> > > Bach, Johann Sebastian: Cellosuiten BWV 1007-1012
Mittwoch, 30. November 2022

Bach, Johann Sebastian - Cellosuiten BWV 1007-1012

Polyphonie auf einem Streichinstrument


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Um die Bachsche Tiefsinnigkeit der Cellosuiten nicht zu einem oberflächigen Hörerlebnis verkommen zu lassen, dafür sorgt der Barockspezialist, Dirigent und Cellist Jaap ter Linden mit seiner aktuellen Einspielung.

Es ist faszinierend, wie J. S. Bach eine Mehrstimmigkeit auf einem einzigen Viersaiter schafft, die vergessen lässt, dass kein Generalbassinstrument die Melodie stützt, sondern einzig und alleine ein Instrument spielt. Bachs sechs Solosuiten für Violoncello BWV 1007 bis 1012 sind solch eine Werkgruppe, die mit dieser ‘versteckten’ und angedeuteten Mehrstimmigkeit spielt. Die Solo-Suiten schlummerten jahrelang als bloße Etüden vor sich hin, bis sie Mitte der 30er Jahre, quasi als Pendant zu Paganinis Solo-Capricen, der Spanier Pablo Casals mit einer Referenzaufnahme nachfolgend aufs Konzertpodium rückte. Seither entstanden unzählige mehr oder auch weniger geglückte Aufnahmen, zu denen die vorliegende glücklicherweise zu Ersterem zählt.

‘Rote Fäden’ strukturieren komplexe Kontrapunktik

Um die Bachsche Tiefsinnigkeit der Cellosuiten nicht zu einem oberflächigen Hörerlebnis verkommen zu lassen, dafür sorgt der Barockspezialist, Dirigent und Cellist Jaap ter Linden mit seiner Einspielung. In seinem Spiel legt ter Linden die roten Fäden barocker Kontrapunktik bloß und spannt einen verbindenden Bogen zwischen den Sätzen, der oftmals bei anderen Cellisten übersehen wird. Durch sorgfältig gewählte Tempi sowie durchdachte Phrasierung und geschickte Artikulation, präsentiert er die Sammlung an stilisierten Tanzsätzen in überzeugender barocker Manier. Die flotteren Sätze (die Courantes oder die Gigues) stellen Jaap ter Lindes Virtuosität unter Beweis – der saubere Wechsel zwischen legato- und staccato-Passagen sind da nur ein Beispiel – während die gravitätisch schreitenden Sarabanden vom klagenden Ausdruck leben. Erfreulich, dass der Cellist hierbei nicht in romantischem Weltscherz wühlt, sondern den barocken Ausdrucksformen treu bleibt. Ter Lindens Celloklang ist dabei warm und rein, zugleich sehr sauber in der Intonation.

Natürliche Aufnahme, spärliches Cover

Die Aufnahme liefert ihren Anteil zum sonoren Celloklang dazu: ein sehr natürliches Klangbild, das dem Klang des wertvollen Instruments (Giovanno Grancino, 1703) gerecht wird. Die klaren Höhen bis hin zu den satten, tiefen Bassfrequenzen sind in allen dynamischen Bereichen sehr präsent aufgenommen. Während die CD in einer edlen Pappbox aufbewahrt wird und einen repräsentativen Eindruck macht, wurde am nur mager beschriebenen, englischsprachigen Booklet gespart.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Florian Lang Kritik von Florian Lang,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Cellosuiten BWV 1007-1012

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
20.10.2006
Medium:
EAN:

CD
5028421931326


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