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Dienstag, 17. September 2019

José Carreras - La Grande Notte a Verona

Glamouröse Geburtstagsfeier


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine zumeist nette Erinnerung an zahlreiche, heute nicht mehr aktive Sangesinterpreten!

Das 75jährige Jubiläum der 1913 von dem italienischen Tenor Renato Zenatello ins Leben gerufenen Festspiele in der Arena von Verona stand im August 1988 ganz im Zeichen eines guten Zwecks: Jose Carreras, erst kurz zuvor von seiner Krebserkrankung genesen, lud zu einem Benefizkonzert für seine Leukämie-Stiftung, und so konnte man an diesem Abend zahlreiche der wichtigsten Sänger und Sängerinnen der 1970er und 80er Jahre erleben.

Den Anfang macht Leo Nucci, der bei der Auftrittsarie des Figaro aus Rossinis ‘Barbiere’ ein regelrechtes Feuerwerk an Komik und effektvollen Spitzentönen abbrennt. Ferruccio Furlanetto lässt sich bei der Verleumdungsarie aus derselben Oper keine Möglichkeit zur Präsentation seines wuchtigen Basses entgehen. Als sensiblerer Gestalter erweist sich Samuel Ramey als Attila: Bei ihm kommt man von der ersten bis zur letzten Phrase in den Genuss einer (damals noch) ebenmäßig strömenden Stimme, die auch zu elektrisierenden Acuti fähig ist. Ruggero Raimondi - selbst ein namhafter Attila-Interpe t- sang an diesem Abend die Arie des König Philipp aus ‘Don Carlos’ und macht mit der unergiebig wirkenden Tiefe deutlich, dass er schon damals zu den Bassbaritonen und nicht zu den bassi profondi zu zählen war.

Von Carreras Tenorkollegen hört man den in der Höhe gefährdeten Giacomo Aragall mit Maurizios ‘L’anima ho stanca’ aus Cileas Adriana. Peter Dvorsky singt mit schon etwas schwerfällig gewordenem Tenor und der ihm eigenen Leidenschaftlichkeit DesGrieux’s ‘Donna non vidi mai…’. Opernfans werden sich noch an den Tenor Luca Canonici erinnern: Er ersetzte Carreras bei den Filmaufnahmen zu ‘La Bohème’ und begann Ende der 80er Jahre eine durchaus viel versprechende Laufbahn, die allerdings schon damals durch das fragile Stimmmaterial gefährdet schien. Mittlerweile ist der Künstler schon seit etwa einem Jahrzehnt weitgehend von den Besetzungslisten verschwunden; bedauerlich, wie das einfühlsam gestaltete Lamento aus Cileas ‘L’Arlesiana’ beweist. Auch Vincenzo La Scolas Karriere ist nicht so verlaufen, wie der Künstler vor 20 Jahren gehofft hat. Die mit spröder und schmelzloser Stimme gesungene ‘Una furtiva lagrima’ unterstreicht wieder einmal den Eindruck, dass der heute international nur mehr sporadisch anzutreffende Künstler damals deutlich überschätzt wurde. Für die Arena eher unüblich war an diesem Abend auch Richard Wagner vertreten. Rene Kollo gelang eine eindrucksvoll phrasierte Gralserzählung, bei der die flackernde Stimmführung leider den Gesamteindruck etwas beeinträchtigt.

Bei den Diven ist zum Teil erhebliche Nachsicht angebracht: Montserrat Caballe (‘Pleurez mes yeux’ aus Massenets ‘Le Cid’) und Elena Obraztsova (‘Voi lo sapete’ aus ‘Cavalleria rusticana’) hätten 15 oder 20 Jahre früher die Arien sicherlich hervorragend interpretiert. Mara Zampieri singt Normas ‘Casta diva’ mit ‘gerader’ Stimme und durchdringender Höhe, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Der Wirkung ihres Gesangs kann man sich jedenfalls schwer entziehen. Aprile Millo wirft sich in Pose als müsse sie eine Primadonna karikieren und singt eine vollkommen uninteressante ‘Pace’-Arie aus Verdis ‘Forza del destino’. Eva Marton glaubt offenbar, als Manon Lescaut beweisen zu müssen, dass sie auch uneingeschränkt über die Kraft und Dramatik für die Titelpartie in ‘Turandot’ und ‘Elektra’ verfügt. Sona Ghazarian, im Lauf ihrer Karriere immer wieder als Musetta zu hören, versuchte sich hier erfolgreich an Mimis erster Arie, obwohl ihrem Sopran - streng genommen - dafür die geschmeidige Basis fehlt. Überaus berührend gestaltet Ileana Cotrubas die Arie der Lia aus Debussys ‘L’Enfant Prodigue’. Als krönenden Abschluss sang Carreras Augustin Laras ‘Granada’, mit dem er das Publikum in regelrechte Euphorie versetzte. Timbre und Ausdruck weisen ihn auch hier als Ausnahmekünstler aus, die (auch schon vor seiner Erkrankung evidente!) Angestrengtheit lassen allerdings die in den folgenden Jahren fortschreitenden Stimmeprobleme vorhersagen. Begleitet wurde die Gala vom Orquesta Sinfonica de Madrid, die Leitung teilten sich Carlo Franci und Jose Collado. Beide erweisen sich als fähige Begleiter, soweit sich das bei dem stimmpräsenten Klangbild sagen lässt. Mehr ist in der Arena mit ihrer für Orchester problematische Akustik nicht zu erwarten.

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    José Carreras: La Grande Notte a Verona

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
16.08.2006
120:00
1988
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
807280140392
101 403


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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