> > > Abos, Girolamo: Chorwerke
Dienstag, 5. Juli 2022

Abos, Girolamo - Chorwerke

Neuneapolitaner


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Kölner Akademie macht mit geistlichen Chorwerken von Girolamo Abos bekannt. Die Umsetzung ist stilsicher, wenn auch die solistische Chorbesetzung nicht zu überzeugen vermag.

Dass es jenseits der allbekannten Musikzentren viele heute vergessene ‚Kulturnischen‘ weltweit gab, wird von der Musikgeschichtsschreibung gerne vergessen, um ein schönes simples (bzw. simplifizierendes) Bild der Musikgeschichte malen zu können. Wo gehört dann aber Girolamo Abos hin (1715–1760)? Ist er einfach ein weiterer heute vergessener Schöpfer von Kirchenmusik neapolitanischer Prägung? Jedenfalls war Abos ein Komponist hochwertiger Kirchen- (und wohl auch weltlicher) Musik (an weltlichen Werken liegt von ihm noch nichts auf Tonträger vor). Ein Anhänger des neapolitanischen galanten Stils, erweist sich Abos als Komponist kraftvoller, melodienreicher und harmonisch attraktiver Musik, die es mit Haydns frühen Messen durchaus messen kann.

Die vorliegende CD präsentiert drei unterschiedlich besetzte Kirchenmusikwerke, ein 'Benedictus Dominus Deus Israel' für Soli, Chor und Orchester, ein 'Magnificat' für Chor und Orchester, beide wohl aus Abos‘ letztem Lebensjahrzehnt, sowie eine auf 1756 datierbare 'Missa a due cori'. Die Vielgestaltigkeit der musikalischen Sätze setzt Michael Alexander Willens mit seiner Kölner Akademie stil- und geschmackssicher um. Diskussionswürdig ist die Entscheidung, den Chor jeweils solistisch zu besetzen. Sicher wäre dies nicht die Aufführungsregel in Neapel gewesen, und auch die Aussprache der lateinischen Sprache entspricht sicher nicht den Gepflogenheiten damaliger Zeit.

Die einzelnen musikalischen Leistungen sind überaus erfreulich – die frisch und elegant aufspielende Kölner Akademie, die zehn Sängerinnen und Sänger, die ihre Partien technisch und musikalisch bewältigen – allen voran die Sopranistin Maïlys de Villoutreys und der Bariton Mauro Borgioni. Doch will sich nicht recht ein befriedigendes Ganzes einstellen. Insbesondere die Unterscheidung Solisten-Chor wird durch die solistische Chorbesetzung konterkariert. Im Booklet hätte Willens diese Entscheidung rechtfertigen können – so bleibt der Eindruck einer Notlösung, weil ihm kein Chor zur Verfügung stand (gibt es in Köln keinen Chor, mit dem er hätte zusammenarbeiten können?). Auch sonst ist das Booklet nicht ganz befriedigend. Von kleineren Druckfehlern abgesehen, muss gefragt werden, warum die CD ‚A Maltese Christmas‘ genannt wird, wo Abos doch seine ganze musikalische Karriere in Neapel verbrachte. Auch von Weihnacht keine Spur (es sei denn, man bezieht das 'Magnificat' im engeren Sinne darauf). Aber was schadet‘s? Die herrliche Musik lohnt eine Erkundung, da können wir interpretatorische Spitzfindigkeiten schnell beiseite legen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Abos, Girolamo: Chorwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
15.09.2015
Medium:
EAN:

CD
761203797820


Cover vergössern

Abos, Girolamo
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Benedictus Dominus Deus
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Salutem ex inimicis
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Ut sine timore
 - Benedictus Dominus Deus Israel - In sanctitate
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Et tu puer
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Per viscera misericordiae
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Gloria Patri
 - Benedictus Dominus Deus Israel - Sicut erat-Amen
 - Magnificat - Magnificat
 - Magnificat - Et exultavit spiritus
 - Magnificat - Et misericordia
 - Magnificat - Fecit potentiam


Cover vergössern

Dirigent(en):Willens, Michael Alexander
Orchester/Ensemble:Kölner Akademie


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Wenig bekannt: Das Ensemble Klingekunst erweist sich als Pionier in der Erkundung der Musik Martin Christian Schultzes. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Alter Mann und 'wilde Hummel': Dieser 'Pimpinone' ist nicht nur stimmlich und instrumental eindrucksvoll besetzt, sondern ist obendrein eine wichtige Ergänzung zur mehr als nur übersichtlichen Diskographie des Werks. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Reflektiertes aus Hamburg: Zwei Telemann-Oratorien in Weltersteinspielungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Wenig bekannt: Das Ensemble Klingekunst erweist sich als Pionier in der Erkundung der Musik Martin Christian Schultzes. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Intim und introvertiert: Auch nach fast dreißig Jahren beeindruckt diese Einspielung von Legrenzis 'La morte del cor penitente'. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Erste Früchte: Józef Elsners Streichquartette op. 1 sind ein vielversprechender Anfang. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Wenig bekannt: Das Ensemble Klingekunst erweist sich als Pionier in der Erkundung der Musik Martin Christian Schultzes. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Der Scarlatti-Sog: Die nächsten 30 Scarlatti-Sonaten von insgesamt 555 hat Christoph Ullrich eingespielt. Der Halbmarathon ist damit schon absolviert. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Dem Geiger Ivry Gitlis zum 100. Geburtstag: Ein eigenwilliger Protagonist der Violinwelt, der fast ein ganzes Jahrhundert durchlebte, spielt die großen 'Schlachtrösser' der Violinliteratur. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich