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Donnerstag, 11. August 2022

Vivier, Claude - Siddhartha für Orchester in 8 Gruppen

Lebenslieder


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Produktion ist weite Verbreitung zu wünschen, damit das Erbe dieses großen Komponisten die Anerkennung findet, die ihm gebührt!

Über zwanzig Jahre ist es her, dass der kanadische Komponist Claude Vivier in Paris eines gewaltsamen Todes starb. Erst langsam wird die Größe seines Werkes entdeckt, wiederentdeckt, und so ist es umso dankenswerter, dass gleich zwei Publikationen von höchstem Niveau in diesem Jahr das Augenmerk auf das Schaffen Viviers richten und somit gegen sein Vergessen ankämpfen. Nach der bemerkenswerten DVD des Opernprojektes ‘Rêves d’un Marco Polo’ erscheinen nun bei Kairos die beiden Orchesterwerke ergänzt um den Schlagzeugzyklus der ‘Cinq chansons’. Die Interpreten sind das Sinfonieorchester des WDR unter Christian Rundel und der Schlagzeuger Christian Dierstein.

Die Musik Claude Viviers ist eine ständige Reflexion seines eigenen Lebens in aller drastischen Ehrlichkeit ohne jedes Verstellen. Die Themen seiner Kompositionen waren direkt oder indirekt inspiriert von seiner unbekannten Herkunft, der Suche nach seiner Mutter, seiner religiösen Berufung, kurz: seiner Identität. In Montréal als Sohn unbekannter Eltern geboren, wuchs er zunächst in einem katholischen Waisenhaus auf, bevor er von einer Familie adoptiert wurde. Mit sechzehn Jahren trat er in ein Priesterseminar ein, aus dem er aber bald wegen unreifen Betragens entlassen wurde. In den Folgejahren studierte er Komposition bei Gilles Tremblay und später bei Karlheinz Stockhausen in Köln. Zentrales Erlebnis wurde eine Asienreise im Jahre 1976, eine ‘Reise der Selbstentdeckung’ für Vivier. In dieser Zeit kristallisierte sich wesentlich sein unverwechselbarer Stil heraus, bestimmt von einem festen Primat der Melodie, von höchst suggestivem Gebrauch der Stimme, harmonisiert von komplexen Obertonfolgen.

Viviers erstes reines Orchesterwerk Siddharta entstand 1976, konnte aber erst drei Jahre nach seinem Tod uraufgeführt werden. Hochgradig komplex, in acht Orchestergruppen aufgeteilt, ist es dennoch kein formalistisches Rechenspiel, sondern sensibel ausgehörte, intuitive und kreative Musik, die sich zu einer ‘fantastischen Galaxie von Ideen und Emotionen erweitert’ (so der Dirigent der Uraufführung, Walter Boudreau). Wie so häufig bei Vivier konzentriert sich der epische Gehalt des Werkes auf die Idee von Tod und Unendlichkeit.

Orion, die zweite und letzte Komposition für großes Orchester, ist die Geschichte einer Melodie. Sie durchläuft das Orchester wie auf einer Reise durch die Geographie der Erde und des Universums, wobei für Vivier diese Räume des Alls gleichsam in den ‘inneren Räumen’ des Menschen gespiegelt werden. So entsteht eine Verbindung zwischen Mensch und Kosmos: auf der einen Seite intime Gesten wie die dauernd erklingenden Rufe ‘he-o’ aus dem Orchester oder beinah asiatisch anmutenden Perkussionsinterludien, auf der anderen ein entfesseltes Orchester, das eine dramatische Klangskala darstellt.

Claude Viviers Kompositionen besitzen einen tiefen mystisch-musikalischen Gehalt, der einen Sog erzeugt, dem man sich kaum entziehen kann. Selten findet sich in der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts ein so starker Wille zum musikalischen Canto, zur unendlichen Melodie, selten hat ein Komponist den Mut zu solch ‘großen’ Klängen, wie sie in Viviers Werken ganz für sich allein stehen. Musik ist hier ganz Sprache, bis zur letzten Konsequenz, Kommunikation des totalen Seins des Komponisten mit einer entwaffnenden Einfachheit. Die enge Verknüpfung von Leben und Werk Claude Viviers führt dazu, dass jede Note durch ein biographisches Ereignis ihre Rechtfertigung erfährt. Vielleicht ist es diese Ehrlichkeit, die den Hörer dieser Musik so in den Bann zieht.

Die Cinq chansons pour percussion sind ‘Lieder’ im asiatischen Verständnis, musikalische Standpunkte, die relativ frei um einige wenige Noten komponiert sind. Musikalische Einfachheit steht in krassem Gegensatz zu dem hohen technischen Anspruch, das das Werk an den Schlagzeuger stellt. Christian Dierstein liefert eine intensive, dynamisch und rhythmisch lebendige Version, die immer bei sich bleibt und eine tiefe persönliche Atmosphäre generiert. Die Musiker des WDR Sinfonieorchester unter Christian Rundel sind die besten Anwälte für Claude Viviers Musik. Mit höchster musikalischer Präzision und menschlicher Hingabe entstehen fesselnde Versionen der beiden Orchesterwerke, die Viviers Intentionen lebendig werden lassen.

Der Produktion ist weite Verbreitung zu wünschen, damit das Erbe dieses großen Komponisten die Anerkennung findet, die ihm gebührt!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Paul Hübner Kritik von Paul Hübner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vivier, Claude: Siddhartha für Orchester in 8 Gruppen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
19.05.2006
Medium:
EAN:

CD
9120010280153


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