> > > Haas, Pavel: Streichquartett Nr. 2 "Von den Affenbergen" für Orchester
Sonntag, 26. Juni 2022

Haas, Pavel - Streichquartett Nr. 2 "Von den Affenbergen" für Orchester

Tschechische Seelenbilder


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf ihrer Debut-CD bei Supraphon zeigen sie nun, dass sie zu Recht in der ersten Liga der vielversprechendsten Nachwuchsformationen gehandelt werden.

Das Pavel Haas Quartett trägt den Namen eines tschechischen Komponisten, der als Schüler Leos Janaceks als eins der größten Talente seiner Zeit galt. Doch wurde er mit 42 Jahren nach Thersienstadt deportiert und starb 1944 im Konzentrationslager in Auschwitz. Die vier jungen Musiker aus Prag versuchen ihm ganz bewusst immer wieder mit ihren Konzerten eine Plattform zu schaffen, die er so im gegenwärtigen Musikleben nicht hat. Die Namenswahl ist für sie nicht bloßes Lippenbekenntnis, sonder eine klare Entscheidung für den schnell vergessenen Komponisten einzutreten.

Doch Veronika Jaruskova (Violine), Katerina Gemrotova (Violine), Pavel Nikl (Viola) und Peter Jerusek (Violoncello) haben sich nicht nur der Pflege des Haas’schen Oeuvres verschrieben, sondern sie kultivieren auch gezielt die reiche tschechische Musiktradition, die schon immer als einzigartig in Europa galt. Auf ihrer Debut-CD bei Supraphon zeigen sie nun, dass sie zu Recht in der ersten Liga der vielversprechendsten Nachwuchsformationen gehandelt werden. Mit den ‘Intimen Briefen’ von Leos Janacek und Paul Haas Streichquartett Nr.2 ‘Von den Affenbergen’ haben sie sich ein anspruchsvolles Programm vorgenommen, das voller Dichte und Intensität ist.

Janaceks ‘Intime Briefe’ sind ein persönliches Zeugnis der späten Leidenschaft des alternden Komponisten für seine 37 Jahre jüngere Muse, die verheiratete Kamila Stösslova, in denen er mit der unerfüllten Sehnsucht nach einem gemeinsamen Leben ringt. Die Stücke sollten das letzte vollendete Werk und zugleich seine erschütternde Lebensbeichte werden, die er anfangs mit ‘Liebesbriefe’ überschreiben wollte, dies aber dann doch nicht tat, da er, wie er in einem Brief erklärt, seine ‘Gefühle nicht den Dummköpfen’ ausliefern wollte. 1928 beendete er die Arbeit an den vier Sätzen. Die Uraufführung des Werkes fand mit dem Mährischen Quartett im selben Jahr statt. Tief bewegt von seinem eigenen Schaffen schrieb er noch nachts nach dem Konzert an Stösslova: ‘Ach, es ist ein Werk, wie aus dem lebendigen Fleisch heraus geschnitten. Ich denke, ich schreibe nichts Tieferes und Wahreres mehr.’

Ganz anders ist die Motivation für das zweite Streichquartett seines Schülers Pavel Haas. Der 26- Jährige wählte für die einzelnen Sätze so naturnahe Überschriften wie ‘Landschaft’, ‘Kutsche, Kutscher und Pferde’, Der Mond und ich’ und ‘Wilde Nacht’. Auch die ‘Affenberge’ sind weit weniger exotisch als sie auf den ersten Blick scheinen mögen. Viel mehr handelt es sich dabei um eine beliebte Urlaubsgegend und das Naherholungsgebiet der Brünner im Böhmisch-Mährischen Hügelland. Haas versucht mit experimentellen Klangkombinationen die Reiseeindrücke eines Landaufenthalts einzufangen und setzt dabei auf eine Kombination aus Stimmungsmalerei und weitgespanntem Formdenken. Lyrischer Höhepunkt ist dabei der dritte Satz ‘Der Mond und ich’, in dem sich die Musik zu einem feierlichen Fortissimo steigert, das dann mit Motiven aus ‘Landschaft’ verschmilzt. Im letzten Satz fügt Haas dem Streichquartett noch ein Schlagzeug hinzu, um somit den ekstatischen Tanz des Finales rhythmisch noch prägnanter zu gestalten.

Das Haas Quartett setzt in seiner Interpretation der ‘Intimen Briefe’ ganz auf die tiefe Verzweiflung, die Janacek offenbar verspürt hat. Hier gibt es wenig Hoffnung, doch noch ein glückliches Ende herbei zu führen. Kaum versöhnliche Töne mischen sich in den zerrütteten Klagegesang der vier Musiker. Sie setzen mit absoluter Härte Akzente, lassen sich kaum zu zart schmelzenden Passagen hinreißen, sondern finden in dem Werk nur abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit. Dagegen ist ihre Interpretation von Haas weitaus lyrischer und mit mehr Freude am schönen Ton gespielt. Im vierten Satz, bei dem der Perkussionist Colin Currie hinzu kommt, steigern sie sich in einen taumelnden Rausch, aus dem es kein Erwachen gibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haas, Pavel: Streichquartett Nr. 2 "Von den Affenbergen" für Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
20.10.2006
Medium:
EAN:

CD
099925387723


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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