden Stenotypistinnen, die zufälligerweise das Operettenmanuskript eines Texters abzutippen hat, träumt sich in die Handlung hinein. Dort geht es recht turbulent zu, es gibt Tränen, Verwechslungen und Verwicklungen, aber am Ende hat der echte Komponist seine echte Freundin. Nur der übriggebliebene Texter gelangt zur Erkenntnis: ‚Dem Librettisten flicht die Mitwelt keine Kränze, sein Schaffen bleibt verborgen in der Gänze./ Der Komponist genießt die Huld – wenn’s durchfällt, sind die Dichter schuld!/ Dabei wär‘n selbst die größten Komponisten von Gott verlassen ohne Librettisten!‘

Der Dirigent Johannes Goritzki hat es geschafft, das musikalische Künstlermilieu mit seiner Deutschen Kammerakademie Neuss in eine zarte Atmosphäre zu tauchen. Drum herum bestätigt er, dass Lehár sein Handwerk verstand. Die neuesten Tanzrhythmen wie Onestep, Shimmy, Foxtrott, üppige Walzer wie auch rezitativische Passagen werden mitreißend durchmusiziert.
Und auch die Sänger gestalten mit überdurchschnittlichem Niveau: Stefanie Krahnenfelds Sopran korrespondiert einerseits gut mit dem ihrer Steno-Kollegin Alison Browner sowie mit den beiden ‚Autoren‘ Robert Wörle, der hier die lyrische Tenorpartie übernahm, und Markus Köhler.
Die Instrumentation beschränkt sich auf ein Kammerorchester mit Klavier. Goritzki liefert agogische Tempi, die die Sänger atmen lassen, und seine Dynamik wie auch die Phrasierung und die Gestaltung sind geschmackvoll angelegt. Intonatorisch gibt es kaum etwas zu bemängeln.

Zweifellos bereichert diese Aufnahme, die cpo gemeinsam mit DeutschlandRadio herausbrachte, den Markt. Waren doch einige Piecen aus dem Werk seinerzeit Weltschlager gewesen, wie etwa das Duett Hedwig/ Lorenz ‚Wenn eine schöne Frau befielt‘, das Richard Tauber auf seine Tourneen mitnahm.
Interessanterweise sind der Operette drei Orchestertänze beigefügt, die Lehár 1919 instrumentierte. Außerdem erklingen auf der CD noch Elfentanz, Lehárs erster Konzertwalzer, und seine Ungarische Phantasie für Violine und Orchester (Solist Mark Gothoni, Violine), ein virtuoses Bravourstück, das der melodielastigen CD einen pfeffrigen Abschluss gibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lehár, Franz: Spring

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.04.2001
78:08
2000
2001
EAN:
BestellNr.:
0761203972722
999 727-2

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Lehár, Franz


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Dirigent(en):Goritzki, Johannes
Orchester/Ensemble:Deutsche Kammerakademie Neuss
Interpret(en):Krahnenfeld, Stefanie (Soprano)
Browner, Alison (Soprano)
Wörle, Robert (Tenor)
Köhler, Markus (Baritone)
Gothoni, Mark (Violin)


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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