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Samstag, 2. Juli 2022

Telemann, Georg Philipp - Kantaten für Bass

Vielseitig


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klaus Mertens und ‚il Gardellino’ erweisen sich mit Klangsinn und Gestaltungswillen als kompetente Anwälte der geistlichen Kantaten Georg Philipp Telemanns, die sie ein Stück aus dem Schatten der Werke der prominenteren Zeitgenossen herausführen.

Auch wenn sich die Dinge langsam ändern, kann doch noch immer gesagt werden, dass Georg Philipp Telemann als Komponist nicht denselben glänzenden Ruf wie beispielsweise seine Zeitgenossen Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel genießt: Natürlich ist das die denkbar stärkste Konkurrenz, mit der verglichen zu werden keine ganz einfache Sache ist. Und dass Telemann in seinen Werken selten die gedankenschwere Tiefe Bachs durchmisst, steht vollkommen außer Zweifel. Aber gibt es daneben nicht doch eine Vielzahl bemerkenswerter Qualitäten? Telemanns Kompositionen verkörpern eine am Zeitgeschmack orientierte Modernität und Lebendigkeit, sie bewegen sich souverän in allen musikalischen Genres und nicht zuletzt: Telemann war eine Musikerpersönlichkeit, die das Praktische nie aus dem Blick verlor und für Zeitgenossen und Nachwelt ‚musikalisch’ vorsorgte.

Es gibt neben der Vervollständigung des eigenen Repertoires deshalb viele Gründe für Künstler von Rang, sich mit Georg Philipp Telemann zu beschäftigen. So hat auch der Bass Klaus Mertens schon Proben seines Telemann-Verständnisses gegeben und fährt in dieser Richtung mit den auf der vorliegenden Platte eingespielten geistlichen Bass-Kantaten fort. Es sind dies variabel gestaltete, durchaus expressive Werke, die im Wechsel der rahmenden Choräle, harmonisch überschaubarer Rezitative und durchaus virtuoser Arien einen erstaunlichen musikalischen Bogen spannen. Eine reiche melodiöse Invention ist ebenso zu beobachten wie der souveräne Gebrauch der affekttypischen kompositorischen Mittel und Techniken. Telemann zeigt sich hier als Souverän der zeitüblichen Möglichkeiten, als hochbegabter musikalischer Praktiker, der den Erwartungen seines zeitgenössischen Publikums spielend und mühelos gerecht zu werden vermochte.

Angemessen umgesetzt

 

Klaus Mertens und ‚il Gardellino’ nehmen sich dieser Musik mit großer Kompetenz und Sensibilität an. Mertens, der aus einer Vielzahl von Bach-Aufnahmen als klangschöner Bass bekannt ist, präsentiert auch in dieser Aufnahme seine wunderbar ausgeglichenen Register, überzeugt mit nobler Intonation ebenso wie mit Beweglichkeit und Biegsamkeit in den technisch anspruchsvolleren Passagen. Als zusätzliche Qualität ist seine überragend aktive Textbehandlung zu erwähnen.

Klang, begleitet die Arien in schöner Farbigkeit und präsentiert sich auch in den beiden am Ende des Programms stehenden Trio-Sonaten als bewegliches Kammerensemble mit angemessener technischer Brillanz. In den solistisch besetzten Chorälen der Kantaten kommt die gute artikulatorische Arbeit des Ensembles zum Ausdruck – könnte es aber gleichwohl eine etwas größere Klangentfaltung geben. Auch die Gestaltung der Rezitative wirkt – in der Instrumentierung des Continuos ebenso wie in der vokalen Ausführung Mertens’ – etwas karg und trocken. Obwohl insgesamt ein bisschen mehr musikantisches Temperament der Aufnahme gut getan hätte, deutet sie die durchaus bemerkenswerten Kantaten Telemanns auf technisch und interpretatorisch ansprechendem Niveau, das maßgeblich von den vokalen Möglichkeiten des einmal mehr überzeugenden Klaus Mertens getragen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Kantaten für Bass

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.01.2007
Medium:
EAN:

CD
4015023241671


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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