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Mittwoch, 26. Februar 2020

Tschaikowsky, Peter - Souvenir de Florence

Süffiges Bouquet


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die fast vor Süße triefende Melodik entfaltet durch den voluminösen Klang ein süffiges Bouquet.

Das, was das Kammerensemble der Academy of St. Martin in the Fields den Briten ist, das ist den Deutschen das Stuttgarter Kammerorchester; ein glasklar und auf allerhöchstem Niveau musizierender Klangkörper. Inzwischen gibt es die Stuttgarter Formation schon seit 55 Jahren. An der Spitze steht seit August 1995 Dennis Russel Davies.

Auf ihrer neuesten CD, die kürzlich bei Dabringhaus und Grimm erschienen ist, spielt das Stuttgarter Kammerorchester Tschaikowskys ‚Souvenir de Florence' op. 70 in einer Bearbeitung für Streichorchester von Russel Davies und die Streicherserenade op. 48.

Von dem Beginn des Opus 70 wird man regelrecht überrannt. Fast klingt es, als hätte der Tonmeister einen Tick zu spät den Regler aufgezogen. Ich vermisse vor dem ersten Ton wenigstens eine Sekunde Raumakustik. Das ist jedoch eine Frage der Aufnahme-Philosophie. Jedenfalls legen die Stuttgarter überaus stürmisch los. Durch die Streichorchester-Bearbeitung des im Original für Sextett geschriebenen Werkes entsteht ein wuchtiger, fast orgelartiger Klang, den man ja gerade für die Streicherserenade braucht.

Die filigran gesponnen Linien und die Intimität des zauberhaften Stückes gehen damit an einigen Stellen flöten. Hingegen entfaltet die fast vor Süße triefende Melodik durch den voluminösen Klang ein süffiges Bouquet. In Russel Davies' Bearbeitung des ‚Souvenir de Florence' sind nicht alle Solopassagen Tutti besetzt. Manches legt er nur in die Hände eines Solisten, wodurch abwechslungsreiche Momente entstehen.

Auch an Tschaikowskys Streicherserenade geht Davies mit fein ziselierter Akkuratesse und nötigem Temperament heran. Schwelgerisch kostet er den schwungvollen Walzer aus, um in der ‚Elegia' verhalten zögerlich musizieren zu lassen. Mit silbrig gesponnenen Klangfäden eröffnen die Stuttgarter auf delikateste Weise das Finale. Die wie kleine Blitze ineinanderschießenden Violinpassagen des ‚Thema russo' pfeifen zauberhaft durch die Luft. Zwar ist das Tempo nicht gerade wagemutig schnell, aber ausgewogen und treffend.

Etwas enttäuschend ist die Klangqualität der Produktion. Das Orchester klingt leicht schwammig und wenig direkt aufgenommen. Das Booklet liefert umfangreiche Informationen, die CD ist hervorragend verarbeitet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Peter: Souvenir de Florence

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.11.2000
1:11:15
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0760623100821
MDG 321 1008-2

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Tschaikowsky, Peter


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Dirigent(en):Russel Davies, Dennis
Orchester/Ensemble:Stuttgarter Kammerorchester


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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