> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 3 'Eroica'
Dienstag, 17. September 2019

Beethoven, Ludwig van - Sinfonie Nr. 3 'Eroica'

Profilarm


Label/Verlag: LSO Live
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die bereits vor mehr als einem Jahr veröffentlichte CD ist ein beeindruckender Beweis, auf welch hohem Niveau das Orchester Beethovens Siebte spielen kann, ein Anreiz zum Kauf ist das aber keiner.

Es bedarf schon einer Portion Mutes in Zeiten der Originalklangensembles einen Beethoven-Zyklus mit einem traditionellen Orchester auf den Markt zu bringen. Und noch dazu mit einer keineswegs allerersten Adresse der internationalen Orchesterlandschaft. Bernhard Haitink und das London Symphony Orchestra sind natürlich Garanten für eine niveauvolle Interpretation der Siebten, allerdings bleibt diese so profillos, dass sie für die überbordende Diskographie des Werks keine Bereicherung darstellt.

Wohl in der Hoffnung auch Klassik-Neulinge zum Kauf der CD zu animieren, ist auf dem rückseitigen Cover zu lesen, dass man dieser Symphonie nicht zuhören kann, ohne von dem Gefühl der Euphorie überwältigt zu werden. Doch gerade diese angesprochene Unmittelbarkeit kann der beinahe zwei Jahre alte Livemitschnitt nicht vermitteln. Die Umsetzung der Partitur wirkt äußerst distanziert, ohne überraschende gestalterische Akzente oder Emotionen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier vor allem eine korrekte Aufführung unter besonderer Berücksichtigung der dynamischen Differenzierung sowie der formalen Struktur beabsichtigt wurde. Konsequenterweise ließ sich Haitink auch nicht verleiten, den so oft verschleppten Allegro Satz sentimental anzugehen. In großartiger Form präsentiert sich das London Symphony Orchestra: Die Streicher klingen bis ins zarteste Pianissimo schwebend, auch die Holzbläser überzeugen durch ihre dynamische Flexibilität und Klangschönheit. Dass auch sämtliche Fortestellen strukturiert, oft geradezu analytisch wirken, ist sicher ein Verdienst der Tontechnik, die durch ihre Konzentration auf die einzelnen Stimmen die Qualitäten der einzelnen Instrumentengruppen zusätzlich unterstreicht. Allerdings geht so die Natürlichkeit des Klangbildes verloren. Wäre die CD nicht klar als Livemitschnitt deklariert, würde man auf eine technisch ausgetüftelte Studioaufnahme schließen.

Für Enttäuschung sorgt das an die Symphonie angeschlossene Tripelkonzert. Die von der Rezeption oft geringschätzig zur Seite geschobene Partitur entstand zwischen 1803 und 1804 für Beethovens Gönner und Klavierschüler Erzherzog Rudolph. Dies ist auch die Erklärung weshalb die Klavierstimme in dem Werk lediglich eine untergeordnete Rolle spielt. Die Violin- und Cellostimme konzipierte Beethoven dagegen für die arrivierten Berufssolisten Carl August Siedler und Anton Kraft. Gordan Nikolitch (Violine) und Tim Hugh (Cello) lassen mit ihrer säuerlichen, monochromen Tongebung viele Chancen zur Gestaltung ungenützt. Lars Vogt versucht erfreulicher Weise nicht, seinen undankbaren Part aufzuwerten und fügt sich als glasklar spielender Pianist in das Team ein. Die Orchesterbegleitung wirkt starr, ohne Dialogbasis mit den Solisten. Verstärkt wird dies noch durch die Tontechnik, die das Trio beinahe aufdringlich in den Vordergrund rückt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 3 'Eroica'

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
LSO Live
1
01.09.2006
Medium:
EAN:

SACD
822231158028


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LSO Live

Einspielungen des Labels LSO Live vermitteln die Energie und Emotion der großartigsten Aufführungen mit höchster technischer Qualität und Finesse.

Liveaufzeichnungen bedeuteten früher gewöhnlich Kompromisse, aber heutzutage kann mit Hilfe der besten Aufnahmetechnik im Konzertsaal die Vitalität festgehalten werden, die im Studio so schwer nachzustellen ist.
Durch das Zusammenschneiden mehrerer Aufführungen können wir eine Vorlage schaffen, die die Spannung einer Konzertaufführung ohne unerwünschte Nebengeräusche bewahrt.

Seit 2000 veröffentlichte das LSO Live über 80 Alben und nahm zahlreiche Preise entgegen. Das London Symphony Orchestra war schon früher das am meisten aufgenommene Orchester der Welt, hatte es doch für zahlreiche Plattenfirmen gearbeitet und viele der berühmtesten Filmmusiken eingespielt. Die Investition in unsere eigenen Aufnahmen ermöglicht dem Orchester jedoch abzusichern, dass jede Veröffentlichung den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und das Hören der besten Musik allen Menschen zugänglich ist.

Das LSO Live war eines der ersten klassischen Plattenfirmen, die Downloads anboten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir geben auch unsere Einspielungen im SACD Format (Super Audio Compact Disc) heraus. SACDs lassen sich auf allen CD-Spielern abspielen, ermöglichen aber den Hörern mit speziellen SACD-Spielern den Genuss eines hochaufgelösten, mehrkanaligen Klangs.

London Symphony Orchestra
Das London Symphony Orchestra wurde 1904 von einer Gruppe von Musikern gegründet, die für den Dirigenten Henry Wood spielten. Sie wollten ihr eigenes Orchester leiten und die Wahl haben, mit welchen Dirigenten sie zusammenarbeiteten. Sie beschrieben das LSO als eine musikalische Republik, und das Orchester war über Nacht ein Erfolg.

Heute gibt das LSO ungefähr 70 Konzerte pro Jahr in London und bis zu 90 auf Tournee. Es ist regelmäßig auf Konzertreise durch Europa, Nordamerika und im Fernen Osten. Waleri Gergijew ist seit 2007 Chefdirigent des LSO und Sir Colin Davis sein Präsident.

Das LSO organisiert auch das in der Welt am längsten laufende und umfangreichste Bildungsprogramm eines Orchesters: LSO Discovery. Mit seinem Sitz im Londoner Musikbildungszentrum LSO St Lukes schafft Discovery die Möglichkeit für Menschen aller Altersgruppen und Veranlagungen, mit Musikern des LSO zusammenzuarbeiten, etwas über Musik zu lernen und ihre Fertigkeiten zu entwickeln.


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