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Samstag, 23. Januar 2021

Hassler, Hans Leo - Motets & Organ Works

Niederländer und moderne Venezianer


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD erhellt ein weiteres bislang unbeleuchtetes Kapitel der deutschen Musik.

Hans Leo Hassler gehört wie viele andere seiner Zeitgenossen zu den Komponisten, die im Schatten des – zu Recht oder Unrecht – alles überragenden Heinrich Schütz standen und bis vor kurzem stehen geblieben sind. Dabei weist sein Lebenslauf zu dem des großen Frühbarockkomponisten einige Parallelen auf: geboren 1564 in Nürnberg, von 1584 bis 1586 musikalische Lehrzeit bei Giovanni Gabrieli in Venedig, danach Kammerorganist bei Jakob Fugger in Augsburg, von 1601 bis 1607 Leiter der Stadtpfeiferei und Organist in Nürnberg Anders als Schütz jedoch hatte Hassler im Auftrag des Kaisers Rudolf II. auch kaufmännische Aufgaben und spekulierte in riskanten Bergbau- und Metallgeschäften, was ihn an den Rand des Bankrotts brachte. Er musste wieder als Organist arbeiten, diesmal ab 1608 in Dresden. Am 8. Juni 1612 starb er, durch eine längere Krankheit geschwächt, in Frankfurt, wo er als Mitglied des kurfürstlichen Hofstaates weilte. Seine Musik kombiniert die Polyphonie der alten Niederländer mit der Mehrchörigkeit moderner Venezianer. Gleich das erste Stück der bei cpo erschienenen CD mit Chor- und Orgelwerken ist eine solche. Drei vierstimmige Chöre interpretieren das Titel-gebende ‚Cantate Domino’. Freilich ist damit nichts über die Besetzung gesagt und so können, wie in diesem Fall, sich vokale und instrumentale Stimmen die Aufgabe teilen. In der Folge finden sich auf Scheibe fröhlich abwechselnde Orgelstücke und -stückchen, solistisch besetzte Motetten und großformatige geistliche Vokalwerke. Insgesamt ein durchaus repräsentativer Querschnitt aus dem umfangreichen geistlichen Werk des Nürnbergers. In ihrer musikalischen Umsetzung sucht diese Musik sicher ihresgleichen, wenn Manfred Cordes und seine Weser-Renaissance sich ihrer annehmen. Das Ensemble, bestehend aus ausgemachten Spezialisten für die deutsche Musik des Frühbarock, ist so variabel wie Besetzungsvorschriften – wenn es denn überhaupt welche gibt. Sechs Sängerinnen und Sänger und zehn mit historischen Instrumenten wie Zink, Dulcian und Chitarrone ausgestatteten Musiker bringen in immer wieder neuen und spannenden Zusammenstellungen die Musik zum Klingen. Einen kleinen Ausschnitt aus dem Orgelwerk Hasslers gibt Organist Martin Böcker auf der Huß/ Schnitger-Orgel der Ss. Cosmae et Damiani-Kirche zu Stade. Diese Orgel zählt zu wertvollsten Orgeln des späten 17. Jahrhunderts in Deutschland und ist nach mehreren Restaurierungen – die letzte fand 1993/94 statt – in einem hervorragenden Zustand. Martin Böcker nutzt die obertonreiche barocke Disposition der Orgel, um Hasslers Werken genügend Schneid mitzugeben. Da hört man schon ein wenig Bachsche Registrierkunst. Ein kleiner Wermutstropfen ist die für das Label cpo völlig ungewöhnliche und Gott sei Dank auch untypische Klangqualität. Dabei ist nicht so sehr die Technik zu bemängeln, sondern das akustische Verhältnis zwischen Instrumentalisten und Sängern. Oftmals kann sich beispielsweise Tenor Harry Geraerts nicht gegen seine Begleitung durchsetzen: Zu hören ist dies unter anderem im ‚Veni Sancte Spiritus’. Und dass die Tontechniker viel Wert darauf legen, auch den Klang des Aufnahmeraums, in diesem Fall eine Kirche in Stade, in ihr Klangkonzept aufzunehmen, ist grundsätzlich begrüßenswert, allerdings kann das auch auf Kosten der Unmittelbarkeit gehen. Oftmals klingen die Gesangsstimmen wie aus weiter Ferne und geraten so im Vergleich mit den Instrumenten ins Hintertreffen. Nur im ‚Ad Dominum cum tribularer’ können Susanne Rydén (Sopran), Ralf Popken (Altus), Harry Geraerts, Harry van Berne (beide Tenor) und Harry van der Kamp (Bass) a cappella mit ihren Stimmen glänzen, im ‚Exultate De’ darf Sopranistin Clementine Jasdinsky singen, Harry Geraerts dafür nicht, und eine Chitarrone sorgt für einen zurückhaltenden Generalbass. Hier stimmt die Balance. Diese CD (cpo 999 723-2) erhellt ein weiteres bislang unbeleuchtetes Kapitel der deutschen Musik des Übergangs von der Renaissance zum Frühbarock. Hans Leo Hassler gehört zu deren bedeutendsten Vertretern, und diesem in letzter Zeit gewachsenen Bewusstsein ist diese Aufnahme geschuldet. Bravo und mehr davon!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Kritik von Dirk Jaehner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hassler, Hans Leo: Motets & Organ Works

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.12.2000
72:42
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0761203972326
99 723-2

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Hassler, Hans Leo


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Dirigent(en):Cordes, Manfred
Interpret(en):Böcker, Martin (Organ)
Weser-Renaissance Bremen,


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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