> > > 1870-1930 Piano Music from Zurich: Klaviermusik von Walter Schulthess, Emil Frey und Robert Freund
Donnerstag, 28. Oktober 2021

1870-1930 Piano Music from Zurich - Klaviermusik von Walter Schulthess, Emil Frey und Robert Freund

Unbekanntes aus Zürich


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klaviermusik aus Zürich - insgesamt eher mäßige, wenn auch sehr gut gespielte Kompositionen von den unbekannten Züricher Komponisten Frey, Schulthess und Freund.

Die Namen der drei hier vorgestellten Züricher Komponisten nicht zu kennen, dürfte wohl kein Verbrechen sein. Walter Schulthess (1894-1971), Emil Frey (1889-1946) und Robert Freund (1852-1936) lebten und wirkten alle zeitgleich in Zürich, und so scheint es eine interessante Idee zu sein, eine Aufnahme von Kompositionen der drei unter dem einenden Band ihrer Heimatstadt zu veröffentlichen – etwa als ‚Klaviermusik aus Zürich’. Der Pianist Andrew Zolinsky hat insgesamt vier Stücke eingespielt; erschienen ist die Zusammenstellung unter dem genannten Titel mit der zeitlichen Eingrenzung ‚1870-1930’ im Rahmen der Reihe ‚Music from the Zentralbibliothek Zürich’ beim Schweizer Label Guild.

Nicht alles gleichermaßen entdeckenswert

Robert Freund ist nicht nur der älteste der drei Komponisten, er gilt auch als der bedeutendste. Das scheint die Aufnahme zu bestätigen, obgleich von Freund nur das etwa siebenminütige ‚Notturno’ op. 2 zu finden ist, ein Stück aber, das sich trotz der geringen Opuszahl bereits formvollendet und klangschön präsentiert. Das lässt sich von den kantigen ‚Variationen über ein eigenes Thema’ op. 1 von Walter Schulthess nicht unbedingt behaupten; hier wirkt es doch recht unbeholfen, wenn unvermittelt gegenüber stehende, blockartige Gruppen von Variationen gebildet werden. Dazu bieten die Variationen nicht gerade viel, das knapp eine Viertelstunde währende Werk ist doch etwas langatmig. Emil Frey nimmt mit seiner ‚Zweiten Sonata’ op. 36 und der ‚Vierten Suite’ op. 58 mit fast 50 Minuten Spieldauer schließlich den mit Abstand größten Raum auf der CD ein. Beide Werke scheinen Einflüsse von Skrjabin zu verarbeiten; es sind durchaus interessante Kompositionen, wenn auch sicher nicht die Werke, auf die man jetzt gerade gewartet hat.

Funkelnder Sternenhimmel

Andrew Zolinsky beherrscht sein Instrument in höchstem Maße; sein Klavierspiel ist ebenmäßig und kultiviert im Anschlag, das Spektrum reicht von größter Zartheit bis hin zu wuchtig-explosiven Ausbrüchen. Das Notturno gestaltet Zolinsky sehr einfühlsam und filigran, den steten Fluss der Musik wahrend; fast kann man den funkelnden Sternenhimmel hören. In Schulthess’ Variationsfolge hat Zolinsky den Mut, die brüchige Gestaltung ungeschminkt an den Hörer weiter zu geben; hier wird nichts vermittelt oder geglättet, die Blöcke stoßen so aufeinander, wie sie komponiert sind. Auch der facettenreiche Stil in Freys Stücken, der von kargen Klanglandschaften bis zu expressiv aufgeladener Emotionalität reicht, wird stets sehr überzeugend und treffend in Klang gesetzt. Das Klangbild der Aufnahme ist ausgewogen und natürlich, Störgeräusche sind nicht vorhanden. Das zweisprachige Booklet führt recht prägnant in die Werke und ihre Schöpfer ein; einige Fotos von Züricher Baudenkmälern bekräftigen den Titel der CD, ohne natürlich Substanzielles beizutragen. Auf Grund der nicht überwältigenden Qualität der Kompositionen ist die Produktion in erster Linie sinnvoll, wenn der Züricher Aspekt ausgenutzt wird – etwa als Geschenk von oder für Züricher oder als ‘klingende Ansichtskarte’.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    1870-1930 Piano Music from Zurich: Klaviermusik von Walter Schulthess, Emil Frey und Robert Freund

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Guild
1
16.10.2006
69:15
2005
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD DVD
795754729221
GMCD 7292


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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