> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte
Montag, 23. September 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Zauberflöte

Sir Peter Ustinovs "Zauberflöte" in Farbe


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man kommt aus dem Schwärmen nicht heraus!

Unter der Intendanz Rolf Liebermann gingen 13 Produktionen der Hamburgischen Staatsoper ins Fernsehstudio und wurden somit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. In zweiter Linie wurde auf diese Weise ein erstklassiges Sängerensemble in verschiedenen Werken für die Nachwelt konserviert. Das Label Arthaus hat nun mit der Veröffentlichung dieser Fernseh-Versionen begonnen, wobei Mozarts ‘Zauberflöte’ den Anfang macht.

Diese 1971 von Joachim Hess für das Studio eingerichtete Produktion basiert auf der Hamburger Inszenierung des Multitalents Sir Peter Ustinov. Gemäß den Erwartungen zwinkert hinter jedem Satz Sir Peter hervor: Liebevolle Detailarbeit und doppeldeutige Wortspiele zeichnen seine Arbeit an Mozarts letzter Oper aus. Es ist nicht so, dass Ustinov ungeahnte Tiefen, neue Sichtweisen oder ungehörte Dialoge zutage fördert, aber altbekanntes erscheint mit einem Mal erfrischend jung. Selten klingen die Dialoge – allesamt von den Darstellern selbst gesprochen – so natürlich, so witzig, so perfekt im Timing. Die Sänger zelebrieren die Sprache nicht, sondern setzen mit Schikaneders Dialogen deutliche Kontraste zu den Gesangsnummern. Niemand ruht sich auf einem Witz aus, alles bleibt beständig im Fluss und entwickelt so eine temporeiche Komik. Herrlich die Mimik der drei Damen oder der Sklaven, in jedem Gesichtsausdruck scheint sich der Humor des großen Briten widerzuspiegeln. Solche Dialoge würde man sich für eine CD-Einspielung wünschen!

Bühne und Kostüme stehen ganz in der Tradition eines Märchenspiels für alle Altersgruppen voll Phantasie und kindlicher Spielfreude. Die Schlange, die zu Beginn Tamino hinterherjagt, wäre eine Lachnummer auf jeder Bühne. Ustinov spielt hier mit offensichtlichen Theatermitteln, die keine Illusion, sondern phantasievolle und spaßige Unterhaltung bieten wollen. Die knallig-bunten Kostüme, die großen Farbflächen im Hintergrund feiern ausgelassen die Errungenschaften des Farbfernsehens. Ustinovs ‘Zauberflöte’ in Farbe.

Und was sich da auf der musikalischen Seite an internationalen Stars tummelt, lässt jedes Opernherz höher schlagen. Nicolai Geddas jugendlich frischer Tamino ist ein Hochgenuss exemplarischen Mozartstils, außerdem beweist er gerade in den Dialogen eine tenorale Selbstironie, die auch den letzten Zweifler für seine Interpretation begeistern. An seiner Seite die herrliche Edith Mathis als Pamina. Hans Sotin verströmt als Sarastro balsamische Basstöne, während Cristina Deutekom als fulminante Königin der Nacht mit ihrer stupenden Koloraturtechnik begeistert. Es ist verblüffend, wie sie jeden einzelnen Ton ansteuert, ihre Stimme beinahe instrumental zu führen versteht, stets regungslos vor sich hinstarrend, eine Königin zum Fürchten.

In der Rolle des Sprechers glänzt Dietrich Fischer-Dieskau, eine Partie die ihm weitaus besser liegt als der Papageno. Mit kunstvoller Diktion und nobler Phrasierung ist er eine Luxusbesetzung, die sich heute kaum noch ein Opernhaus leisten kann. Der Amerikaner William Workman ist ein pfiffiger, äußerst sympathischer Papageno mit einem natürlichen komischen Talent. Ihm gelingt der schwierige Spagat zwischen tölpelhafter Plumpheit und intelligentem Humor hervorragend. Eine Kuriosität dieser Besetzung ist der Bariton Franz Grundheber in der Partie des Monostatos, eigentlich einer Tenorrolle. Als festes Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper konnte er sich diesen Ausflug ins komische Charakterfach leisten. Das durchweg hohe Niveau ergänzen noch Helmut Melchert und Kurt Moll als Geharnischte der Sonderklasse und das routinierte Dirigat von Horst Stein. Man kommt aus dem Schwärmen nicht heraus!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
01.11.2006
156:00
1971
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
807280126594
101 265


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

  • Zur Kritik... Ballett-Ikone: Dieser Film entwirft ein spannendes – wenn auch ein wenig in die Jahre gekommenes – Porträt von John Neumeier. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Beeindruckendes Gesamtporträt: Fast non-stop dirigierte Valery Gergiev 20 der bedeutendsten Werke von Prokofjew in Moskau und St. Petersburg. Ein Filmteam schnitt mit und produzierte zusätzlich eine TV-Doku. So entstand ein umfassendes Prokofjew-Porträt. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Generationenwechsel: Aus der historischen Distanz erweist sich die Salzburger 'Zauberflöte' 1982 als nicht ganz so gut wie seinerzeit von der Presse gepriesen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Neugier und Leidenschaft: 'An American Song Album' macht neugierig, beglückt in hohem Maß und gehört zu jenen CDs, die mehrmals im Jahr durchgehört werden sollten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Zauberhaft authentisch: Dieser Gießener 'Oberon' ist ein Projekt, das sich ungeniert neben die wenigen großen Vorgänger auf dem Plattenmarkt stellen kann und dabei so manche ältere Einspielung an Authentizität und Konsequenz übertrifft. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Solider Faust: Dieser 'Faust' ist absolut anhörbar und im Falle der Marguerite sogar ausnehmend spannend. Ansonsten gibt es viele gute Gründe, weiterhin zu den beiden alten Cluytens-Aufnahmen oder jener von Georges Prêtre zu greifen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Peter Tschaikowsky: String Quartet No.2 op.22 in F major - Adagio - Moderato assai

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich