> > > D'Autriche Marguerite: Les jardins de courtoisie
Sonntag, 14. August 2022

D'Autriche Marguerite - Les jardins de courtoisie

Ein komplexer Genuss


Label/Verlag: Ambronay Editions
Detailinformationen zum besprochenen Titel


So ist eine wirklich überzeugende Platte entstanden: Das wunderbare Konzept lässt erlesene Kammermusik in einem kulturhistorisch ambitionierten Umfeld zu Gehör kommen.

Schon seit geraumer Zeit genügt es auf dem umkämpften Plattenmarkt nicht mehr, einfach nur sehr gut zu musizieren, um wahrgenommen zu werden und langfristig zu bestehen. Vielmehr treten weitere Aspekte in den Vordergrund – vom überzeugenden Konzept über informative und aktuelle Textbeiträge bis zur gelungenen graphischen Gestaltung gilt es auf vielen Feldern zu bestehen. Und auch die Hülle einer Platte kann weit mehr sein als eine simple Verpackung: Im Zusammenwirken von Material und Gestaltung nämlich ein beinahe eigenständiges Kunstwerk.

Angetrieben von diesen Erfordernissen macht sich manch historisch sehr gut informiertes Ensemble auf die Suche nach geeigneten ‚Konzeptideen’. Dieser Prozess bringt nicht selten wunderbare Schmuckstücke ans Tageslicht. So geschehen auf der vorliegenden Platte, die eine Reihe von Chansons aus dem ‚Grand Chansonnier’ der Margarete von Österreich enthält.

Margarete, als Tochter Kaiser Maximilians von Österreich nicht nur hochgebildet, hatte am Beginn des 16. Jahrhunderts im heute belgischen Mechelen ein blühendes Hofleben entfaltet, war als zeitweilige Generalgouverneurin der Niederlande auch eine politisch aktive Frau, die ihr umfängliches Wissen unter anderem an ihren Neffen, den späteren Kaiser Karl V. weitergab. Ihre privaten Leidenschaften galten jedoch den Künsten: Sie förderte Dichtung und Komposition, so dass nicht wenige meisterliche Werke in ihrem unmittelbaren Umfeld entstanden. So finden sich in dem ‚Grand Chansonnier’ 58 Stücke so bedeutender Musiker wie Pierre de la Rue, Josquin Desprez, Alexandre Agricola oder Antoine Brumel.

Exquisite Vorlagen und glänzende Gestaltung

Diese Musik ist sämtlich außerordentlich delikat und steht für die Höhe der Kompositionskunst jener Zeit. Als hochverdichtete Miniaturen entstanden auf teils sehr empfindsame Texte melancholische Renaissancekostbarkeiten. Und doch weist die Sammlung bei aller erkennbaren Intimität über die bloß persönliche Dimension hinaus: Denn diese auf engem Raum kunstvoll und aufwendig gestaltete Kollektion hat in ihrer Kompaktheit eine enorme Bedeutung, vor allem für das Verständnis des ästhetischen Geschmacks bei Hofe.

Den eingangs erwähnten hohen Anforderungen wird die Platte vollkommen gerecht: Eigentlich ein Hardcover-Booklet mit eingelegter CD, enthält sie zwei sehr instruktive und wohlinformierte Texte. Auch mit Blick auf die graphische Gestaltung bleiben keinerlei Wünsche offen: Zahlreiche vielfarbige Abbildungen und gelungene Reproduktionen originaler Notentexte vermitteln einen auch gegenständlich deutlichen Eindruck des ‚Grand Chansonniers’ und seines Umfelds.

Und schließlich: Die Interpretation des kleinen, auf Chansons spezialisierten Ensembles ‚Les jardins de courtoisie’ lässt kaum Wünsche offen. Die Vokalisten agieren überzeugend, mit solistischem Potential, dennoch dezent und außerordentlich beweglich, ergänzt durch die sparsam eingesetzten Instrumente, die den Klang sehr glücklich erweitern und überaus differenziert und dem jeweiligen Charakter angemessen musizieren.

So ist eine wirklich überzeugende Platte entstanden: Das wunderbare Konzept lässt erlesene Kammermusik in einem kulturhistorisch ambitionierten Umfeld zu Gehör kommen. Dass die Musik so konsequent in biographische und historische Zusammenhänge eingebettet ist und auch die architektonische Umgebung reflektiert, wertet die kompositorisch ohnehin hochinteressanten Arbeiten noch auf und eröffnet dem Hörer ein breites Panorama. Nicht zuletzt gelingt so das Abbild eines individuellen Lebens durch Aspekte allgemeiner Gültigkeit – indem Trauer, Leid, Trost, Freude, Bewegtheit und Innehalten in der Musik und weit darüber hinaus thematisiert werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    D'Autriche Marguerite: Les jardins de courtoisie

Label:
Anzahl Medien:
Ambronay Editions
1
Medium:
EAN:

CD
3760735100071


Cover vergössern

Ambronay Editions

Autour du Festival de musique ancienne créé en 1980, activité emblématique du CCR, Ambronay développe un ambitieux programme d'insertion professionnelle de jeunes artistes et créateurs, accorde une place importante à la pratique amateur et à l'action culturelle, propose une offre patrimoniale riche et variée et engage une réflexion approfondie sur les rapports entre culture, tourisme et économie avec la mise en place d'un centre de séminaires et d'un club d'entreprises. L'ensemble de ces activités bénéficie d'une diffusion internationale via le label de disques Ambronay Éditions.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Ambronay Editions:

  • Zur Kritik... Fulminantes Debüt mit Rossi, Cavalli, Monteverdi & Co.: Die französische Alte-Musik-Formation La Vaghezza überzeugt mit italienischer Instrumentalmusik des 16. und 17. Jahrhunderts. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Zwei Franzosen: Marchand & Rameau, in ihren Charakteristika von Christophe Rousset sehr kundig auf einem Donzelague-Cembalo von 1716 vorgestellt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kantaten als kleine Dramen: Weltliche Kantaten von Johann Sebastian Bach in einer kompetenten, frischen Auffassung durch das Instrumentalensemble Les Agrémens und den Kammerchor Namur, temperamentvoll geleitet von Leonardo García-Alarcón. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Ambronay Editions...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Noch immer avanciert: Das Chorwerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker präsentieren Musik von Stockhausen und Kagel mit Überzeugung und Vermögen – als noch immer relevante Positionen und kennenswerte Etappen musikalischer Entwicklung. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kammeroper in milder Dramatik: Roland Wilson hat mit seinen Ensembles einen so interessanten wie lohnenden Versuch unternommen, klingendes Leben in das Rätselraten um Heinrich Schütz' Oper 'Dafne' zu bringen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Englische Madrigalkunst: So delikat möchte man sich gern unterhalten lassen: In kunstvollem Satz, emotional berührt, nobel in der Gesamtwirkung. I Fagiolini mit einem schönen, lohnenden Wilbye-Porträt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aufgetürmter Neubau: Telemanns Michaelis-Oratorium 1762 zeigt den Hamburger Komponisten auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponisten des Hochbarocks begegnen einander: Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat lebten etwa zur selben Zeit und könnten sich in Salzburg begegnet sein. Dora Szilágyi und Flóra Fábri spüren Verwandtes und Unterschiede in der Kammermusik beider Komponisten auf. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Noch immer avanciert: Das Chorwerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker präsentieren Musik von Stockhausen und Kagel mit Überzeugung und Vermögen – als noch immer relevante Positionen und kennenswerte Etappen musikalischer Entwicklung. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich