> > > Weill, Kurt: Sinfonie Nr. 1 & 2
Montag, 24. Januar 2022

Weill, Kurt - Sinfonie Nr. 1 & 2

Charismatische Beredsamkeit


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine kleine Sensation ist vor allem die Aufnahme der expressionistischen Ersten Symphonie, die Weill im jugendlichen Alter von 21 Jahren komponiert hat.

Antony Beaumont ist Allround-Musiker, der Tasteninstrumente ebenso beherrscht wie Violine und Bratsche, als Komponist und Arrangeur gleichermaßen in Erscheinung tritt wie als Dirigent, last not least nicht nur als Radiomoderator zu seinem Publikum spricht, sondern seine profunden musikwissenschaftlichen Kenntnisse auch in mehreren Büchern zur Diskussion stellt. Der ausgewiesene Spezialist für Ferruccio Busoni hat mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen nun eine Einspielung der beiden Symphonien von dessen Schüler Kurt Weill vorgelegt, mit der das Label Chandos nun seinen Katalog schmücken darf.

Eine kleine Sensation ist vor allem die Aufnahme der expressionistischen Ersten Symphonie, die Weill im jugendlichen Alter von 21 Jahren komponiert hat und in ihr – wie Beaumont im Booklet nachweist – Motive aus Johannes Robert Bechers Drama ‘Arbeiter Bauern Soldaten’ unterlegt hat, und zwar nicht nur programmatisch, sondern vielmehr, indem er Themen nach den Versen der Vorlage formt. Diese Erkenntnis ermöglicht zweifellos einen charismatischen und beredten Ansatz bei der Interpretation des widerspenstigen und nicht gerade leicht zugänglichen Werkes, das Weill zur Seite gelegt hatte, nachdem sein Lehrer Busoni harsche Kritik daran geübt hatte. Die Uraufführung fand erst postum im Jahr 1957 statt.

In der Folge hatte das heute als Zweite Symphonie gezählte Werk das Glück, als ‘Symphonische Fantasie (Symphonie Nr.1)’ im Oktober 1934 unter Bruno Walter uraufgeführt zu werden. Dieser sträubte sich gegen den Titel, verkannte das symphonische Prinzip, stellte die Frage nach einem Programm. Fragen stellt auch Beaumont, der dieses orchestrale Hauptwerk Weills in sein intellektuelles Visier nimmt, ohne die geisterhafte Sinnlichkeit der Partitur mit ihren vielen pessimistischen Zügen auszublenden.   

Das Quodlibet stellt eine Bearbeitung seiner 1922 komponierten Kinderpantomime Zaubernacht dar: Ursprünglich für ein neunköpfiges Ensemble konzipiert, wurde das Stück in Teilen für ein Orchester in Mozart-Besetzung umgearbeitet. Zwar ist die Handlung der Pantomime nicht erhalten, doch lehnt sie sich wohl an E.T.A. Hoffmanns Nußknacker und Mausekönig an. Programmatik lässt sich jedenfalls im Quodlibet leicht herauslesen. Der tänzerische Schwung, den Beaumont mit Fingerspitzengefühl und dem richtigen Quantum Witz wiedergibt, sollte nicht über die tiefen Spuren hinwegtäuschen, den Busonis Musik in diesem Werk hinterlassen hat.

Beaumont findet in der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ein hervorragendes Medium für seinen interpretatorischen Ansatz. Der ‘nostalgische Weill-Sound’ mit schlankem, unromantischem Streicherklang sowie dem einzeln aufgehängten Becken, gepaart mit der Wahl des richtigen Aufnahmestudios, das eine akustische Nahaufnahme gewährleistet, tut ihr übriges, um diese Einspielung in den Rang einer Referenzaufnahme zu erheben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Markus Rubow Kritik von Markus Rubow,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Weill, Kurt: Sinfonie Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
21.07.2006
Medium:
EAN:

SACD
095115504628


Cover vergössern

Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Chandos:

  • Zur Kritik... Harmonisches Echo: Abseits der gängigen und hierzulande viel zu selten gespielten Operetten Arthur Sullivans bietet dieses Doppelalbum die Chance, den 'anderen', nämlich den ernsteren Sullivan zu entdecken. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Die Schöne und der Wolf : Der Dirigent John Wilson lässt mit der Sinfonia of London Orchesterwerke von Henri Dutilleux in schönstem Glanz erstrahlen. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponistinnen und ein Bassist: Zwei große Klavierquintette aus den USA sind echte Entdeckungen, in vorbildlicher Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Chandos...

Weitere CD-Besprechungen von Markus Rubow:

  • Zur Kritik... Ein bisschen wie Bach: Mit Frank Martins Passionsoratorium 'Golgotha' fügt Daniel Reuss seiner Diskographie ein weiteres Glanzstück hinzu und verschafft dem Werk die ihm gebührende Aufmerksamkeit. Weiter...
    (Markus Rubow, )
  • Zur Kritik... Auf Händels Spuren: Fernab aller Best of-Sampler präsentiert die Freitagsakademie ein Konzeptalbum, das durch undogmatisches und unverkrampftes Spiel vollends überzeugen kann. Weiter...
    (Markus Rubow, )
  • Zur Kritik... Der Experte schreibt, der Laie versteht: Lewis Lockwood gelingt es in seinem großartigen Beethoven-Buch, Werk und Biographik eindringlich zu verzahnen, ohne auf die simple Manier zu verfallen, das Werk aus biographischen Details erklären zu wollen. Eher umgekehrt. Dafür gebührt dem Autor Lob. Weiter...
    (Markus Rubow, )
blättern

Alle Kritiken von Markus Rubow...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Stupende Qualität: Buxtehude, Teil zwei: Die Qualität der Interpretation ist angesichts der Diskografie Friedhelm Flammes keine Überraschung. Eine Gesamteinspielung, die trefflich gerät und von Belang ist. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Scharfe Proportionen: Boris Giltburg mit frühem Beethoven Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Baskische Schmuggler und tanzende Satyre : Die Suiten aus 'Ramuntcho' und 'Cydalise et le Chevre-pied' des Impressionisten Gabriel Pierné verzaubern in der Wiedergabe durch Darrell Ang und das Orchestre National de Lille. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich