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Montag, 19. August 2019

Keeping Score - Copland and the American Sound

Copland and the American Sound


Label/Verlag: San Francisco Symphony
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Tilson Thomas und das San Francisco Symphony mit einem vielseitigen Copland-Portrait, das Kenner und Laien gleichermaßen ansprechen wird.

Coplands Bruch mit der Dvorak- und Mahler-Tradition und seine Entdeckung dessen, was oft als ‘American sound’ umschrieben wird, steht im Zentrum dieser DVD. Jiddische Volksmusik, Afro-Amerikanischer Jazz, aber auch der Lärm der Straße und die Politik der Depression – all das hat sich laut Michael Tilson Thomas, dem Chefdirigenten des San Francisco Symphony, zu Coplands neuer musikalischer Sprache geformt. Bereits hier wird deutlich, dass es bei dieser vielseitigen Dokumentation nicht nur um musikalische Stilelemente, sondern auch um einen breiteren Blick auf die Gesellschaft, in die Copland hineingeboren wurde, geht. Dies mag für Zuhörer, die vor allem auf streng musikalisch-analytische Einsichten gespannt sind, zu unbestimmt sein, für den musikalischen Laien ist es jedoch stets plausibel, was Tilson Thomas an Analogien in seinen kurzen, aber präzisen Audiokommentaren anbietet. Beide Arten von Zuhörern, Analytiker und Laie, kommen hier auf ihre Kosten, ein Verdienst dessen sich zuletzt Leonard Bernstein mit seinen Gesprächskonzerten rühmen konnte. Dank technischer Errungenschaften, die Bernstein noch nicht zur Verfügung gestanden haben, entführt Tilson Thomas seine Zuhörer an Originalschauplätzen wie Brooklyn (Coplands Geburtsort), Paris (Coplands Studienjahre), Prag (Ort der Uraufführung von Coplands Dritter Sinfonie unter Leonard Bernstein) oder Peekskill, wenige Kilometer nördlich von Manhattan (dem Wohnhaus Coplands).

Die Orchestermusiker aus San Francisco musizieren auf dieser DVD nicht nur – man hört sie u.a. mit einer wunderbare Interpretation von Appalachian Spring – sie sprechen auch von ihren praktischen Erfahrungen mit der Musik Coplands und formulieren jeweils eine persönliche Umschreibung des ‘American sound’. Auch Copland selber kommt zu Wort, direkt in Form eines Filminterviews aus den 1980er Jahren, indirekt durch die Erinnerungen seines Protégées Tilson Thomas – und natürlich durch seine Musik. Tilson Thomas demonstriert am Klavier anhand von Ausschnitten aus den Piano Variations die herbe Brillanz der früheren Copland-Stücke, ehe er seine Zuhörer in einem weiten Bogen zu den späteren, in der Tendenz weicheren und noch populäreren ‘American Classics’ wie El Salón México, Fanfare for the Common Man, Billy the Kid und Appalachian Spring führt. Eine Rarität ist – neben den Copland Interviews – die Original-Filmaufnahme von Teilen aus Martha Grahams Produktion von Appalachian Spring, Coplands meistgespieltem Werk, das ursprünglich ‘Ballet for Martha’ hieß, von Martha Graham aber nach einem Gedicht von Hart Crane umbenannt wurde.

‘Copland and the American Sound’ ist Teil der von Michael Tilson Thomas und seinem Orchester herausgegebenen DVD-Reihe Keeping Score, in der bereits Beethovens Eroica und Strawinskys Frühlingsopfer erschienen sind. Das Projekt Keeping Score ist bis 2011 – wenn das San Francisco Symphony sein hundertjähriges Bestehen feiert – geplant, so dass man sich noch auf die ein oder andere weitere DVD dieser Reihe freuen kann. Bernstein, ein wichtiger Mentor von Tilson Thomas und glühender Verfechter der Idee von Gesprächskonzerten, wäre zufrieden. Die DVD, die auch deutsche Untertitel aufweist, wird begleitet von einer sehr benutzerfreundlich aufbereiteten Webseite www.keepingscore.org, auf der weitere Fotos, Filmclips, Partiturausschnitte und Audiokommentare zugänglich sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Features:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Keeping Score: Copland and the American Sound

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
San Francisco Symphony
1
11.11.2006
Medium:
EAN:

DVD
821936001592


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San Francisco Symphony

Das SAN FRANCISCO SYMPHONY Orchestra gab seine ersten Konzerte im Jahre 1911 und hat seitdem bei wachsender Publikumsbegeisterung unter einer Reihe von Dirigenten konzertiert: Henry Hadley, Alfred Hertz, Basil Cameron, Issay Dobrowen, Pierre Monteux, Enrique Jordá, Josef Krips, Seiji Ozawa, Edo de Waart, Herbert Blomstedt (nun zum Ehren-Dirigenten ernannt) und seit 1995 unter Michael Tilson Thomas. In den vergangenen Jahren konnte das San Francisco Symphony Orchestra einige der weltweit bedeutendsten Schallplatten-Preise gewinnen, wie den französichen Grand Prix du Disque, den britischen Gramophone Award und eine Reihe von Grammys für die Aufnahmen von Werken Brahms', Orffs, Prokofievs und Strawinskys. Die erste Aufnahme des Mahler-Zyklus', die 6. Sinfonie, erhielt 2002 den Grammy für die beste Orchesterproduktion des Jahres, die Aufnahme der 3. Sinfonie wurde 2003 mit dem Grammy der Kategorie "bestes klassisches Album" ausgezeichnet. 2006 wurden dem San Francisco Symphony Orchestra anlässlich der Aufnahme der 7. Sinfonie die beiden Grammys für die beste Orchesterproduktion und für das beste klassische Album des Jahres zuerkannt; die Aufnahme von Mahlers Achter wurde 2009 mit drei Grammys für das beste klassische Album, die beste Chorproduktion und das bestausgeführte klassische Album geehrt. 2004 wurde das multimediale Pädagogikprojekt Keeping Score im TV, auf DVD, über den Rundfunkt und die Website keepingscore.org lanciert.

Für das Label RCA Red Seal hat das SFS unter Michael Tilson Thomas auch Berlioz' Symphonie fantastique, zwei Copland-Alben, eine musikalische Auswahl von Charles Ives und eine Gershwin-Sammlung aufgenommen, die das Programm der Eröffnungsgala der Saison 1998 in der Carnegie Hall New York enthält. Die Celebration of Leonard Bernstein, eine Live-Aufnahme der Carnegie Hall-Eröffnungsgala von 2008, wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt und ist auf DVD erhältlich.

Das San Francisco Symphony Orchestra ist regelmäßig in den USA, Europa und Asien zu hören und debütierte 1990 mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen und beim Lucerne Festival. 1980 übersiedelte das Orchester in die neu erbaute Louise M. Davies Symphony Hall. Im selben Jahr wurde zusätzlich das San Francisco Jugendsymphonie-Orchester gegründet. Der San Francisco Symphony Chorus ist auf dem Soundtrack der drei weltbekannten Filme "Amadeus", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Pate III" zu hören. Das San Francisco Symphony Orchestra hat nicht nur im Jahre 1926 als erstes amerikanisches Orchester überhaupt im Radio symphonische Musik aufgeführt, sondern wird auch noch heute überall in den USA gern gehört und leistet durch seine künstlerische Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zum amerikanischen Musikleben.


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