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Dienstag, 7. Dezember 2021

Keeping Score - Beethoven's Eroica

Beethoven in Wort und Ton


Label/Verlag: San Francisco Symphony
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In ihrer DVD-Reihe ‘Keeping Score - Revolutions in Music’ präsentieren Michael Tilson Thomas und das San Francisco Symphony Orchestra Beethovens ‘Eroica’

‘Keeping Score – Revolutions im Music’ heißt die von der San Francisco Symphony und ihrem Dirigenten Michael Tilson Thomas produzierte DVD-Reihe, die sich mit Meisterwerken der Musikgeschichte befasst und diese nicht nur in ihrer klingenden Gestalt präsentiert, sondern sie – ganz im Sinne anspruchsvoller Musikvermittlung – in einer filmischen Dokumentation aus historischer wie musikalischer Perspektive auszuleuchten versucht. Als spannender Gegenstand für dieses Anliegen erweist sich Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55, die so genannte ‘Eroica’, die allein schon aufgrund einer Ausdehnung von über 50 Minuten bei ihrer Uraufführung die bis dato herrschende Auffassung vom Sinfonischen sprengte.

Auf der DVD gehen die rund einstündigen Erläuterungen zu diesem Werk seiner Präsentation – einer Live-Aufzeichnung aus der Davies Symphony Hall in San Francisco – voraus. Doch es lohnt durchaus, den umgekehrten Weg einzuschlagen und sich zuerst die Werkwiedergabe anzuhören, bevor man Michael Tilson Thomas über die Sinfonie sprechen hört: Denn die Aufnahme zeigt, wie äußerst präzise der Dirigent seine musikalischen Vorstellungen vermitteln und durch das Orchester hindurch realisieren kann.

Thomas, dessen Dirigat außergewöhnlich entspannt wirkt, agiert im Hinblick auf die Umsetzung der Partitur sehr souverän und realisiert das komplexe Werk, unterstützt von exzellenten Einzelleistungen insbesondere der Bläser, mit hohem Perfektionsgrad. Die hervorragende Konzertwiedergabe verdeutlicht, welch qualitativ hohes Potential an Musikern das San Francisco Symphony Orchestra beherbergt: Die konzentrierte und facettenreiche Darbietung lässt die verschiedenen instrumentalen Schichten des Werkes klar hervortreten, liefert aber auch eine gelungene Nachzeichnung der musikalischen Spannungsverläufe. Dies wird vor allem im Trauermarsch mit seinen dynamischen Extremwerten deutlich, macht sich aber auch im Kopfsatz sowie im packend musizierten Finale bemerkbar, das mit einigen überraschenden Facetten aufwartet.

Beachtlich ist darüber hinaus die überlegte visuelle Umsetzung dieses Konzertmitschnitts, da das Bild nach musikalischen Prinzipien geschnitten oder ruhigen Kamerafahrten unterworfen ist, so dass die gezeigten Details der Aufführung sich der Musik anpassen, einen geschickt gesetzten visuellen Kontrapunkt zu dieser bilden und sie stellenweise gar in ihrer Wirkung zu unterstützen vermögen. Der hohen Bildqualität entspricht auch ein exquisiter Ton in 5.1-Surround-Sound, der die hervorragende Produktion in klanglicher Hinsicht abrundet.

Die gelungene Werkwiedergabe hat ein adäquates Gegengewicht in der informativen, in mehreren Sprachen untertitelbaren Dokumentation, die einerseits die Entstehung von Beethovens ‘Eroica’ mitsamt ihrer historisch-biografischen Kontexte, andererseits aber auch die zahlreichen Besonderheiten der Musik im Blick hat. Teils an Originalschauplätzen in Wien gedreht, ist hier eine authentische Werkeinführung entstanden, die nicht nur die Sonderstellung der Komposition zu verstehen hilft, sondern auch behutsam und – für den Laien verständlich – ohne Fachjargon in die einzelnen Sätze einführt. Dass dabei immer wieder auch die Orchestermusiker zu Wort kommen und ihre Sicht auf jene Stellen äußern, an denen sie aus unterschiedlichsten Gründen musikalisch besonders gefordert sind, macht die Produktion ebenfalls sehr sympathisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Features:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Keeping Score: Beethoven's Eroica

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
San Francisco Symphony
1
11.11.2006
Medium:
EAN:
DVD
821936001394

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San Francisco Symphony

Das SAN FRANCISCO SYMPHONY Orchestra gab seine ersten Konzerte im Jahre 1911 und hat seitdem bei wachsender Publikumsbegeisterung unter einer Reihe von Dirigenten konzertiert: Henry Hadley, Alfred Hertz, Basil Cameron, Issay Dobrowen, Pierre Monteux, Enrique Jordá, Josef Krips, Seiji Ozawa, Edo de Waart, Herbert Blomstedt (nun zum Ehren-Dirigenten ernannt) und seit 1995 unter Michael Tilson Thomas. In den vergangenen Jahren konnte das San Francisco Symphony Orchestra einige der weltweit bedeutendsten Schallplatten-Preise gewinnen, wie den französichen Grand Prix du Disque, den britischen Gramophone Award und eine Reihe von Grammys für die Aufnahmen von Werken Brahms', Orffs, Prokofievs und Strawinskys. Die erste Aufnahme des Mahler-Zyklus', die 6. Sinfonie, erhielt 2002 den Grammy für die beste Orchesterproduktion des Jahres, die Aufnahme der 3. Sinfonie wurde 2003 mit dem Grammy der Kategorie "bestes klassisches Album" ausgezeichnet. 2006 wurden dem San Francisco Symphony Orchestra anlässlich der Aufnahme der 7. Sinfonie die beiden Grammys für die beste Orchesterproduktion und für das beste klassische Album des Jahres zuerkannt; die Aufnahme von Mahlers Achter wurde 2009 mit drei Grammys für das beste klassische Album, die beste Chorproduktion und das bestausgeführte klassische Album geehrt. 2004 wurde das multimediale Pädagogikprojekt Keeping Score im TV, auf DVD, über den Rundfunkt und die Website keepingscore.org lanciert.

Für das Label RCA Red Seal hat das SFS unter Michael Tilson Thomas auch Berlioz' Symphonie fantastique, zwei Copland-Alben, eine musikalische Auswahl von Charles Ives und eine Gershwin-Sammlung aufgenommen, die das Programm der Eröffnungsgala der Saison 1998 in der Carnegie Hall New York enthält. Die Celebration of Leonard Bernstein, eine Live-Aufnahme der Carnegie Hall-Eröffnungsgala von 2008, wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt und ist auf DVD erhältlich.

Das San Francisco Symphony Orchestra ist regelmäßig in den USA, Europa und Asien zu hören und debütierte 1990 mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen und beim Lucerne Festival. 1980 übersiedelte das Orchester in die neu erbaute Louise M. Davies Symphony Hall. Im selben Jahr wurde zusätzlich das San Francisco Jugendsymphonie-Orchester gegründet. Der San Francisco Symphony Chorus ist auf dem Soundtrack der drei weltbekannten Filme "Amadeus", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Pate III" zu hören. Das San Francisco Symphony Orchestra hat nicht nur im Jahre 1926 als erstes amerikanisches Orchester überhaupt im Radio symphonische Musik aufgeführt, sondern wird auch noch heute überall in den USA gern gehört und leistet durch seine künstlerische Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zum amerikanischen Musikleben.


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