> > > Orff, Carl: Der Mond - A theatrical microcosm
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Orff, Carl - Der Mond - A theatrical microcosm

Stimmungsvoller Mondcharakter


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es macht einfach nur Spaß, das Werk zu hören, das wahrlich nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Bei Berlin Classics sind zwei CDs mit Orff-Opern neu veröffentlicht worden, die das Rundfunk-Sinfonie-Orchester-Leipzig unter der Leitung von Herbert Kegel 1970 und 1980 eingespielt hat. Neben der Oper Die Kluge erschien Carl Orffs Bühnenerstling Der Mond, das der Komponist selbst als Welttheater bezeichnet hat. Ein nachdenkliches Gleichnis von der Vergänglichkeit menschlichen Bemühens, die Weltordnung zu stören, so Orff über die Intention seines Werkes, dessen Text er nach dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm selbst verfasst hat: Vier junge Männer aus einem finsteren Land klauen den Mond in einem anderen, hellen Land von einem Baum und nehmen ihn mit in ihr Land. Der Mond zerfällt in seine Viertel, nachdem jeder der vier Männer einen Teil mit ins Grab genommen hat, doch Petrus stellt den Frieden wieder her: Er hängt zu guter Letzt den Mond so am Himmel auf, dass jedes Land von dem Mond erhellt wird.

‚Unüberhörbar war damals die Kritik an Leuten, die egoistisch nur an ihren eigenen Vorteil denken und ihn auf Kosten anderer erlangen wollen, an deren engem Horizont und an deren Drauflosleben', so der Verfasser des Booklettextes Stephan Stompor. Diese seit ihrer Erstaufführung sehr beliebte Oper ist gespickt mit mitreißenden Rhythmen höchster Geradlinigkeit, stimmungsvollen Kantilenen und Sprechgesängen, die teilweise operettenhaften Charakter besitzen, jedoch durch plötzliche Rhythmus- und Tempiwechsel interessant bleiben. Das macht vor allem den Unterschied zu der Oper Die Kluge aus, die nicht so schnell greifbar ist und das infantile Ich weniger kitzelt als es Der Mond kann. Und genau diese angesprochenen Tempowechsel setzt Herbert Kegel sehr hart und sauber um. So zum Beispiel in dem Lied ‚Wenn ihr nachts aus der Taberne'. Im Vergleich zu seiner Aufnahme von ‚Die Kluge' ist ihm die Einspielung von ‚Der Mond' besser gelungen. Diese braucht den Vergleich mit der EMI Aufnahme, die Sawallisch mit dem Philharmonic Orchestra eingespielt hat und als Referenzaufnahme dieser beiden Opern gilt, nicht im geringsten in dem Maße zu scheuen, wie es ‚Die Kluge' tun musste. Ganz im Gegenteil: Der Bassist Reiner Süss hat zwar nicht die Kraft und Tiefe, die Hans Hotter vor allem auch in den leisen Passagen behält, jedoch singt er seine Rolle besser als bei der 10 Jahre späteren Einspielung von Die Kluge. Dort hat Kegel es nicht eindeutig geschafft, die etwas komplizierteren musikalischen Abläufe einheitlich erklingen zu lassen und den Fluss der Lieder und Zwischenspiele zu unterstützen. Das Orchester und die Sänger leben in Die Kluge miteinander die Faszination des Werkes wesentlich deutlicher, und da kann es einfach nur Spaß machen, das Werk zu hören, das wahrlich nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Orff, Carl: Der Mond - A theatrical microcosm

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
15.01.2001
1:09:59
1973
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124943127
0094312BC

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Orff, Carl


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Dirigent(en):Kegel, Herbert
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Sinfonie-Orchester
Interpret(en):Glahn, Paul (Speaker)
Hegewald, Hans-Joachim (Speaker)
Schaal, Wilfried (Baritone)
Terzibaschian, Armin (Bass)
Klotz, Helmut (Tenor)
Lunow, Horst (Baritone)
Teschler, Fred (Bass)
Büchner, Eberhard (Narrator)
Rundfunkchor Leipzig, (Choir)
Süß, Reiner (Bass)


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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