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Montag, 20. August 2018

Bach, Johann Christoph Friedrich - Geistliche Werke

Eine Hommage an Bach


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Rheinische Kantorei und das Kleine Konzert leisten unter der Leitung von Hermann Max einen weiteren Beitrag dazu, dem Publikum die Werke der Bach-Familie näherzubringen. Das klangliche Ergebnis ist beeindruckend.

Während Johann Sebastian Bach heute zu den Komponisten zählt, deren Werk sich nicht nur unter Musikern, sondern auch beim Publikum größter Beliebtheit erfreut, konnten sich die zahlreichen anderen Komponisten der Musikerfamilie Bach erst nach und nach einen Namen machen. Dank des unermüdlichen Engagements mancher Ensembles lösen aber heutzutage auch die Namen von Bachs Söhnen wie Carl Philipp Emanuel, Wilhelm Friedemann, Johann Christoph Friedrich oder Johann Christian kein ahnungsloses Schulterzucken mehr aus. Eines dieser Ensembles ist die Rheinische Kantorei, die es sich unter der Leitung von Hermann Max seit ihrer Gründung im Jahr 1977 zum Ziel gesetzt hat, besonders jene Werke aus der Versenkung zu holen, die entweder zur Zeit ihrer Entstehung nicht veröffentlicht wurden oder im Lauf der Jahre in Vergessenheit geraten sind. Das Repertoire des Ensembles ist schwerpunktmäßig in den Epochen Barock und Frühklassik angesiedelt, umfasst aber auch Werke der Renaissance und der Romantik. Für seine zahlreichen Einspielungen von Kompositionen aus der Familie Johann Sebastian Bachs und seine Bemühungen um die Verbreitung ihrer Musik erhielt Hermann Max im Jahr 2008 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig.

Ein Musterbeispiel historischer Aufführungspraxis

Die vorliegende beim Label MDG veröffentlichte Einspielung zweier Werke von Johann Christoph Friedrich Bach, 'Wachet auf, ruft uns die Stimme' und 'Miserere' in c, reiht sich in die Liste mehrerer Beiträge dieses Komponisten ein, die bisher von der Rheinischen Kantorei präsentiert wurden. Es handelt sich nicht um eine Neueinspielung, sondern um bereits länger zurückliegende Aufzeichnungen aus den Jahren 1988 und 1994. Schon diese frühen Einspielungen des mittlerweile seit 40 Jahren bestehenden Ensembles sind ein Beweis der enormen künstlerischen Qualität. Die Interpretation zeichnet sich durch einen außergewöhnlich schlanken und transparenten Stimmklang aus, in dem jeder Ton, jede Stimme musikalisch und textlich nachzuvollziehen ist, ohne dass der Klang jemals zu wuchtig wird. Die Rheinische Kantorei harmoniert wunderbar mit dem Kleinen Konzert, zumal die Instrumentalisten mit gleicher stilistischer Souveränität, Emotionalität und Intonationssicherheit aufwarten wie die Chorsänger. Komplettiert und gekrönt wird der Gesamtklang durch die Mitwirkung der vier Solisten - Sopran (Mária Zádori), Mezzosopran (Lena Susanne Norin), Tenor (Guy de Mey) und Bariton (Klaus Mertens). Ganz im Sinne der historischen Aufführungspraxis gelingt es ihnen, einen jeweils charakteristischen Stimmklang zu erzeugen, der in jeder Hinsicht ausgewogen ist und zu keiner Zeit aufdringlich wirkt. Das Vibrato bleibt in einem Rahmen, der dem Zeitalter der Frühklassik angemessen ist und ohne romantische Übertreibung auskommt, die Stimmfarben zeichnen sich durch eine Weichheit und Klarheit aus, die dem Hörer bereits bei den Chorstimmen ins Ohr sticht und so für einen ausbalancierten und wohlgerundeten Gesamtklang sorgt.

Eine Brücke vom Barock zur Frühklassik

Nicht nur klanglich, auch kompositorisch ist diese Aufnahme eine Bereicherung für alle, die Johann Sebastian Bachs Musik bereits gut kennen und neugierig sind, inwiefern sich sein Stil auf seine Söhne ausgewirkt hat. Mit der Motette 'Wachet auf, ruft uns die Stimme' knüpft Johann Christoph Friedrich an die gleichnamige Kantate des Vaters (BWV 140) an. Diese Verbindung vollzieht sich jedoch nicht nur textlich, insofern als den drei Sätzen der Motette die drei Strophen des bekannten Liedes von Philipp Nicolai zugrunde liegen, sondern auch musikalisch. Im dritten Vers, 'Gloria sei dir gesungen', baut der Sohn genau jenen Choral des Vaters ein, der etwa 50 Jahre zuvor dessen Kantate beendet hat. Eingerahmt wird diese kleine musikalische Hommage durch eine grandiose Eröffnung und eine virtuose Schlussfuge zu den Worten 'Des sind wir froh - in dulci jubilo', in der der Jüngere zeigen kann, inwiefern sich die Musiksprache im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat. Das Ergebnis ist sowohl in der Komposition als auch in der klanglichen Umsetzung ein Hörgenuss, der die Lust weckt, weitere Aufnahmen der Interpreten zu hören. Zum Glück ist die über mehrere Jahrzehnte stetig angewachsene Diskografie mittlerweile so umfassend, dass jeden Interessierten hier eine wahre Fundgrube an neuen musikalischen Entdeckungen erwartet.


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    Bach, Johann Christoph Friedrich: Geistliche Werke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
28.04.2017
EAN:

760623199429


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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