> > > Cimarosa, Domenico: Gli Orazi e i Curiazi
Samstag, 4. Dezember 2021

Cimarosa, Domenico - Gli Orazi e i Curiazi

Römische Familienfehde


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Aufnahme bietet ein schönes Festspieldokument und eine erfrischende Interpretation dieser Oper, die durchaus ihre musikalischen Reize besitzt.

Als einer der großen Komponisten der Glanzzeit der Opera seria verfasste Domenico Cimarosa in den 52 Jahren, die sein Leben währte, 99 Opern. Auf der Fassade der Pariser Oper ist er auf einer Ebene mit Bach, Pergolesi und Haydn verewigt. Als Nachfolger Salieris war er als Hofkomponist Leopolds II. in Wien beschäftigt. Trotzdem werden aus seinem Werk heute nur noch wenige Opern gespielt. Eine der bekanntesten und wichtigsten ist die Opera seria ‚Gli Orazi e i Curiazi’. Sie stammt aus seinem letzten Lebensabschnitt, den er, wie auch seine Jugend, in Neapel verbrachte. In diesem Werk gipfelt die persönliche kompositorische Entwicklung Cimarosas: er löst die strenge Ordnung von Arien und Rezitativen auf in fließend verbundene Solo-, Ensemble und Chorpartien. Diese Entwicklung gehört neben der Gattungskonvergenz von opera seria und opera buffa zu den wichtigsten Tendenzen weg von der strengen Form hin zur Oper des 19. Jahrhunderts.

Der Stoff der Oper ist der Konvention entsprechend historisch. Erzählt wird die römische Legende des Krieges zwischen Rom und Albalonga. Die Herrscher der beiden verfehdeten Städte entscheiden, dass der Ausgang der Streitigkeiten nicht im Heereskrieg sondern in einem Kampf von jeweils drei ausgewählten Männern entschieden werden solle. Diese entstammen der Familie der Orazi auf römischer Seite und der Curiazi aus Alba. Zwischen den beiden Familien bestehen allerdings Liebesbande durch das Ehepaar Sabina aus Alba und Marco Orazio und deren miteinander verlobte Geschwister Curiazio und Orazia. Der Kampf auf dem Marsfeld endet mit dem Sieg der Orazi für Rom. Ihren hochdrramatischen Abschluss erfährt die Oper in der Tötung Orazias durch ihren eigenen Bruder, den sie im Schmerz um ihren Verlobten des Mordes beschuldigt.

Die entscheidende Szene für Cimarosas Komposition wie auch für das Drama spielt in der Höhle des Orakels, das die Forderung des Kampfes bestätigt. Die Szene enthüllt auch am deutlichsten Stärken und Schwächen des Ensembles. Im Wechsel zwischen Soli und Ensemble fällt auf, dass sich die Solisten im Ensemble nur schwer mischen. Die virtuose Curiazioarie dieser Szene bringt die ansonsten recht neutrale Anna Bonitatibus an die Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten, entlockt ihr dafür aber eine sehr mitreißende Charakterdarstellung. Florian Mock verleiht mit seiner schlanken und einfühlsamen Interpretation dem Familienoberhaupt Publio Orazio den angemessenen Adel. Sein Sohn Marco Orazio alias Andreas Karasiak leidet dagegen an der alten Tenorkrankheit, zu aufdringlich und schneidend zu sein. Das dritte Mitglied der Familie hat das Glück von der leuchtenden und präzisen Kirsten Blaise gesungen zu werden. Michael Hofstetter am Pult des Orchesters der Ludwigsburger Schlossfestspiele schlägt frische Tempi an, nimmt sich dafür aber häufig zu wenig Zeit zu artikulieren, wodurch manches etwas hölzern gerät.

Leider wird der insgesamt angenehme Eindruck von der nicht ganz makellosen Qualität der Aufnahme getrübt. Trittgeräusche sind sehr deutlich zu vernehmen und die Mischung der verschiedenen Klangkörper wird vor allem unter Beteiligung des Chors unausgewogen. Die Aufnahme, die bei Oehms Classics erschienen ist, bietet ein schönes Festspieldokument und eine erfrischende Interpretation dieser Oper, die durchaus ihre musikalischen Reize besitzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Alexander Rapp,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cimarosa, Domenico: Gli Orazi e i Curiazi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
OehmsClassics
2
20.10.2006
148:14
2005
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4260034869103
OC 910


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Cimarosa, Domenico
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Overture
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 1, Arie 'L'alto genio di Roma nascente'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 2, Arie 'Serbate, eterni Dei'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 3
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 4, Arie 'Quelle pupille tenere'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 5, Arie mit Chor 'Se alla patria ognor donai'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 6
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 7, Duett 'Ti giura il labbro e il core'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 1, Szene 8, Terzett - Finale I
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 1, Duett 'Se torni vincitur'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 2
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 3, Arie 'Se pietà nel cor serbate'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 4, Arie mit Chor 'A versar l'amato sangue'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 5
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 6, Duett 'Svenami ormai, crudele'
 - Gli Orazi e i Curazi - Akt 2, Szene 7, Finale II, 'Numi, se giusti siete'


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Dirigent(en):Hofstetter, Michael
Orchester/Ensemble:Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele
Interpret(en):Sütö, Daniel
Blaise, Kirsten
Schabel, Tobias
Larsson, Anna
Bonitatibus, Anna
Karasiak, Andreas
Mock, Florian


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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