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Samstag, 10. April 2021

Schütz, Heinrich - Sämtliche Werke Vol. 3

Vieles in einer Box


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt ist den Musikern jedoch eine grundsätzlich überzeugende Aufnahme gelungen, die auf engstem Raum wichtige Werke vereinigt, die bis heute zum Grundbestand protestantischer Kirchenmusik gehören

Heinrich Schütz’ umfängliches Schaffen bietet immer wieder Möglichkeiten für neue Deutungen, neue Aspekte in der Herangehensweise und somit sind auch größer angelegte Projekte stets verdienstvoll. Das Label ‚Brilliant Classics’ legt derzeit eine umfassende Aufnahme Schützscher Werke vor, deren dritter Teil in einem Set mit vier CDs erschienen ist und die Passionsmusiken des großen deutschen Barockmeisters umfasst. Neben den drei großen Passionsvertonungen nach Matthäus, Lukas und Johannes (SWV 479-481) stehen die ‚Historia der Auferstehung Christi’ (SWV 50) und ‚Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz’ (SWV 478). Sinnvoll ergänzt wird diese Sammlung durch zwei der kürzeren Dialogkompositionen aus Schütz’ Feder (SWV 443 und 444).

Den Schwerpunkt bilden dabei eindeutig die Passionen, die Schütz schon beinahe am Ende seines Komponistenlebens innerhalb kurzer Zeit am Beginn der 1660er Jahre komponierte. Mit diesen durchsichtigen, in bloß vokaler Ausformung angelegten Werken schloss Schütz einerseits an ältere Vorbilder an, die am Dresdner Hof zuvor musiziert worden waren. Andererseits vollendete Schütz mit diesen Kompositionen den Typus der responsorialen Passion beinahe mustergültig, bevor in späteren Zeiten die Form der oratorischen Passion mit den zusätzlichen Elementen der arios betrachtenden Seele und der choraliter reflektierenden Gemeinde dominieren sollte.

Schütz stand mit den Passionen stark in der mitteldeutschen protestantischen Musiküberlieferung, brachte jedoch trotz der formalen Schlichtheit die ihm zur Verfügung stehenden kompositorischen Möglichkeiten auch in die scheinbar harmlose Einstimmigkeit ein: Erweiterte musikalische Funktionalität und (latente) Mehrstimmigkeit sind in Gedanken stets dabei.

Etwas größer angelegt zeigt sich die bereits am Beginn der Karriere Schütz’ vor 1623 entstandene Auferstehungshistorie: In dichtem Satz entsteht auch durch die beigefügte instrumentale Ebene eine ausdrucksstarke, gleichwohl zurückgenommene Komposition, die in manchem bereits auf die ‚Historien’ der späten Jahre verweist, zu denen auch die ‚Sieben Worte’ gehören, die in zeitlicher und kompositorischer Nachbarschaft zur Weihnachtshistorie entstanden sind und in einem stark verdichteten Satz zu einer geradlinigen Ausdruckshaltung finden. Durch den souveränen Gebrauch der dramatischen Möglichkeiten einer relativ überschaubaren Mehrstimmigkeit gelingt es Schütz, zu einer avancierten und doch äußerst zugänglichen Expressivität zu gelangen.

Sehr solide Aufnahme

 

Unter der Leitung von Matteo Messori haben sich die Vokalisten der ‚Cappella Augustana’ und – in einigen der Werke – die vier Mitglieder von ‚Il Sonar Parlante’ zu einer leistungsfähigen Ensemble versammelt. Gesangsästhetisch dominierend ist jedoch Gerd Türk, der alle Evangelistenpartien singt und damit das Feld absteckt. Das bekommt der Platte sehr gut, hat sich Türk doch in vielen Aufnahmen solistisch und in namhaften Ensembles als überaus kundiger Sänger profiliert. Auch hier musiziert er souverän, phrasiert überlegt und geschmackvoll und bringt mit seiner blendenden Aussprache die für Schütz so notwendige Verbindung von Sprache und Musik nachdrücklich ein. Der in den Jesus-Partien sehr überzeugende Bassist Bas Ramselaar verfügt über eine noble, klangschöne Stimme, die vor allem durch eine schön ausgeprägte Ausgeglichenheit zwischen den Registern überzeugen kann. Mit den – dramaturgisch bedingten – gestalterisch begrenzten Möglichkeiten des Jesus’ gelingt es ihm dennoch, den Passionen Wärme zu geben und im gelungenen Zusammenwirken mit Gerd Türk zu einem ruhevollen Sammlungspunkt der Passionen zu werden. Dazu agiert die schmal besetzte ‚Cappella Augustana’ homogen und entfaltet in den größer angelegten Rahmenchören der Passionen kompakte Klanglichkeit, entwickelt die punktgenau gesetzten Turba-Chöre zu kraftvollen Miniaturen.

Anzumerken ist – wie nicht selten bei Schütz-Aufnahmen – die sehr unterschiedliche Qualität der Aussprache des Deutschen. Während einige der vielfach solistisch geforderten Mitglieder des Ensembles sich bravourös behaupten, haben andere doch deutliche Mühe mit den verflixten deutschen Konsonanten – damit vielleicht mehr als im Falle anderer Komponisten auf die heikle und grundlegend wichtige Verbindung von Wort und Musik bei Schütz einwirkend.

Insgesamt ist den Musikern jedoch eine grundsätzlich überzeugende Aufnahme gelungen, die auf engstem Raum wichtige Werke vereinigt, die bis heute zum Grundbestand protestantischer Kirchenmusik gehören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Sämtliche Werke Vol. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
5
31.03.2006
Medium:
EAN:

CD
5028421927954


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