> > > Ginastera, Alberto: Panambí
Samstag, 7. Dezember 2019

Ginastera, Alberto - Panambí

Offenbarungen Lateinamerikas


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ginasteras Ballette Panambí und Estancia in Erstgesamteinspielung! Das London Symphony Orchestra unter Gisèle Ben-Dor gibt alles und erreicht sehr viel mit seiner Interpretation der südamerikanischen Weiten.

Ballette des großen argentinischen Komponisten Alberto Ginastera sind hierzulande ziemlich unbekannt. Ungerechtfertigterweise, wie das London Symphony Orchestra unter der in Uruguay aufgewachsenen Dirigentin Gisèle Ben-Dor zu beweisen antritt. Sie will mit der bei Naxos erschienenen Aufnahme diese Musik bekannter machen - gerade in Europa, wo man glaubt, die europäische Musik habe die lateinamerikanische bestenfalls beeinflusst und nie so recht wahrhaben wollte, dass Einflussnahme auch andersherum funktioniert - und das nicht nur im Falle des Tangos.

Was Ginastera selbst mit seinen Balletten Panambí und Estancia will, ist wiederum relativ klar. Er schildert seine eigenen Eindrücke mit den ländlichen Gegenden seiner Heimat, der Pampa, und dem Einbruch der Städter in dieses völlig andere Leben voller Einsamkeit und Entbehrung. Er ist gerade einmal 21 Jahre alt, als er Panambí schreibt und es sind genau diese jugendliche Unruhe und die vielen gleichzeitig in alle Richtungen überschäumenden Bewegungen beispielsweise in Danza de los guerreros, die das Orchester hier machtvoll und mit lautem Getöse wiedergibt, um sich gleich darauf völlig verwandelt mit zärtlich leisen, an Wind erinnernden, Streichern in der Pantomima del amor eterno zu verlieren. Ein Kaleidoskop der Formen und Farben ist es, was Ben-Dor mit den Londonern heraufbeschwört. So lebhaft und intensiv spielt das Orchester, dass ich beim Hören fast eine Choreographie dieses Balletts vor Augen habe und die Farben zu sehen vermeine, die ich auf der Bühne sehen sollte, mal durch bezaubernd wenige, helle Klänge, mal durch eine mehr sprechende als spielende Blech-Kantilene, gefolgt von wildem Aufruhr im ganzen Klangkörper. Ein Ballett ist es, das von den indianischen Einwohnern Argentiniens handelt, von ihren Traditionen, ihrer Musik und ihrem Leben. Wer sollte das erspüren können, wenn nicht eine südamerikanische Dirigentin?

Ein Tag in der Pampa

Estancia, entstanden vier Jahre nach Panambí, schildert das Leben der Gauchos, der Hirten in den Weiten der südamerikanischen Pampa. Hier tritt Luis Gaeta als Erzähler zum Klang des Klaviers, das Ben-Dor wie leere Gitarrensaiten klingen lässt, auf den Plan und erzählt die berühmte Geschichte von Martin Fierro und der Pampa. Wenn das Orchester hiernach sich von den rhythmischen Verschränkungen und den typischen Melodien im Quintabstand davon reißen lässt, dann tut die Dirigentin gut daran, diese Zügellosigkeit durchgehen zu lassen, denn sie spiegelt den Geist der Musik wieder. Hierbei erweisen sich die Bläser als genauso gewandt darin, ihre Stimmen zu verstellen und nach Tier- und Menschenstimmen zu klingen wie Luis Gaeta, der mit Feuer und Tempo seine Rollen spricht, ja manchmal beinahe singt. Nur schade, dass sein Text nicht im Begleitheft zu finden ist, was den Wortsinn des Balletts für nicht spanisch sprechende Hörer ziemlich im Dunklen lässt. Doch auch ohne diese Hilfestellung spricht Ginasteras Musik unter Ben-Dor für sich selbst. Ob es sich um den Auftritt der Fohlen oder das Erscheinen der Städter handelt, es gelingt den Londonern, Stimmung zu vermitteln, die das Verständnis der Musik ermöglicht. Und wenn schließlich Gaeta zur Triste pampeano einsetzt, diesem wehmütigen Lied der Pampa, dann glaubt man den Geist von Estancia vollends begriffen zu haben - diesen Geist von Stärke, Einsamkeit und prasselndem Feuer in Grasweiten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Annika Forkert,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ginastera, Alberto: Panambí

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
23.10.2006
Medium:
EAN:

CD
747313258222


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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