> > > Tschaikowsky, Peter Iljitsch: Sinfonie Nr. 1'Winterträume'
Samstag, 24. Oktober 2020

Tschaikowsky, Peter Iljitsch - Sinfonie Nr. 1'Winterträume'

Guter, alter Tschaikowsky


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Smetácek hat, wie östliche Dirigenten so oft, eine sehr forsch zupackende Art, die bei Tschaikowskij genau richtig erscheint.

Unglaublich - aber wahr: Auch von Peter Iljitsch Tschaikowsky, dem Klassiker unter den russischen Komponisten, gibt es unterschätzte Kompositionen. Das zweite Klavierkonzert in G-Dur gehört dazu, und natürlich die ersten drei Symphonien. Die erste, g-Moll, mit dem Beinamen ‘Winterträume’ ist noch die bekannteste unter ihnen. Eine 45-jährige Aufnahme unter der Leitung Václav Smetáceks wurde jetzt wiederveröffentlicht. Ein mäßig bekannter Tschaikowsky mit einem mäßig bekannten Dirigenten in mutmaßlich mäßiger Klangqualität, das lohnt sich wohl nicht? Weit gefehlt! Die Symphonie hat mehr zu bieten, als man meinen sollte, der vor zwanzig Jahren verstorbene Smetácek war einer der ganz großen Dirigenten der Tschechischen Republik, der das Prager Symphonieorchester über 30 Jahre hinweg prägte, und die bei dem traditionsreichen Label Supraphon erschienene Aufnahme klingt hervorragend, erstaunlich voll und frisch.

Smetácek hat, wie östliche Dirigenten so oft, eine sehr forsch zupackende Art, die bei Tschaikowsky genau richtig erscheint. Seine Tempi sind rasch, selbst im zweiten Satz, einem Adagio cantabile, aber keineswegs extrem und wirken stets organisch. Im Adagio kommt der besondere klangliche Charme zum Tragen, den auch alte russische Aufnahmen oft haben, inklusive überdeutlich hervortretender Holzbläser. Exemplarisch ist hier auch in einem langem Solo zu hören, welchen Glanz die Prager Celli hervorzubringen im Stande waren, auf dieser CD an vielen Stellen zu bewundern. Gleiches gilt auch für viele Soloeinsätze der Bratschen.

In der Coda des letzten Satzes, der einzigen wirklich schwachen Stelle der Symphonie, scheint sich Smetácek mit geradezu widernatürlich langsamem Tempo gegen die typisch Tschaikowskysche Stretta zu stemmen, die große Trommel ist so gut wie unhörbar, doch gegen manchen Schluss ist eben leider kein Kraut gewachsen, und so geht auch hier die Musik unter zahlreichen Beckenschlägen zugrunde.

Ein ewiges Highlight unter Tschaikowskys Werken bildet die Fantasieouvertüre ‘Romeo und Julia’. Ein (sonst nicht zu hörendes) leichtes, unterschwelliges Vibrieren in den Bläsern, selbst den Klarinetten, kennzeichnet verheißungsvoll den eröffnenden Choral. Die gespannte Ruhe schlägt schnell um in eine warm glühende Leidenschaft, von den Celli besonders klangvoll umgesetzt. Im weiteren Verlauf werden immer wieder Streichermotive erkennbar, die in anderen Aufnahmen im Tuttiklang verschwinden. Insgesamt müssen diese Interpretationen sicher zu den gelungensten gezählt werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Peter Iljitsch: Sinfonie Nr. 1'Winterträume'

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
17.11.2006
Medium:
EAN:

CD
099925389529


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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