> > > Skrjabin, Alexander: 24 Préludes op. 11
Sonntag, 25. August 2019

Skrjabin, Alexander - 24 Préludes op. 11

Meissner Porzellan


Label/Verlag: aeon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine solide Interpretation einer Auswahl von Scriabins Klavierwerken. Leider fehlt der Zauber.

Das Klavier nimmt im Schaffen des russischen Komponisten Alexander Nikolajewitsch Scriabin einen wichtigen Platz ein. Kein Wunder, hatte er doch nach rechtzeitigem Abbruch einer militärischen Laufbahn Klavier studiert, zuletzt am Moskauer Konservatorium. Mit seinem dortigen Kompositionsprofessor überwarf er sich, so erhielt er keinen Abschluss in Komposition. Er wurde Konzertpianist und Klavierlehrer. Letztere Stelle gab er wieder auf und konzentrierte sich auf Konzerttätigkeit und Komposition. Bekannt ist er auch für den Versuch eines Farbenklaviers, mit dem er sein Farbenhören, eine  ihm angeborene synästhetische Fähigkeit, für das Konzertpublikum verdeutlichen wollte. Weder konnte seine Klang-Farben-Tabelle überzeugen, noch teilte das Publikum seine Farbassoziationen.

Jetzt hat das französische Label ,aeon’, das sich auch mit einer ausgezeichneten Reihe für zeitgenössische Musik einen Namen gemacht hat, in seiner Abteilung ,aeon classics’ eine CD mit Klavierwerken Scriabins in Interpretationen von Peter Laul herausgebracht. Der Schwerpunkt liegt auf den ,24 Préludes op. 11’, die allein die Hälfte der CD einnehmen. Die Gesamtzusammenstellung vermag jedoch mit der Auswahl von Werken aus verschiedenen Schaffensperioden Scriabins einen Eindruck seiner kompositorischen Entwicklung vermitteln.

Seine 24 Präludien (1888-1896) sind eine Hommage an Chopin, angelehnt an dessen Opus 28. Der Walzer op. 33 steht noch in der Tradition der deutschen Romantik. Die Klaviersonaten Nr. 5 ,Weiße Messe’ (1907) und Nr. 9 ,Schwarze Messe’ (1913) stehen unter der Hinwendung zur Theosophie. Die CD schließt mit seinem letzten ,Poem’, dem ,Vers la flamme’. Insgesamt zeigt sich Scriabin unter anderem mit der Entwicklung eines eigenen Tonsystems als einer der ersten Vertreter der ,Neuen Musik’.

Ohne Zauber

Peter Laul wählt für seine Interpretation einen ästhetischen Ansatz. Mit seinen Händen modelliert er die Klavierwerke schön und zerbrechlich wie Meißner Porzellan. Ein solcher Zugang ist zulässig, vermag mich allerdings nicht zu überzeugen. Wenn jemand zum ersten Mal Scriabins Kompositionen in dieser Einspielung hören würde, würde er sicher an seiner Bedeutsamkeit als großer Komponist zweifeln. Laul spielt distanziert. Es ist alles richtig und scheint Bedeutung zu haben, aber es bleibt äußerlich, der Solist fühlt sich nicht wirklichin die Musik der Werke ein. Man hat nicht den Eindruck, dass Scriabin durch ihn ,hindurchgegangen’ ist. Da vibriert kein Ton, da geht keine Präsenz unter die Haut. Da wölken sich die Akkorde in weiter Ferne. Peter Laul hat eher beschlossen, die Musik zu interpretieren, als sich der Musik auszusetzen. Nichts wächst organisch, sondern auf Beschluss eines unpersönlichen Pianisten. Manchmal hat man beim Hören so etwas wie eine Ahnung, dass hier etwas erschüttern könnte, aber – es erschüttert nichts. Kurzum, der Zauber fehlt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Skrjabin, Alexander: 24 Préludes op. 11

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
aeon
1
01.03.2009
Medium:
EAN:

CD
3760058367506


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aeon

Äon bedeutet im Altgriechischen soviel wie Zeitalter bzw. Ewigkeit. Wenngleich letztendlich keine Aufnahme für die Ewigkeit sein kann, so kann sie doch zumindest Gültigkeit für ein Zeitalter oder Menschenalter beanspruchen. Diesem nicht geringen Anspruch versucht man bei AEON mit bereits fast hundert Titeln gerecht zu werden. Für seine Einlösung spricht, dass das Label seit seiner Gründung 2001 schnell zu einer der ersten Adressen aus Frankreich wurde. Den Labelgründern Damien und Kaisa Pousset ist es wichtig, einen Katalog zu schaffen, dessen einzelne Titel jeweils als ultimative Intention der beteiligten Musiker verstanden werden können. Künstler wie Alexandre Tharaud, Andreas Staier, Felicity Lott oder das Quatuor Ysaÿe haben hier Aufnahmen vorgelegt, die woanders so sicherlich nicht möglich gewesen wären. Der Katalog von AEON umfasst im Wesentlichen drei Hauptschwerpunkte: monographische CDs mit Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, dann das breitere, klassische Repertoire, das durch ausgewählte Künstler und Ensembles bestritten wird, sowie die frühe Musik des Mittelalters.


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