> > > Pickard, John: Sinfonie Nr. 5
Donnerstag, 21. Juni 2018

Pickard, John - Sinfonie Nr. 5

In neue Gefilde


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Martyn Brabbins läuft zusammen mit dem großartigen BBC-Orchester aus Wales in den Werken von John Pickard zu Höchstform auf. Hochspannend, differenziert, vielfarbig.

John Pickard (geb. 1963) gehört längst zur nachwachsenden nächsten britischen Komponistengeneration. Sein profiliertes Œuvre, das im Bereich Orchestermusik seit einigen Jahren beim schwedischen Label BIS dokumentiert wird (die Kammermusik bei Dutton und Toccata), umfasst vornehmlich Orchester- und Kammermusik. Sein Einsatz auch für Komponisten in seinem Umkreis ist beachtlich – unmittelbar fallen Robert Simpson und Havergal Brian ein. Ein Beitrag auf der vorliegenden SACD führt gleichwohl in eine ganz andere Richtung: eine Transkription der Toccata aus Monteverdis 'Marienvesper' (die wir auch aus dem 'Orfeo' kennen) für modernes Orchester (die Besetzung wurde teilweise durch Giacinto Scelsis 'Anahit' bedingt, das im selben Konzert wie die Monteverdi-Bearbeitung zur Aufführung kommen sollte). Ein harmonischer, klanglich wohl abgewogener Abschluss einer spannenden SACD, die mit einer Tour de force beginnt: Die Fünfte Sinfonie entstand 2014 für das BBC National Orchestra of Wales, das das Werk unter Leitung von Martyn Brabbins am 7. Juni 2016 in Cardiff aus der Taufe hob. Ein beeindruckendes, musikalisch äußerst dichtes Werk, das immer wieder beträchtliche Virtuosität vonseiten der einzelnen Instrumentalisten (allen voran der drei Paukisten, die im Raum verteilt eigene melodiegestaltende Anteile einzubringen haben) erfordert. Obschon durchkomponiert, weist der Komponist auf eine ‚Viersätzigkeit in der Einsätzigkeit‘ hin, die dem Werk besondere Einheit und Tiefe verleiht. Es würde zu weit führen, würde man alle besonderen interessanten Momente der Komposition auflisten wollen – selbst die Listung der instrumentalen Details, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, würde überlang und vermutlich bei jedem Hören deutlich länger (dennoch kann das grandios stetig gesteigerte Finale hier nicht unerwähnt bleiben).

Wollte man sich versucht fühlen, Reverenzen an andere Komponisten oder Werke zu suchen (Pickard selbst erwähnt den späten Sibelius, man könnte aber auch Bruckner, Mahler, Debussy, Messiaen, Havergal Brian, Granville Bantock und viele andere unterstellen), so bedeutet das mehr, dass Pickard in einer musikalischen Tradition arbeitet, die er nicht negiert, sondern – äußerst erfolgreich – fortschreibt.

Das dritte Werk auf der SACD, 'Sixteen Sunrises' entstand 2013 und erfuhr seine Uraufführung am 30. Mai 2014 in Japan, abermals unter Martyn Brabbins; es ist dem Musikologen Malcolm MacDonald gewidmet, der sich nicht nur um Brian und Simpson verdient gemacht hat, sondern auch um Edgard Varèse, John Foulds und viele andere. Hier kommen Pickards besondere Fähigkeiten in Sachen Klangtexturen ganz besonders zur Geltung, gleichzeitig sein Gespür für Timing und was die Briten ‚momentum‘ nennen, einen jeweils ganz eigenen, genau getroffenen ‚Puls‘, dessen Verständnis jenseits interpretatorischer Freiheiten eindeutiger Teil der Komposition ist. Anders als erdgebundene Sonnenaufgänge geht es Pickard sozusagen um das ‚größere Bild‘ – er selbst weist auf die Perspektive aus der Raumstation ISS hin, in der ein Sonnenaufgang (und -untergang) eine Angelegenheit von Sekunden ist. Eine durchaus eigene Sicht auf einen viel verwendeten Topos.

2011 fand im Rahmen des Presteigne Festival of Music in Wales die Uraufführung der divertimento-artigen 'Concertante Variations' für Kammerorchester statt. Ein wenig hat das Werk eine Nähe zu Lennox Berkeley (sicher überhaupt nicht beabsichtigt, und auch in ganz eigener Sprache), doch das Spiel mit Allusionen, die schon vergangen sind, ehe man sie gehört zu haben meint, sind gerade ein besonderer Reiz. Das Spiel der Instrumente (vor allem der fünf Holzbläser) miteinander ist ein weiterer attraktiver Aspekt der Komposition, in der man jeden Moment Neues entdecken kann, trotz des vorgeblich bescheidenen Anspruchs.

Immer wenn Martyn Brabbins sich mit Musik weniger bekannter Meister auseinandersetzt, läuft er zu absoluter Hochform auf – so auch hier. Das BBC National Orchestra of Wales hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auf höchstem Niveau neben dem BBC Scottish Symphony Orchestra fast vor dem BBC Philharmonic etabliert. Man spürt die Kommunkationsfähigkeit des Dirigenten, der die Musiker auch in problematischen Fällen zu Höchstleistungen bringen kann. Die Klangbalance des Orchesters ist mehr als nur vorbildlich, die virtuosen Leistungen außerordentlich. Die Aufnahmetechnik unterstützt durch größtmögliche Transparenz und Wärme auf das Glücklichste die besonderen Qualitäten der Kompositionen wie der Interpretationen, und auch das Booklet lässt keinerlei Wünsche offen. Uneingeschränkt empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pickard, John: Sinfonie Nr. 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
07.06.2017
EAN:

7318599922614


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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