> > > Stanford, Charles Villiers: Songs of the Sea / Songs of the Fleet / The Revenge
Montag, 24. Januar 2022

Stanford, Charles Villiers - Songs of the Sea / Songs of the Fleet / The Revenge

Eine Landratte auf hoher See


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der klangtechnisch überbordende Silberling gehört unbedingt in den CD-Player. Höchste Empfehlung!

Aufbrausend soll er gewesen sein, unnachgiebig und streng zu seinen Schülern. Charles Villiers Stanford, Ire von Geburt und Jahrzehnte lang Kompositionslehrer am Royal College of Music in London und an der Universität Cambridge. Dass heute nur noch wenige seiner Werke aufgeführt werden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er am Ende des 19. Jahrhunderts neben Charles Hubert Parry und Edward Elgar zum Wiederaufleben der englischen Musik beitrug und mit ihnen die so genannte ‚English Musical Renaissance’ einläutete, die von der langen Phalanx seiner Schüler weiter getragen wurde, darunter und zuvorderst Ralph Vaughan Williams, Gustav Holst, Arthur Bliss, Herbert Howells, John Ireland, George Dyson, Ernest John Moeran oder Eugene Goossens. Stanford komponierte sieben Symphonien, sieben Opern, eine große Anzahl irisch geprägter Orchesterwerke und ein noch größeres Oeuvre an Vokalwerken. Stanford, der selbst eine ausgemachte Landratte war, erlangte mit seinen Orchesterlied-Zyklen ‚The Revenge: A Ballad of the Fleet’ (1886), ‚Songs of the Sea’ (1904) und ‚Songs of the Fleet’ (1910) große Popularität, die nicht zuletzt dem großen Interesse maritimer Themen jener Zeit geschuldet ist. Vieleinspieler Richard Hickox hat mit dem BBC National Chorus & Orchestra of Wales und Gerald Finley Stanfords Seestücke aufgenommen und eine fulminante Referenzeinspielung vorgelegt.

Dramatisch aufgespannter Heroismus

‚The Revenge: A Ballad of the Fleet’ aus dem Jahr 1886 basiert auf einem Gedicht von Tennyson aus dem Jahr 1880, einem typisch viktorianisch geprägten Heldentum-Poem. Thema: der Kampf des Flottenkommandeurs Sir Charles Grenville gegen die spanische Flotte vor den Azoren im Jahr 1591. Die Briten sind zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen und kämpfen im vollen Bewusstsein der Niederlage. Stanford komponierte ein kniffliges, dramatisch dicht geführtes Schlachtengemälde für Chor und Orchester, opernhaft aufgespannt und intrikat orchestriert. Nicht immer hat Richard Hickox in seinen zahlreichen Einspielungen ein glückliches Händchen für das tief auslotende Sezieren von Details der Partitur und dem Balance-Halten zwischen vokalen und instrumentalen Schichtungen. Hier hat er es. Detailverliebt in die Faktur, bindet er die Formteile des Werks zu einer stringenten Einheit, zeichnet Klangstrukturen mit feinen Farbstrichen nach und kommuniziert mit Chor und Orchester auf das idealste. Die Damen und Herren des BBC National Orchestra of Wales ‚erschlagen’ die Chorpartien nicht durch ein Zuviel an streicherlastiger Klanggebung oder brachialer Massivität in den Blechbläsern. Die Balance zwischen Orchester und der eminent präsenten Textur der Chorpartien ist perfekt realisiert. Hickox forciert nie die Dynamik zum Selbstzweck. Der Chor ist in allen Registern herrlich präsent, in jeden Tonlagen stets voluminös und wird nie müde, textdeutlich zu bleiben. Ohne Untertreibung ist dies ein Meilenstein vollkommener Interaktion von Chor und Orchester in einem äußerst hörenswerten, hochdramatischen ‚Seestück’.

Melodienreich

Die beiden Orchesterlied-Zyklen ‚Songs of the Sea’ und ‚Songs of the Fleet’ entstanden in Zusammenarbeit mit dem Dichter Henry Newbolt 1904 bzw. 1910. Sie sollten mehr Beachtung finden, nicht zuletzt, weil so manches Lied, wie zum Beispiel das herrliche ‚The Little Admiral’, ungemeine Ohrwurm-Qualitäten besitzt. Gerald Finley, dessen Bariton inzwischen ein unvergesslich reines und markantes Timbre bekommen hat, nimmt sich der Lieder mit sehr viel Herzblut und Sangesfreude an. Unvergleichlich geschmeidig formt er die Phrasen, hält die Binnenspannung mit dem Orchester und dem Chor. Wie bei wenigen Sängern seiner Generation, trägt Finleys Stimme, ist raumfüllend und doch ist sie zu großer Subtilität fähig, ist mal intim zurückgenommen, mal plakativ offen, aber im gesamten Tonraum, und selbst in hoer Lage, stets klar und präsent, ohne forcieren zu müssen. Neben Thomas Hampson ist Gerald Finley sicherlich zu den besten Baritonen der heutigen Zeit zu zählen. Der Chor korrespondiert mit dem Solisten in bestechender Balance. Hickox modelliert mit dem Orchester herausragend konturierte musikalische Kameen aus Stanfords Orchesterliedern. Sie werden hierzulande womöglich nie im Konzertsaal zu hören sein. Der klangtechnisch überbordende Silberling gehört deshalb unbedingt in den CD-Player. Höchste Empfehlung!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Stanford, Charles Villiers: Songs of the Sea / Songs of the Fleet / The Revenge

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
23.06.2006
Medium:
EAN:

SACD
095115504321


Cover vergössern

Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Chandos:

  • Zur Kritik... Harmonisches Echo: Abseits der gängigen und hierzulande viel zu selten gespielten Operetten Arthur Sullivans bietet dieses Doppelalbum die Chance, den 'anderen', nämlich den ernsteren Sullivan zu entdecken. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Die Schöne und der Wolf : Der Dirigent John Wilson lässt mit der Sinfonia of London Orchesterwerke von Henri Dutilleux in schönstem Glanz erstrahlen. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponistinnen und ein Bassist: Zwei große Klavierquintette aus den USA sind echte Entdeckungen, in vorbildlicher Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Chandos...

Weitere CD-Besprechungen von Erik Daumann:

  • Zur Kritik... Packende Symphonik: Sakari Oramo legt, trotz diskographisch enormer Konkurrenz, mit Elgars Erster Symphonie eine Referenzaufnahme vor. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Fern der tödlichen Realität: Flautando Köln lässt die Tudor-Rose erblühen – nicht in der Farbe des Blutes, sondern im Zeichen eines differenzierten Blicks auf eine musikalisch reiche Epoche. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Rustikale Schönheiten: Die tschechische Aufnahme des 'Spalicek' von Martinu überzeugt durch farbig-markante Spielfreude aller Beteiligten. Weiter...
    (Erik Daumann, )
blättern

Alle Kritiken von Erik Daumann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Stupende Qualität: Buxtehude, Teil zwei: Die Qualität der Interpretation ist angesichts der Diskografie Friedhelm Flammes keine Überraschung. Eine Gesamteinspielung, die trefflich gerät und von Belang ist. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Scharfe Proportionen: Boris Giltburg mit frühem Beethoven Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Baskische Schmuggler und tanzende Satyre : Die Suiten aus 'Ramuntcho' und 'Cydalise et le Chevre-pied' des Impressionisten Gabriel Pierné verzaubern in der Wiedergabe durch Darrell Ang und das Orchestre National de Lille. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich