> > > Franz Konwitschny: The Art Of Franz Konwitschny
Donnerstag, 2. Dezember 2021

Franz Konwitschny - The Art Of Franz Konwitschny

Durchsichtigkeit und Schneid


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kurz: Ein ‚Muss' für jeden Beethoven-Sammler.

An Franz Konwitschnys hundertsten Geburtstag mit einem CD-Paket zu erinnern, in dem sich immerhin elf Silberlinge befinden, ist eine wunderbare Idee. Das Label Edel-Classics hat sie umgesetzt. Diesem Projekt dienten Aufnahmen der Jahre 1958 bis 1963, die bei der VEB Deutsche Schallplatten entstanden: alle Sinfonien Beethovens und Schumanns, die Leonoren-Ouvertüren sowie einiges mit David und Igor Oistrach. Leider nicht das 1954 eingespielte Violinkonzert von Brahms mit der Staatskapelle Dresden. Aber auf dieser Referenzaufnahme hat ja das ‚Gelb-Label' aus Hamburg seine Finger.

Franz Konwitschny, der Vater des (Skandal-) Regisseurs Peter Konwitschny, wurde 1901 in Nordmähren geboren und studierte am Leipziger Konservatorium. Nach einer Zeit als Bratscher und Geigenlehrer in Wien wurde er 1933 Generalmusikdirektor in Freiburg, 1938 in Frankfurt am Main und 1945 in Hannover. Vier Jahre später erhielt er die Stellung des Leipziger Gewandhauskapellmeisters. Gleichzeitig - von 1953 bis 1955 - leitete er die Staatsoper Dresden und anschließend die Deutsche Staatsoper im Osten Berlins.

Wer seinerzeit, als Deutschland noch nicht vereinigt war, Kontakte in den Osten Deutschlands hatte und bestrebt war, Schallplatten in den Westen zu bringen, der kam an Franz Konwitschny glücklicher Weise nicht vorbei. Vor allem seine Aufnahme der Beethoven-Sinfonien machte Geschichte. Auch mein Vater brachte einst von einer Dienstreise eine Schallplattenbox mit, auf der Beethoven in ziemlich hässlichem Design finster dreinblickte. Umschlagen war die Box mit schwarzem Stoff, auf dem in goldenen Buchstaben stand, was sich in der Presspappe befand. Es war die besagte Gesamtaufnahme der Sinfonien Beethovens mit Konwitschny, die mein Beethoven-Bild vom 10. Lebensjahr an prägte. Und das war nun wirklich keine schlechtes Bild.

Konwitschnys Beethoven hat Größe, Durchsichtigkeit und Schneid. Bei ihm hört man Details, die man sonst nie hört: nicht bei Carlos Kleiber, nicht bei Casals, bei Harnoncourt, bei Gardiner , Karajan, Zinman oder Abbado. Was jedoch über alle Maaßen besticht, ist der unendliche Fluss der Musik, der bei Konwitschny mit Aura, Wärme und wundervollen Ideen vereint wird. Da zieht er das Tempo unmerklich an, da lässt er ritardieren und dies alles nicht gekünstelt, sondern unendlich musikalisch. Herrlich, wie er vor der Coda des Kopfsatzes der ‚Siebten' geheimnisvoll steigern lässt, um dann in den Trompeten das Crescendo anzusetzen; da, wo alle anderen Dirigenten trotz eines vorgeschriebenen Forstissimo Piano blasen lassen. Ein Spritzer Furtwängler und eine Prise Toscanini, vereint mit eigenständiger Genialität. Kurz: Ein ‚Must' für jeden Beethoven-Sammler.

Was für die Beethoven-Sinfonien gilt, gilt auch für die Sinfonien Schumanns. Zwar wäre nach heutigen Vorstellungen eine etwas weniger stringente Anlage wünschenswert, aber genau dadurch erreicht die Musik diesen einmaligen ‚Fluss'.

Die Aufnahmequalität der gesamten CD's ist für die Einspielungsjahre zwar nicht brillant, aber gut. Die Orchester - das Gewandhausorchester und die Sächsische Staatskapelle - sind in Hochform. Bedenkt man, dass man sich dieses CD-Paket circa vier mal kaufen könnte, würde man im Gegenzug auf Abbados neuen Beethoven-Zyklus und Gardiners ‚Schumann' verzichten, dann sollte die Entscheidung leicht fallen: Konwitschny!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Kritik von ,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Franz Konwitschny: The Art Of Franz Konwitschny

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
12.12.2000
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124021726
0002172CCC

Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian
Beethoven, Ludwig van
Schumann, Robert
Vivaldi, Antonio
Wieniawski, Henryk


Cover vergössern

Dirigent(en):Konwitschny, Franz
Orchester/Ensemble:Staatskapelle Berlin
Staatskapelle Dresden
Gewandhausorchester Leipzig
Interpret(en):Adam, Theo
Rotzsch, Hans-Joachim
Zollenkopf, Ursula
Rundfunkchor Leipzig,
Wenglor, Ingeborg
Damm, Peter (French Horn)
Märker, Hermann (French Horn)
Pilz, Werner (French Horn)
Böhner, Georg (French Horn)


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von :

blättern

Alle Kritiken von ...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Very British: Die Ballette von Lord Berners sind in der Einspielung durch David Lloyd-Jones ein Vergnügen. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Verbeugung vor den Damen: Ein vergessenes Werk von Ethel Smyth und ein Geschenk zum hundertsten Geburtstag. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Giosquino, der Italiener: Ein weitere hochklassige Würdigung Josquins in seinem 500. Todesjahr: Diese Platte von Odhecaton und Gesualdo Six setzt willkommene Impulse, um das erfreulich reich überlieferte kompositorische Erbe Josquins vor Ohren geführt zu bekommen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich