> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Apollo et Hyacinthus KV 38
Donnerstag, 9. Juli 2020

Mozart, Wolfgang Amadeus - Apollo et Hyacinthus KV 38

Früh übt sich...


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die European Chamber Soloists und das sechsköpfige Sängerensemble bieten eine präzise und zeitgemäße Interpretation des ersten Bühnenwerks Mozarts und entlocken ihm seine ganze ?Mozartlichkeit?.

Das Intermezzo Apollo et Hyacinthus ist Mozarts erstes vollständiges Bühnenwerk. Es entstand im selben Jahr wie das Oratorium ‘Die Schuldigkeit des ersten Gebots’. Mozart war zu dieser Zeit gerade 11 Jahre alt und bekam den Auftrag zu dieser Arbeit von der Universität Salzburg. Es wurde als Intermezzo zu einem Drama des dortigen Professors Rufinus Widl aufgeführt, der auch das lateinische Libretto aus der Vorlage von Ovid destillierte. Das Werk beginnt mit einer Ouvertüre und besteht aus neun Nummern mit den dazwischen liegenden Rezitativen. Unter jenen finden sich schon einige sehr schmucke Stücke wie die Arie ‘Saepe terrent Numina’ des Hyacinthus oder das Duett zwischen Apollo und Melia, in dem diese sich von dem ihr anverlobten Gott trennt, da sie ihn für verantwortlich am Tod ihres Bruders Hyacinthus hält. Schon in diesem frühen Werk gelingt dem jungen Komponisten eine musikalische Charakterisierung seines Personals, wenn auch noch etwas grob und überzeichnet. Kennt man sein späteres Werk klingt manches vertraut und man erahnt die Wirkung, die das Talent des ‘Wunderkinds’ auf die Zeitgenossen gehabt haben muss und das sich später zu der bekannten Vollkommenheit entwickeln sollte.

Das Intermezzo ist für kleine Orchesterbesetzung geschrieben und auch das Sängerensemble ist mit sechs Personen überschaubar. Schon der Name des auf dieser CD musizierenden Ensembles verspricht diesen Vorgaben zu genügen. Die European Chamber Soloists unter der Leitung von Nicol Matt nehmen die Ouvertüre frisch und galant. Dynamisch fein differenziert beweisen die Musiker ein Gespür für die schon oder vor allem in dieser frühen Musik ausgeprägte ‚Mozartlichkeit’. Sie spielen süß ohne zu kleben und ehrlich ohne Karikatur. Stilistisch finden Sänger und Orchester sehr gut zusammen. Mit wenigen Ausnahmen in den Nummern von Antonia Bouervé deren Sopran im Vergleich zur feingezeichneten Begleitung der Chamber Soloists etwas dick ausfällt, was auch zu ihrer Rolle der Melia, der Tochter des Königs Oebalus und Schwester Hyacinthus’ nicht recht passen will. Anna Haase überzeugt in der Rolle des Hyacinthus mit ihrem schlanken Timbre und der charaktertiefen Interpretation.

Robert Morvai gibt einen durchschnittlichen aber nicht unangenehmen König Oebalus. Von den beiden Countertenören kann der junge Alon Harari mit einer wunderbar expressiven Deutung überzeugen, bleibt aber etwas kraftlos. Sein Stimmfachkollege Daniel Lager alias Apollo ist zwar präsenter, dies geht aber leider auf Kosten eines natürlichen Timbre.

In den Ensemble- und Chornummern mischen sich die Stimmen dank der ausgewogenen barocken Klanggebung sehr gut. Leider verlieren die Solonummer und vor allem die Rezitative klanglich etwas an Schärfe durch einen für eine Studioaufnahme zu freigiebig eingesetzten Hall. Die außerhalb der Mozartedition erschienene Aufnahme ist die zweite Einspielung dieses Werkes bei Brilliant Classics. Es handelt sich um eine Studioaufnahme aus dem Jahr 2006, die in ihrer Transparenz und psychologischen Tiefe eine zeitgemäße Interpretation dieses Mozartschen Jugendwerkes bietet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Alexander Rapp,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Apollo et Hyacinthus KV 38

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
22.09.2006
Medium:
EAN:

CD
5028421931272


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Mozarts Vorbilder und Zeitgenossen : Mozarts Klavierkonzerte dominieren unsere Sicht auf diese Gattung zwischen 1770 und 1790. Diese drei CDs mit Concerti seiner hier überwiegend italienischen Zeitgenossen bieten kompakt eine breitere Perspektive in solider interpretatorischer Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Resoluter Impressionismus: Auf ihrer neuen CD mit Violinsonaten französischer Komponisten präsentieren Klára Würtz und Kristóf Baráti drei wenig ausschweifende, aber doch unverwechselbare Interpretationen. Weiter...
    (Susanna Morper, )
  • Zur Kritik... Leicht verdaulich: Der Opernkomponist Francesco Cilea zeigt sich auf dieser Einspielung als Meister nicht allzu anspruchsvoller Klaviermusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Alexander Rapp:

  • Zur Kritik... Der moderne Klang Portugals: Die Produktion ?Klang der Welt - Portugal? eröffnet einen weiten Blick auf die aktuelle Musik dieses Landes und macht Lust auf mehr. Weiter...
    (Alexander Rapp, )
  • Zur Kritik... Geschichten eines Volkes: Kodalys Chorwerke erzählen ein breites Spektrum ungarischer Geschichten. Miklós Szabó und sein Chor vermitteln diese eindringlich und in technischer Perfektion. Weiter...
    (Alexander Rapp, )
  • Zur Kritik... Regers frühe Orgelphantasien: Wolfgang Baumgratz legt eine Referenzaufnahme der frühen Orgelphantasien Max Regers vor. Mit seltener Deutlichkeit führt er die Vielfalt dieser komplexen Stücke vor Ohren. Weiter...
    (Alexander Rapp, )
blättern

Alle Kritiken von Alexander Rapp...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Qualität von der Seite: Das rund und komplett klingende Ensemble De Profundis singt hochattraktive Musik von Juan Esquivel, die zu hören ein Genuss ist und die zu kennen sich unbedingt lohnt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... 'Regietheater' vom Allerfeinsten: Eine rundum vorbildliche, differenzierte Inszenierung von Mozarts exotischem Singspiel 'Die Entführung aus dem Serail' in Glyndebourne. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Poesie und Spaß im Kleinen: Wirklich unbekannt sind diese Stücke natürlich nicht, auch wenn 'Für Elise' hier durch 'Für Sarah Payne' oder 'Für Piringer' ersetzt wird. Matthias Kirschnereit folgt mit Auswahl und intelligenter Interpretation Vorbildern wie Brendel oder Buchbinder. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Cloclo - Tango und Melodram

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich