> > > Beethoven, Ludwig van: Sonaten op. 2 & 106
Dienstag, 21. November 2017

Beethoven, Ludwig van - Sonaten op. 2 & 106

Grosse Interpretation von Beethovens ?Grosser Sonate?


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine höchst erfreuliche, absolut überzeugende Einspielung, die Markus Becker als versierten, technisch vollkommenen und interpretatorisch reifen Pianisten zeigt.

Wer sich an Beethovens op. 106, die so genannte ‘Hammerklaviersonate’, herantraut, muss mindestens drei Fähigkeiten mitbringen: eine virtuose Beherrschung des Klaviers, einen interpretatorischen Weit- und Durchblick (in die Tiefen des riesenhaften Werks) und vor allem eine interpretatorische Kraft, um dies alles zusammen zu bringen und mit hoher Konzentration in Klang zu verwandeln. Und – um es gleich am Anfang zu verraten – Markus Becker schafft diesen Gewaltakt mit technischer Versiertheit und bezwingender interpretatorischer Wucht.

Nun ist Markus Becker, einer der profiliertesten deutschen Pianisten unserer Zeit, mit der Gesamteinspielung des Klavierwerks Max Regers Schwergewichtiges gewohnt und er weiß durchaus wie hohe technische Anforderungen in den Dienst einer geschlossenen, gerundeten Deutung zu stellen sind. Doch Beethovens ‘Hammerklaviersonate’ stellt für jeden eine enorme Anforderung, in physischer Hinsicht und in Bezug auf eine spannende Gestaltung des Werks.

Redender Gestus und absolute Musik in Reinform

 

Mit auftrumpfender Geste und großem Klang steigt Becker in die B-Dur-Sonate ein. Sofort fällt die genau austarierte Balance zwischen rechter und linker Hand auf, ein Grundzug seiner Interpretation, der etwa auch in der Coda zum Tragen kommt, wenn das Bassregister konturenlos grummelnd erscheint und sich in der rechten Hand fest gefügte Gesten zu bilden vermögen. Auch am Beginn der Exposition ist dies schon deutlich zu erkennen: Nach der ersten Fermate, wenn die Bewegung so eigenartig stockt und über Stock und Stein sich mehr stolpernd als fließend zu bewegen scheint, fängt Markus Becker die fallende Bewegung mit deutlichen Markierungen auf und schließt somit die Phrase mit behutsam gesetzten Akzenten. Damit lässt er ein fast rhetorisches Moment in diesen zwischen höchst kunstvollem kompositorischem Gefüge und schier haltlosem Fortbewegen changierenden Satz eintreten, eine sehr durchdachte wie emotional zwingende interpretatorische Lösung. Das zweite Thema lässt Becker schwerelos perlen, ehe auch hier Stockungen, Neuansätze und die Spreizung des Satzes in die extremen Lagen des Klaviers die Hörerwartungen in lustvoller Weise enttäuschen. Sehr singend und mit höchster Delikatesse im Anschlag (Unterschied linke und rechte Hand!) wird das Seitenthema zu dem ersten einigermaßen gleichmäßig fortschreitenden Teil des Eingangssatzes, ehe in der Durchführung rhythmische Prägungen mal sanft mal mit scharfem Meisel präpariert werden. Becker gelingt es sehr überzeugend, sowohl die schiere Energie dieses Satzes vorzuführen sowie einen weit reichenden Spannungsbogen zu entfalten, der seinen interpretatorischen Weitblick ebenso verrät wie die individuelle Ausgestaltung der Details.

Den grotesken, bizarren Zug des Scherzos stellt Markus Becker – sehr kunstvoll und mit subtiler Gestaltung – primär über die Phrasierung her, nicht allein über das Tempo. Wie auch schon im ersten Satz wirkt sein Spiel mit feinen dynamischen Abstufungen mit der Phrasierung homogen zusammen, eine wirkliche pianistische Meisterleistung.

Was den riesenhaften langsamen Satz betrifft, so schafft Markus Becker hier den Höhepunkt seiner ‘Hammerklaviersonaten’-Lesart. Wenn es den Terminus ‘absolute Musik’ nicht schon gäbe, man würde ihn für Beckers Darstellung des ‘Adagio sostenuto’ erfinden. Losgelöst von allem spezifischen Ausdruck fließt die Musik traumwandelnd vor sich hier; man hat den Eindruck, als ob diese Musik nichts anderes sein möchte als: Musik in ihrer reinsten Form. Gegen Ende hätte Becker vielleicht agogisch nicht ganz so expressiv verfahren sollen, aber dennoch ist ihm hier eine Deutung geglückt, in der zugleich alles und nichts ausgedrückt scheint, eine zeitlose Interpretation, die sich durchaus mit denen der Größten messen lassen kann. Auch er letzte Satz besitzt in Beckers Deutung eine Dichte, die sich nicht nur über die kompositorische Komplexität zeigt, sondern auch in einer äußerst homogenen, kunstvollen Darstellung, in der (klangliche und atmosphärische) Dichte vor allem über Spannung und die exakte und liebevolle Gestaltung der Details erreicht wird. Der weiche, dynamisch fein schattierte Klang wird in der ‘Hammerklaviersonate’ ebenso direkt und lebendig transportiert wie in der C-Dur-Sonate op.2/3, die von Markus Becker ebenfalls sehr feinfühlig gedeutet wird, allerdings neben dem B-Dur-Koloss untergeht.

Eine höchst erfreuliche, absolut überzeugende Einspielung, die Markus Becker als versierten, technisch vollkommenen und interpretatorisch reifen Pianisten zeigt, der die Kraft und die Individualität besitzt, einen Riesenbrocken wie die ‘Hammerklaviersonate’ sorgfältig und höchst spannungsreich zu deuten. Mehr davon!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sonaten op. 2 & 106

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.10.2006
01:11:30
2004
EAN:
BestellNr.:

761203723928
7772392


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Beethoven, Ludwig van
 - Klaviersonate Op.106 B-Dur "Hammerklavier" - Allegro
 - Klaviersonate Op.106 B-Dur "Hammerklavier" - Scherzo. Assai vivace
 - Klaviersonate Op.106 B-Dur "Hammerklavier" - Adagio sostenuto
 - Klaviersonate Op.106 B-Dur "Hammerklavier" - Largo - Allegro risoluto
 - Klaviersonate Op.2 Nr.3 C-moll - Allegro con brio
 - Klaviersonate Op.2 Nr.3 C-moll - Adagio
 - Klaviersonate Op.2 Nr.3 C-moll - Scherzo. Allegro - Trio
 - Klaviersonate Op.2 Nr.3 C-moll - Allegro assai


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Interpret(en):Becker, Markus


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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