> > > Groven, Eivind: Sinfonie Nr. 1 'Towards the Mountains', op. 26
Freitag, 13. Dezember 2019

Groven, Eivind - Sinfonie Nr. 1 'Towards the Mountains', op. 26

Norwegische Expressionen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Groven bietet einen anderen Blick auf Norwegens Musik, wenngleich er an seinen Kollegen Grieg nicht heranreicht. Vielleicht ist es aber nicht nur seine Schuld, denn der Notentext bietet mehr als zu hören ist.

Fjorde und Berge – die norwegische Landschaft weiß durchaus, mit ihrer schroffen Schönheit, ihren extremen Gegensätzen zu beeindrucken. Geprägt von dieser Landschaft scheint uns Griegs Morgenstimmung als überzeugender Beitrag zur europäischen Musikgeschichte. Mit einer fast schon an Verehrung der eigenen Geschichte grenzenden Hingabe hat sich auch der Komponist Eivind Groven der musikalischen Darstellung seiner Heimat gewidmet. Einen Überblick über das Werk Grovens bietet die Zusammenstellung ‘Towards the Mountains’, gespielt vom Stavanger Symphony Orchestra unter der Leitung von Eivind Aadland.

Die Hingabe Grovens an seine Heimat scheint in dieser Aufnahme nur noch von der Hingabe des Autors an den Komponisten übertroffen, welcher die Leistungen Grovens für die Musikgeschichte zwei Spuren zu heftig hervorhebt. Zugegeben, es ist schon interessant zu erfahren, dass sich Groven mit den akustischen Eigenheiten des Klanges auseinandersetzt. Und dass sich sein Werk als eine Synthese aus akustischer Erkenntnis und musikalischem Kunstanspruch versteht, wie es die Welt bis dahin noch nicht erlebt hat, macht einen neugierig. So jedenfalls kommt es einem vor, wenn man Wolfgang Plagges Booklet-Text liest. Doch sind Grovens Erkenntnisse ein wenig der Zeit hinterher und oft sogar etwas naiv. Bei Hindemith, Schönberg und Malipiero hätte er durchaus noch lernen können.

Die Musik kommt zunächst einfacher daher als das Booklet einen glauben machen möchte. Die leichten Melodien erleben immer wieder eine andere Klangfarbe als Begleitung, wobei sich die Harmonien auf eher schlichtem Terrain bewegen. Die in der Komposition angelegten volksliedartigen Grundzüge leben von der Gegenüberstellung der Holzbläser und Streicher mit den Blechbläsern und Pauken, von welchen Groven nicht wenig Gebrauch macht. Schade ist nur, dass sich die gewünschte Vielfalt der Musik, die so Gegensätzliches wie die norwegische Landschaft ins Visier nimmt, ausschließlich von den Kontrasten lebt, die in dieser Instrumentierung bereits angelegt sind. Die Entscheidungen Aadlands gehen also direkt aus der Orchesterpartitur hervor. Die so entstehende Dynamik hat eher etwas von Malen-nach-Zahlen als von der vielseitigen skandinavischen Küste. Nuancen sind hier eher Glückssache.

Was sich in der Dynamik als zu flächig präsentiert, wird durch die einheitliche Rhythmik, welche der Musik eigen ist, noch ungünstig beeinflusst. Beim reinen Durchhören der CD fühlt sich der Hörer manchmal wie in einem Regionalexpress, der noch auf einer alten Strecke fährt. Dort ist der Takt ebenso rasch und einheitlich, dass er irgendwann nicht mehr hinhört. Zum Teil durch das Schlagwerk angegeben, teilweise durch die Betonungen der schweren Taktteile in den Streichern oder Bläsern markig hervorgehoben, entsteht der Eindruck, man habe es mit der Maschinenmusik der 20er Jahre zu tunt. Was von Prokofjew und Strawinsky noch auf eindrucksvolle Weise als Karikatur gelang, hat bei Aadlands Interpretation sogar den gegenteiligen Effekt. Die so zum Teil an Marschmusik erinnernden Tänze bekommen einen etwas behäbigen Eindruck trotz ihres hohen Tempos. Nach einiger Zeit fängt die Musik an zu nerven und schließlich hat man das Gefühl, man befände sich die meiste Zeit im gleichen Stück und der CD-Spieler spinnt. Am Ende erinnert man sich vielleicht noch an die von den Blechbläsern eingeworfenen Fanfaren als wenige Glanzpunkte, und nur hin und wieder wird man von leisen Passagen aufgeschreckt.

Wer diese Aufnahme mit der Befürchtung einlegt, eine Komposition aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei selten genießbar, kann hier getröstet werden. Das Werk Grovens ist kaum moderner als manch eine Marschzusammenstellung aus der vorherigen Jahrhundertwende. Das gibt dem Ganzen zwar noch nicht den Schmiss, nimmt ihm aber die intellektuelle Härte, wie sie durch den Booklet-Text sonst zu erwarten gewesen wäre. Gut geeignet als gute-Laune-Musik für den Hintergrund bleibt diese Zusammenstellung allemal, aber für die Sehnsucht nach Norwegen bleibe ich vorerst bei Edward Grieg.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Richter Kritik von Thomas Richter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Groven, Eivind: Sinfonie Nr. 1 'Towards the Mountains', op. 26

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
27.12.2006
Medium:
EAN:

CD
7318590013120


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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