> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 & 2
Sonntag, 28. November 2021

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 & 2

Gekonnte Durchschnittskost


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine souverän auftrumpfende Ragna Schirmer mit einem nur zur Hälfte souveränen Mendelssohn.

Wie zu erwarten, lässt sich auch auf Ragna Schirmers siebter Aufnahme nichts finden, was man ihrem Spiel zum Vorwurf machen könnte. Die zweifache Gewinnerin des Bach- Wettbewerbs in Leipzig meistert Mendelssohns zwei Klavierkonzerte mitsamt dreier Konzertsätze souverän wie virtuos. Und auch das Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken unter Günter Herbig erweist sich als ebenbürtiger musikalischer Partner, wenngleich die klangliche Präsenz teilweise ein wenig blass anmutet. Ob man dies dem Orchester, den Toningenieuren oder der Instrumentation Mendelssohns zuschreiben muss, bleibt schwer zu entscheiden.

Fest steht allerdings, dass trotz der durchgehend nahezu makellosen Interpretation diese Aufnahme nicht uneingeschränkt zu überzeugen weiß. Denn wenn man als verwöhnter Hörer des 21. Jahrhunderts die Klavierkonzerte und Konzertsätze mit solchen Geniestreichen wie dem frühen Rondo capriccioso op. 4, dem e-Moll Violinkonzert oder den Symphonien Mendelssohns vergleicht, so entpuppt sich nur die Hälfte der Werke auf der vorliegenden Aufnahme als ebenbürtig. Zu häufig ist der Klavierpart mit dahinrauschenden Klangkaskaden und hin und her flitzenden Läufen ausstaffiert. Im zweiten Klavierkonzert bleiben, vom ersten Satz abgesehen, die Themen und Motive, sowie der Formverlauf unoriginell, selten ereignet sich Hervorstechendes. Leise drängt sich die Vermutung auf, hier würde sich Mendelssohn selbst kopieren. Im Rondo brillant Es-Dur op. 29 grenzen die harmonisch simplen Tutti- Einwürfe des Orchesters an geniale Einfallslosigkeit. Natürlich liegt das Endergebnis nach wie vor weit über dem Durchschnitt der sonstigen Konzertliteratur des 19. Jahrhunderts. Doch wie gesagt, wenn man andere Werke Mendelssohns zum Vergleich heranzieht, wird man doch enttäuscht.

Ganz anders dagegen das erste Klavierkonzert und das Capriccio brillant h-Moll op. 22. Hier kommen Schirmers technische Perfektion und ihr Vermögen, die Bögen des musikalischen Zusammenhangs weit zu spannen, voll zur Geltung. Schließlich bietet der erste, stürmische Satz des ersten Klavierkonzerts, ein Frühwerk des 22jährigen Mendelssohn, Schirmers pianistischem Temperament und plastisch formsicheren Stil eine dankbare Aufgabe. Eine Beschränkung auf die tiefen Orchesterstimmen, zusammen mit den typisch melodiösen mendelssohnschen Schwärmereien im Klavierpart, sorgt im zweiten Satz für ein hohes Potential an Expressivität. Schirmer und Herbig bringen dieses zielsicher zu Gehör. Der dritte Satz dann bringt Dank Schirmers Gespür für Akzentuierungen und einheitliche Tempi ein übersprudelndes Presto-Rondo.

Von den drei Konzertsätzen, dem Capriccio brillant op. Op. 22, dem Rondo brillant op. 29, und der Serenade und Allegro giocoso op. 43, setzt sich das Opus 29, 1832 komponiert, am deutlichsten positiv ab. Ragna Schirmers voller Ton bringt die präludierenden Arpeggien gleich zu Beginn so einfühlsam zum erklingen, dass sich die Akkorde quasi in das Ohr hineinschmiegen. Der Rest des Satzes verläuft so rasant und brillant wie es der Titel verspricht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
28.11.2006
Medium:
EAN:

CD
782124177522


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Interpret(en):Schirmer, Ragna (Klavier)


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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