> > > Strauss, Richard: Fünf Klavierstücke op. 3
Sonntag, 16. Januar 2022

Strauss, Richard - Fünf Klavierstücke op. 3

Der unbekannte Strauss


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Stefan Vaselka und Naxos gebührt Dank für diese gleichermaßen ambitionierte wie verdienstvolle Einspielung weitgehend unbekannter Klaviermusik aus Bayerischen Landen, die zu entdecken durchaus lohnt.

Was täte der Musikliebhaber nur ohne das von Neugierde getriebene Label Naxos, das uns immer wieder mit Gängigem und spannenden Raritäten gleichermaßen zu beglücken weiß. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Exemplar aus der Schublade mit Seltenheiten. Wer Richard Strauss bisher nur als Komponisten monumentaler Tondichtungen und abendfüllender Musiktheaterwerke kannte, sollte seinen Strauss-Horizont erweitern und Eigentümer dieser CD werden. Stefan Vaselka, tschechisch-stämmiger Pianist aus Norwegen, präsentiert hierauf Soloklavierliteratur des jungen Strauss, die allesamt aus dessen Schul- und Universitätszeit stammt. Die ‚Fünf Klavierstücke’ op. 3, seine h-Moll Sonate op. 5 und die ‚Stimmungsbilder’ op. 9 sind Zeugnisse eines überaus talentierten, handwerklich bestens geschulten jungen Mannes, der sich – entgegen späterer Entwicklungen – ganz in der klassisch-romantischen Tradition von Beethoven, Schumann, Mendelssohn und Brahms zu bewegen verstand. Episodisches steht im Vordergrund, Melancholisches wie Lebhaftes lässt sich hier in altbackener romantischer Tradition finden. Selbst die h-Moll Sonate ähnelt in Struktur und Gestus den frühen Werken Beethovens, das op. 9 scheint geradezu von Schumann kopiert. Kaum zu glauben, dass die zu jener Zeit längst vollzogene harmonische Komplexität (Brahms) und die expressive Virtuosität (Liszt) der Neuen deutschen Schule den jungen Richard Strauss scheinbar unberührt ließen. Erst viel später – in seinen Orchesterwerken – wird er sich also aus den romantischen Traditionen lösen und zum Wagner-Liszt-Verehrer mutieren.

Stefan Vaselka, ausgebildet in Österreich und Deutschland, versteht sich darauf, diesen romantischen Charakter der Werke in den Mittelpunkt seiner Interpretationen zu stellen. Sein Spiel ist von großem erzählerischen Duktus, stets sprechend klar sein Anschlag. Er begeht nicht den Fehler, in Strauss’ Stücken nach Tiefsinnigem zu suchen, sondern gestaltet sie ganz unverdächtig als das was sie sind: gehobene Unterhaltungsmusik, musikalische Intermezzi, kleine Balladen. Sein äußerst sparsamer Pedaleinsatz garantiert hohe Plastizität und Transparenz und ist gleichzeitig Beleg für Vaselkas angenehm unprätentiöse Musikalität. Dass er dabei die Palette pianistischer Ausdrucksmitteln nicht in Gänze ausreizt, soll nicht verschwiegen sein. Manches mal wünscht man dem Pianisten eine wenig mehr Mut zu größerer agogischer Freiheit, zu einer differenzierteren Vielfarbigkeit im Klang. Die technisch nicht allzu fordernden Stücke können, nicht zuletzt aufgrund ihres wenig virtuosen Charakters, einen Tick mehr an Ausdrucksvielfalt und Esprit vertragen. Vaselkas unbestritten großen spieltechnischen Fähigkeiten erfahren durch die ausgezeichnete Aufnahmequalität verdienter Maßen adäquate Beachtung. Nur der Text des – wie immer bei Naxos nicht gerade üppigen Booklets – verrennt sich ein wenig zu sehr in Biografischem. Das Verhältnis Richard Strauss’ zur Gattung Klaviermusik hätte umfangreichere Darstellung verdient.  

Stefan Vaselka und Naxos gebührt Dank für diese gleichermaßen ambitionierte wie verdienstvolle Einspielung weitgehend unbekannter Klaviermusik aus Bayerischen Landen, die zu entdecken durchaus lohnt. Wer Richard Strauss bisher ob des Bombasts seiner Tondichtungen oder des bisweilen ans Vulgäre Grenzende seiner Opern wenig Liebe entgegen bringen wollte, sollte sich die Klavierwerke einmal zu Gemühte führen. Die stilistische Flexibilität, die sich vor allem beim Spätwerk des Komponisten bewundern lässt, hat in ihnen eine gewichtige Basis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Frank Bayer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Fünf Klavierstücke op. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
01.12.2006
Medium:
EAN:

CD
747313271320


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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