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Samstag, 28. Mai 2022

Tucholsky, Kurt - Gedichte, Rezitation und Musik

Freie Geister


Label/Verlag: Cavalli Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für Freunde des Kabaretts ein Vergnügen.

Kurt Tucholsky (1890-1935) bringt wie wenige andere den kosmopolitisch-frivolen Geist Berlins vor 1933 zur Geltung (Friedrich Hollaender wäre zu nennen, Egon Erwin Kisch, Mascha Kaléko, Erich Kästner vielleicht). ‚Chuzpe’ ist trefflich geeignet, die allzumeist feinen, gelegentlich derben, Grenzüberschreitungen des Kabaretts und ‚Weltbühne’-Journalismus zu bezeichnen. Man könnte nun meinen, unsere Zeit kenne keine Tabus; so könne sie vom frechen Geist Tucholskys nicht profitieren (eher von halb sentimentalen ‚Romanzen’ nach Art ‚Schloß Gripsholms’). Aber die Dunkelmänner und Zensoren sind erneut auf dem Vormarsch. Im Namen des Glaubens (muslimisch, christlich) sind sie bemüht, die Freiheit der Kunst zu beschneiden. Umso wichtiger: die Gattung ‚Satire’ – und deren alte Meister.

Das kleine Label Cavalli aus Bamberg tut gut daran, Tucholsky – alias Kaspar Hauser, Theobald Tiger, Peter Panter, Ignaz Wrobel, Old Shatterhand, Hugo Grotius, Paulus Bünzly, Theodor Körner – mit ‚Rezitationen’ der Lyrik und mit Musik für Cello wie Gitarre zu ehren. Renier Baaken, versierter Theatermann, trägt ausgewählte Gedichte vor (meist handeln sie von Liebesdingen, in angenehm schnoddrigem Ton): ‚Blick in die Zukunft’, ‚Sie schläft’, ‚Die arme Frau’, ‚Versunkenes Träumen’, ‚Im Käfig’ und manche andere. Stefan Gerlinghaus und Harald Knauss sekundieren mit Cello bzw. Gitarre: Teils bieten sie Eigenkompositionen, teils ‚Klassisches’ von de Falla, Granados (‚Andaluza’), Fauré (‚Après un rêve’) und Mancini (‚Moon River’).

Für alle drei Protagonisten gilt: Sie treffen ins Schwarze. Sämtliche Ausdrucksregister zwischen Polemik, Frivolität und nonchalanter Lässigkeit stehen ihnen zu Gebote. ‚Schön’ und ‚gefällig’ sind diese Darbietungen nicht. Gerlinghaus’ Celloton nimmt sich bisweilen geradezu quäkend aus, druckvoll, wenig sonor. Auch Baaken nimmt Abstand von lyrischem Wohllaut, von aristokratischer Deklamation: Dies sind nicht Shakespeares Sonette. Gelegenheitsdichtung verträgt sich mit Pathos nicht recht. Statt dessen: Deutlichkeit. Die Ausdruckscharaktere: beinahe überzeichnet, trotz empfindsamer Sujets. Baakens extreme Wandelbarkeit und Differenzierungsvermögen verblüffen. Fast scheint es, er redet in Zungen. Der Tucholsky-Ton zwischen trockenem Sentiment und schnoddrigem Esprit ist jederzeit zu vernehmen: Renier Baaken ist ein kongenialer Interpret. Wer Tuchosky mag, wird Baaken mögen – und Gerlinghaus/Knauss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tucholsky, Kurt: Gedichte, Rezitation und Musik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Cavalli Records
1
01.11.2006

EAN:


9783981020588


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Cavalli Records

Das Label CAVALLI-RECORDS entwickelte seit 1990 ? dem Beginn der CD-Produktionen ? ein klares Firmenprofil: Aufnahme und Veröffentlichung von qualitätvollen Werken der Musikliteratur aller Epochen, die bisher nicht auf Tonträgern erhältlich waren. So stellte gleich eine der ersten Produktionen ? CCD 206 mit bisher unbekannten und unveröffentlichten Streichquartetten von Ludwig van Beethoven ? eine kleine Sensation dar, die in der Fachpresse entsprechend gewürdigt wurde. Durch eigene musikologische Forschungsarbeit sowie durch Zusammenarbeit mit namhaften Musikerpersönlichkeiten bereichert seither das Repertoire von CAVALLI-RECORDS die einschlägigen Kataloge immer wieder mit Komponistennamen, die man bisher vergeblich in Schallplattenkatalogen suchte. Aber auch selten oder nicht eingespielte Werke von bekannteren Komponisten finden ihren Weg in unser Repertoire, sei es dank besonderer Interpretation der jeweiligen Musikerpersönlichkeit, sei es durch besondere Berücksichtigung der entsprechenden Aufführungspraxis und des zeitgenössischen Instrumentariums. Somit stellt sich CAVALLI-RECORDS als Label für ein besonderes Repertoire aus fünf Jahrhunderten dar, immer auf Entdeckungsreise im weiten Reich der Klassischen Musik. Jedoch: die ?Kleine Nachtmusik? sucht man bei CAVALLI-RECORDS vergebens...


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