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Montag, 4. Juli 2022

Fischer, Johann Caspar Ferdinand - Geistliche Werke

Rastatter Erbe


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt ist eine solide und ansprechende Aufnahme gelungen, der es vielleicht an einer Spur befreiter und damit souveräner, musikantischer Künstlerschaft mangelt.

Auch wenn mancher Komponist der Vergangenheit nicht im Fokus der heutigen Wahrnehmung steht, kann sein Schaffen doch in bestimmter Weise Impulse gegeben haben: Das gilt zum Beispiel für den 1656 in Böhmen geborenen Johann Caspar Ferdinand Fischer, der in seinem langen Leben – er starb neunzigjährig 1746 im badischen Rastatt – nicht nur eine Vielzahl musikalischer Entwicklungen kommen und gehen sah, sondern an wichtigen Punkten selbst an diesem Geschehen beteiligt war. So wurde er während seiner Zeit am sächsisch-lauenburgischen Hof von einem Komponistenkollegen unterwiesen, der den französischen Stil Lullys studiert hatte. Fischer komponierte in der Folge Orchestersuiten im französischen Stil und hatte durch eine große Zahl von Werken für Tasteninstrumente den Weg dieser Suiten in das ‚Tastenrepertoire’ ebnen helfen.

Und noch in einer weiteren, konkreteren Hinsicht tritt Fischer als Anreger hervor: In seiner Sammlung von Präludien und Fugen ‚Ariadne Musica’, die 1702 erschien, versuchte er, die sich allmählich durchsetzende temperierte Stimmung systematisch kompositorisch umzusetzen und anzuwenden und gab damit einen Anstoß für die Beschäftigung Johann Sebastian Bachs mit diesem ‚Problem’, was sich in dessen ‚Wohltemperiertem Klavier’ niederschlug.

Doch auch im Bereich der Kirchenmusik hatte Fischer seinen Pflichten am Rastatter Hof zu genügen. Die vorliegende Platte greift einige dieser Werke auf und präsentiert sie teilweise in Ersteinspielungen. Es ist dies vorwiegend intime, schmal besetzte Musik, die trotz struktureller Klarheit und Fasslichkeit auch klangschöne Entwicklungen aufweist. Den liturgischen Ansprüchen entsprechend, ist sie kleinräumig gebaut. In den häufig homophonen Sätzen wird der französische Einfluss deutlich, den auch die instrumentalen Werke aufweisen. Obwohl Fischers kompositorische Bedeutung zweifellos im Bereich der Tastenmusik und des Instrumentalen allgemein liegt, repräsentiert auch sein geistliches Vokalwerk den Standard der Zeit.

Solides Musizieren

 

Unter der Leitung und sängerischen Mitwirkung Jürgen Ochs’ widmet sich die Rastatter Hofkapelle dieser Musik. Dynamisch gut geordnet und gegliedert gelingen den Musikern schöne und selbstverständliche Tempowechsel, finden die Instrumentalisten zu einer ausgeprägten Begleithaltung und agieren angenehm im Hintergrund. Das schmal besetzte Vokalensemble musiziert leicht und elegant. Immer wieder lösen sich charakteristische Soli aus den chorischen Sätzen, jedoch gelingen die Ensembleanteile insgesamt musikalisch überzeugender als die solistischen Passagen. Das mag auch an der nicht immer vollkommenen Intonation liegen, die sich im Zusammenspiel zwischen Vokalisten und instrumentaler Basis einschleicht. Der im Grunde ausgewogene Klang ist allenfalls im instrumentalen Bassregister etwas zu indirekt und damit zu diffus.

Insgesamt ist eine solide und ansprechende Aufnahme gelungen, der es vielleicht an einer Spur befreiter und damit souveräner, musikantischer Künstlerschaft mangelt. Dennoch erweisen sich die Musiker der Rastatter Hofkapelle als kundige Anwälte des kompositorischen Erbes Johann Caspar Ferdinand Fischers.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fischer, Johann Caspar Ferdinand: Geistliche Werke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.01.2007
64:36
2006
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350831728
CAR83172


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"Johann Caspar Ferdinand Fischer wirkte als Hofkapellmeister am Badischen Markgräflichen Hof in Rastatt von 1715 bis zu seinem Tod 1746 und war der bedeutendste Musiker der Rastatter Hofkapelle. Mit dieser Aufnahme durch die Rastatter Hofkapelle unter der Leitung von Jürgen Ochs ist erstmals eine klangliche Dokumentation von Fischers Kirchenmusik greifbar. Eine wahre Entdeckung!"


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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