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Sonntag, 14. August 2022

Dufay, Guillaume - Missa Sancti Jacobi

Frühe Kunst


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Du Fays Arbeiten aus der Frühzeit der mehrstimmigen Messvertonungen werden hier nicht ‚aufgeführt’, sondern im besten Sinne ‚musiziert’ und mit Leben erfüllt.

Alles, was in der Gegenwart leichthin als ,Alte Musik’ bezeichnet wird und scheinbar in einen größeren Zusammenhang gehört, ist bei näherer Betrachtung doch sehr vielgestaltig : So ist das musikalische Barock durch viele charakteristische Merkmale in Kompositionstechnik, ästhetischem Ideal und konkreter Umsetzung von der Epoche der vokalen Polyphonie in der Renaissance geschieden. Aus der Ferne des heutigen, und von späteren Entwicklungen in Klassik, Romantik und Moderne geprägten Hörers mögen diese Unterschiede verwischen. Je näher man sich an die wirklich alten Epochen heranwagt, umso deutlicher treten sie jedoch hervor. Das gilt erst recht dann, wenn Musik erklingt, die noch vor dem heute leidlich bekannten kolossalen Höhepunkt der Vokalpolyphonie im 16. Jahrhundert entstanden ist und erst den Weg zu dieser zu bahnen beginnt.

Hier greift nun die vorliegende Platte ein, die eine sehr frühe Messe eines der bedeutendsten Komponisten des 15. Jahrhunderts, des Franzosen Guillaume du Fay, zu Gehör bringt. Du Fay, um 1400 in Cambrais geboren, wurde umfassend musikalisch gebildet, hatte vielfältige Kontakte an verschiedene europäische Höfe, stand seit dem Ende der 1420er Jahre im Dienst des Papstes, feierte später Erfolge am Hof der Familie von Savoyen und starb schließlich als vermögender und geschätzter Meister der Tonkunst 1474 in Cambrais.

Stil & Umsetzung

 

Du Fays Stil basiert auf einer noch reduzierten Mehrstimmigkeit der Zeit vor der Durchsetzung des durchimitierenden Stils, wird in diesem schmalen Klangspektrum aber auch strukturell verständlicher – im Gegensatz zur wenig später entfalteten, überbordenden Komplexität der Vokalpolyphonie. Der Komponist durchmisst einen eher schmalen kompositorischen Raum, sich unter anderem widerspiegelnd im geringen Ambitus der Einzelstimmen. Charakteristisches Merkmal ist auch die fast vollkommene Abwesenheit von starken Affekten in den einzelnen Messsätzen – auch wenn ein sensibler Zeitgenosse du Fays mit vermutlich größerer Sensibilität für das Übliche und das Neue wahrscheinlich zu einem anderen Urteil gekommen wäre.

Derart filigrane Musik verlangt nach ebensolchen Interpreten. Das in diesem Jahr die zwanzigste Wiederkehr seines Bestehens feiernde Ensemble ‚La Reverdie’ hat das künstlerische und intellektuelle Niveau, um dieser Aufgabe mehr als gerecht zu werden. Die variabel eingesetzten Vokalisten musizieren mit schmalem Klang, formen sehr homogene Register. Besonders hervorzuheben sind dabei die Frauenstimmen, die manch fragiles Bicinium delikat intonieren und betörend schön zum Leben erwecken.

Ein Ergebnis der musikologischen Arbeit des Ensembles ist im geglückten Einsatz der Instrumente zu sehen: Dank akribischer Recherche und interpretatorischer Erfahrung werden sie mit großem Gespür in den vokalen Klang eingefügt, sind stets echter Teil der Mehrstimmigkeit. Sie treten dabei weder selbstständig hervor noch fallen sie in eine bloße Begleithaltung zurück.

Und so fügt sich alles zu einer kundigen Interpretation, die musikhistorisch, ästhetisch und intellektuell durchdrungen und basiert ist. Du Fays Arbeiten aus der Frühzeit der mehrstimmigen Messvertonungen werden hier nicht ‚aufgeführt’, sondern im besten Sinne ‚musiziert’ und mit Leben erfüllt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dufay, Guillaume: Missa Sancti Jacobi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.09.2009
Medium:
EAN:

CD
3464858013426


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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