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Donnerstag, 9. Juli 2020

Klang der Welt - Portugal

Der moderne Klang Portugals


Label/Verlag: NCA - New Classical Adventure
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Produktion ?Klang der Welt - Portugal? eröffnet einen weiten Blick auf die aktuelle Musik dieses Landes und macht Lust auf mehr.

Seit 1998 veranstaltet das Orchester der Deutschen Oper Berlin die Kammermusikreihe ‘Klang der Welt’. Seither wurde in jeder Spielzeit die musikalische Tradition eines Landes oder einer Region vorgestellt. Die Spielzeit 2004/2005 war der Musik Portugals gewidmet. Fünf Komponisten der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart sind mit jeweils einem Werk vertreten.

Den Anfang macht der 1940 geborene António Victorino d’Almeida. Sein Septett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Klavier und Xylophon ist ein äußerst bewegtes Stück, wie schon die Besetzung erahnen lässt. Alle drei Sätze stehen in schnellen Tempi. Der erste ist sehr perkussiv und gedrängt, im zweiten mischen sich düstere Zwischentöne ein. In d’Almeidas Werk vermischen sich die Bildkraft Prokofjews und Bartoksche Rhythmik mit orientalischen Einflüssen.

Mit einer Komposition Filipe de Sousas rückt das Programm näher an die Tonalität. Das dreisätzige Bläserquintett aus dem Jahre 1957 besticht durch seine repetitiven Strukturen und seine rhythmische Leichtigkeit. Die Quintettsolisten der Deutschen Oper Berlin harmonieren in beiden Besetzungen. Technisch stets perfekt und mit frischen Tempi, musizieren sie diese mitreißenden Stücke. Dabei beweist jeder der beteiligten Musiker seine Qualitäten als Solist in wohldosierter Menge, ohne das Gesamtbild der Werke aus den Augen zu verlieren. 

Fünf kurze Stücke für Klavier hat Jorge Peixinho im Jahre 1959 komponiert. In ihnen ist die Nähe der Komponisten dieser Zeit spürbar und die enge Bekanntschaft mit Luigi Nono, Pierre Boulez und den Darmstädtern um Karlheinz Stockhausen Die atonalen Stücke sind minimalistische Aphorismen, deren Sprachgewalt der Pianist Andreas Göbel mit Verständnis und hoher Präzision dem Klavier zu entlocken versteht.

Einen starken Gegensatz zur Beschwingtheit und Leichtigkeit der kammermusikalischen Werke von d’Almeida und de Sousa bildet das zweite Streichquartett von Joly Braga Santos (1924-1988). Das 1956 komponierte Stück besteht aus drei Sätzen, die jeweils langsam beginnen und in einem zweiten schnelleren Teil enden. Die vorherrschende Stimmung ist eine intime Kontemplation, getragen von langen, ruhigen Melodien. Als letztes Werk findet sich auf der Aufnahme das Streichquartett Nr. 2 in G-Dur von José Vianna de Motta. Im Werk des von Liszt und Wagner beeinflussten Endromantikers zeigt sich eine starke Bindung an traditionelle Musik. Formal klassisch bezieht das Quartett seinen Reiz aus der Verbindung spätromantischer Melodik und traditioneller Tanzrhythmen. Das Eosander-Quartett interpretiert diese Stücke einfühlsam und mit portugiesischer Wärme. Leider verlieren langsame Passagen manchmal einen Teil ihrer potentiellen Spannung. Dafür ist das Ensemble klanglich sehr präsent und homogen, was vor allem in Abschnitten schnell wechselnder Dynamik besticht.

Ein verbindendes Merkmal aller Stücke sind die Bezüge zu traditioneller Musik, die, wenn auch in teilweise stark sublimierter Form, immer wieder erscheinen. Die Auswahl der Werke öffnet einen weiten Blick auf das musikalische Schaffen im Portugal der jüngeren Vergangenheit. Eine echte Entdeckung, die in verständigen Interpretationen Lust macht, sich mit der neueren Musik dieses Landes weiter auseinanderzusetzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Alexander Rapp,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klang der Welt: Portugal

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NCA - New Classical Adventure
1
19.10.2007
Medium:
EAN:

CD
4019272601675


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"Klang der Welt - Portugal präsentiert die gelungensten Konzerte der gleichnamigen Kammermusikreihe aus der Spielzeit 2004/2005. Das Eosander-Quartett und die Quintettsolisten der Deutschen Oper Berlin entführen die Hörer in die spannende, äußerst facettenreiche kammermusikalische Welt Portugals - mit Werken von António Victorio d‘Almeida, Joly Braga Santos, Jorge Peixinho, Filipe de Sousa und José Viana da Mota - Komponisten, die für die zeitgenössische Musik Portugals prägend waren und sind, nie die eigene Herkunft vergessend und dennoch der großen europäischen Komponierkunst verpflichtet. Klang der Welt gibt seit 1998 dem Publikum einen Einblick in die verschiedenen Stilepochen des jeweiligen Landes, vom Barock bis heute."


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NCA - New Classical Adventure

20 Jahre NCA

Als im Jahre 1992 das Klassiklabel NCA ins Leben gerufen wurde, dachte niemand daran, dass man heute das 20-jährige Jubiläum feiern könnte. In zwei Jahrzehnten wurde ein Katalog geschaffen, der mehr als 150 Produktionen umfasst und zum Besten gehört, was die Klassik zu bieten hat.

NCA steht für neue Interpretationen bekannter Werke, steht für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit Musik in den verschiedensten, vielleicht auch ungewohnten Besetzungen, steht für auserlesene, oft zu Unrecht selten oder bisher noch nie eingespielte Werke in allen Stilistiken der klassischen Musik, was insgesamt zum Markenzeichen des Labels wurde und ist damit die ideale Ergänzung für den Plattenschrank eines Klassikliebhabers werden.Dabei ist selbstverständlich Grundvoraussetzung eine hohe künstlerische und technische Qualität der Einspielungen.

Bei NCA findet sich keine Trennung des Repertoires, sondern alle Einspielungen dienen gleichberechtigt dem einen Zweck, das Phänomen ?Musik? im Sinne eines Mosaiks ganzheitlich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) entstehen zu lassen.

Viele Einspielungen aus sämtlichen Genres der klassischen Musik wurden von der Fachpresse hochgelobt und mit diversen Preisen ausgezeichnet. Viele berühmte und weltbekannte Künstler zeugen von der höchsten Qualität der Produktionen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Förderung junger und aufstrebender Künstler, um ihnen ein Sprungbrett in die weite Welt der Klassik zu bieten.

Wenn Sie Lust auf klassische Abenteuer im besten Sinne des Wortes haben, dann sollten Sie sich NCA nicht entgehen lassen!

Klaus Feldmann
A&R Managing Director


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