> > > Dudana Mazmanishvili: spielt Klavierwerke von Bach, Busoni, Liszt & Rachmaninoff
Donnerstag, 29. September 2022

Dudana Mazmanishvili - spielt Klavierwerke von Bach, Busoni, Liszt & Rachmaninoff

Rising star


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Hingabe, mit der Dudana Mazmaniashvili die Kompositionen von Bach und insbesondere Rachmaninow interpretiert - stets ein rechtes Maß zwischen Poesie und Rationalität findend - bezeugt die vielfältigen Stationen ihres bisherigen künstlerischen Werdens.

Erneut ist es dem Label OehmsClassics gelungen, im Rahmen seiner Debutreihe einer jungen Künstlerin eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Klasse einem breiten Hörerkreis präsentiert. Diesmal ist es die georgische Pianistin Dudana Mazmaniashvili, bereits international erfahren, welche in der vorliegenden Einspielung den Bogen von der bachschen Suite, über Interpretationen von Busoni und Liszt, bis hin zur Fülle der b-Moll Sonate Rachmaninows spannt. Eine interessante Aufgabe, der sich Mazmanishvili sowohl mit konventionellen als auch neuartigen Ansätzen nähert.

Seit gut zwei Jahren zieht die aus Tbilissi stammende Künstlerin gerade auch das internationale Medieninteresse auf sich. So traten ihr in den vergangenen Monaten zahlreiche europäische Publikationen mit tiefem Respekt entgegen, ‘Musical America’ titulierte sie sogar als neuen ‘rising star’. Dies bezeugt auch ihr Debut in der New Yorker Carnegie Hall im vergangenen November: der bisherige Höhepunkt einer jungen vielversprechenden Karriere.

Bach sei ihr Lieblingskomponist, wie sie in einem früheren Interview einmal betonte. Im Gegensatz zur wechselnden Interessenlage im Hinblick auf andere Komponisten habe doch die Auseinandersetzung mit Bach ein stetiges befruchtendes Kontinuum ihrer bisherigen Arbeit dargestellt. Schon im Prélude des ersten Werkes, der Suite Nr. 6 in d-Moll begegnet uns in der langsamen Einleitung ein sehr warmer, geschmeidig geformter Klang, der überhaupt sehr präsent ist im Verlauf des Stückes. Diese Innigkeit und teils fein abgestufte Klangcharakteristik hat beinahe romantische Züge, die in allen Sätzen durchscheinen. Doch gemahnen die aufs Feinste artikulierten Triller und das passagenweise trockenere Spiel an den barocken Ursprung. Mazmanishvili ist versucht, an manchen Stellen einer barocken Terrassendynamik Raum zu geben, welche sie aber zuweilen durch leicht anschwellende Crescendi aufweicht. Die Frage nach Synthese oder Abgrenzung dieser künstlerischen Ausdrucksmittel voneinander steht dabei im Mittelpunkt. Allerdings gelingt es ihr hier auf sehr subtile Weise, die klanglichen Nuancen der heutigen Klaviertechnik auf den barocken Gestus der Suite zu legen. Insbesondere tritt dies in Allemande und Courante zutage; ersterer verleiht die Pianistin zusätzliche agogische Verzögerungen. Einer nachdenklichen Sarabande in feinster Pedalbehandlung folgt eine munter musizierte Gavotte. Wunderbar dezent springende Basstöne bilden hier das Fundament, auf dem sich eine tänzerische Melodik graziös bewegt. Man spürt förmlich die unbeschwerte Gesanglichkeit, mit der Mazmanishvili ihre ‘Lieblingsmusik’ zelebriert. Die harmonisch-dramatische Zuspitzung der Gigue mit ihren Wechseln zwischen trockenem feingliedrigem Stil und langgezogenen crescendo-Bögen setzt einen würdevollen Schlusspunkt.

Ein Bindeglied zwischen Barock und Romantik stellt die von Ferruccio Busoni bearbeitete Bach-Chaconne dar. Sie steht in einem Kanon mit weiteren Bearbeitungen bachscher Werke, und sogar mit einer eigens Bach gewidmeten Komposition, die Busoni veröffentlichte. Dem Hörer offenbaren sich die zahlreichen Charaktere, die aus einem Chaconne-Thema entwickelt werden können. Busoni nimmt sich in seiner Komposition des ursprünglichen Schlusssatzes der Violin-Partita BWV 1004 an, und formt teils mächtige Klangwelten daraus. Dankbar nimmt sie die Herausforderung an und formt virtuos aufeinandergetürmte Akkorde und Arpeggien ebenso wie genaue dynamische Nuancen. In feinster Artikulation und stets perlender Tonfolge verleiht sie den unterschiedlichen Variationen ganz individuelle Eigenschaften, die ihnen eine besondere Note verleihen. Von nachdenklich-romantisch über barock-graziös, intim wirkend bis hin zum mystischen Aufschwingen sind zahlreiche Facetten eindrücklich zu erkennen.

In Franz Liszts Ungarischer Rhapsodie wird der Hörer schon vom virtuosen Tremoloeinstieg überwältigt. Der Gestus folkloristischer Tanzkultur schwingt in einigen Passagen und steht ganz in der Tradition der im 19. Jahrhundert beliebten Form freier Instrumentalkomposition. Mazmanishvili begeistert hier vor allem, wie auch in der folgenden Klaviersonate Nr. 2 b-Moll von Sergej Rachmaninow, durch farbige Dynamikabstufungen und klarste Triller: Besonders im lyrisch Dezenten versteht sie es, zu überzeugen. Doch auch im Kolossalen, dem triumphalen Abschluss, weiß sie die orchestral anmutende Klangfülle mit Bedacht für jede Figur in wohlgeformter Artikulation umzusetzen: Ein Feuerwerk der Figuren und Motive, der wuchtigen Akkorde einerseits wie der perlenden Läufe gibt beiden Stücken ein berauschendes Ende. Während im Allegro agitato vor allem oktavierte Läufe mit motivischen Gliedern korrespondieren, breitet Mazmanishvili im Non allegro einen gesanglich eleganten Melodieteppich aus, der in ein überaus zartes Verstummen mündet. Der dritte Satz, L´istesso tempo – Allegro molto, führt dann von wunderbar intim-träumerischen Anfangstakten zum leidenschaftlich Schlusspunkt dieser gelungenen Aufnahme.

So gibt die vorliegende Einspielung einen fabelhaften Eindruck von der mitreißenden Gestaltungskraft und den teils feinsten Klangnuancen, die vor allem bei Bach neue Perspektiven der Interpretation eröffnen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Torsten Fischer,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dudana Mazmanishvili: spielt Klavierwerke von Bach, Busoni, Liszt & Rachmaninoff

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
01.01.2012
Medium:
EAN:

CD
4260034865754


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Zeitgenossen der Vergangenheit: Höchst selten gespieltes Repertoire, im Falle von Paul Arma sogar eine Ersteinspielung – so richtig überzeugen können die drei hier versammelten Violinsonaten jedoch nicht. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Weibliche Perspektiven: Ein veritables künstlerisches Lebenszeichen von Singer Pur, mit etlichen starken weiblichen komponierenden Stimmen, die das Programm üppig mit Qualität aufladen. Eine fein programmierte und gesungene Platte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Leidenschaftlich und souverän: Dmitrij Kitajenko und das Gürzenich-Orchester präsentieren einen leidenschaftlich vorgetragenen Tschaikowsky, allerdings mit bekanntem Standard-Repertoire. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Torsten Fischer:

  • Zur Kritik... Italienisches cantabile und französische Feierlichkeit: Masaaki Suzuki lebt eine fantastische Klangkultur längst vergangener Zeiten exzellent vor. Das Cembalo offenbart zahlreiche fein gezeichnete Klangspektren. Zusammen mit dem sehr fundierten Booklet ein großer musikalischer Genuss! Weiter...
    (Torsten Fischer, )
  • Zur Kritik... The last concert: Insgesamt bietet diese Produktion von PreiserRecords ein Konzert von eher dokumentarischem Wert. Klanglich als auch gestalterisch, ist sie nicht in allen Bereichen überzeugend. Weiter...
    (Torsten Fischer, )
  • Zur Kritik... Klangerlebnis Esterházy: Die CD gibt einen erstklassigen Ausschnitt vom Gesamtrepertoire der Haydn Philharmonie unter ihrem Initiator Adam Fischer. Zusammen mit den musikgeschichtlichen Ausführungen und dem neuen Klangkonzept eine wertvolle Produktion an historischem Ort. Weiter...
    (Torsten Fischer, )

Alle Kritiken von Torsten Fischer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2022) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich