> > > Wagner, Richard: Die Walküre
Freitag, 23. August 2019

Wagner, Richard - Die Walküre

Stuttgarter Wagner: pragmatisch und gut


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die CD ist auf jeden Fall ein hörenswerter und solider, wenn auch nicht gerade ein sehr emotionsgeladener, Beitrag zur Wagnerpflege.

Auch dieses Jahr ist die Staatsoper Stuttgart von der Zeitung ‘Opernwelt’ zum Opernhaus des Jahres gewählt worden. Bereits zum sechsten Mal wurde sie nun mit diesem Titel ausgezeichnet. Das Votum gilt vor allem der kontinuierlichen Arbeit des scheidenden Intendanten Professor Klaus Zehelein, der somit einen glanzvollen Schlusspunkt unter seine insgesamt 15-jährige Tätigkeit in der Neckar-Metropole setzt. Einer seiner größten Verdienste wird dabei sicherlich die 2002/2003 in den Spielplan gehobene Produktion von Richard Wagners Ring bleiben, bei der Zehelein bewusst auf mehrere Regieteams setzte, um den Zyklus auf die Bühne zu bringen. Jede der vier Opern wurde mit einem eigenen Stab an Künstlern verwirklicht, bei dem die einzige Konstante Lothar Zagrosek und sein Staatsorchester Stuttgart war, die an jedem Abend zu hören waren. Die Entscheidung, jedem Abend durch einen anderen Regisseur einen eigenen Charakter zu geben, schlug schon vor der Premiere große Wellen und war ein wichtiger Punkt für den späteren Publikumserfolg.

Bei dem jetzt von Naxos veröffentlichten Mitschnitt der ‘Walküre’ wirkt ein illusteres Ensemble von international gefragten Wagnersängern mit: neben dem routinierten Robert Gambill (Siegmund) singen Angela Denoke (Sieglinde), Renate Behle (Brünnhilde), Attila Jun (Hunding), Tichina Vaughn (Fricka) und Jan-Hendrik Rootering als Göttervater Wotan. Als ihm treu ergebene Walküren treten Eva-Maria Westbroek (Gerhilde), Wiebke Goetjes (Ortlinde), Stella Kleindienst (Waltraute), Helene Ranada (Schwertleite), Magdalena Schäfer (Helmwige), Nadia Palacios (Siegrune), Maria Theresa Ullrich (Grimgerde) und Margit Diefenthal (Roßweiße) auf.

Auch bei dieser Aufnahme wird Zagrosek seinem Ruf als klarer Analytiker mit seiner pragmatischen Herangehensweise gerecht, denn er führt sein Ensemble mit intelligentem Weitblick durch die bedeutungsschwangere und aufgeladene Partitur. Mit wohl bemessenen Tempi und einem klanglich sehr gut ausbalancierten Orchester bietet er den Sängern so ein sicheres Fundament. Er entschlackt den Orchesterklang zu einer leichten, schlanken Linie, bei der Robert Gambill seine doch recht feine Stimme nie zu stark forcieren braucht, um noch über das Orchester hinweg zu kommen. Die wohldosiert eingesetzten Blechbläser, samtig intonierende Holzbläser und die frisch aufspielenden Streicher liefern ihrem Maestro dazu noch eine hervorragende Ensembleleistung, die sowohl durch technische Perfektion als auch seelenvolles Spiel besticht.

Gambill hat ein wunderbar nuancenreiches Timbre, das er sehr gekonnt einzusetzen weiß. Leider wirkt die Interpretation der ‘Winterstürme’ im ersten Akt merkwürdig emotions- und konturlos. Sehr viel aufwühlender gestaltet dagegen Angela Denoke Sieglindes Liebesgesang. Ihr warm schimmernder Sopran strahlt dabei mühelos über allem wie ein funkelnder Stern und macht sie zu heimlichen Star der Aufnahme.

Rootering lässt seinen Wotan als donnernden Übervater auftreten. Sein ‘Leb wohl, du kühnes, herrliches Kind!’ ist weniger ein melanchlischer Abschied als ein entschlossenes Durchgreifen gegen die ungehorsame Lieblingstochter. Seine klare, direkte Stimme harmoniert sehr schön mit dem Sopran von Renate Behle. Beide singen mit Bedacht sowie intelligenter Linienführung und arbeiten dadurch den tragischen Vater-Tochterkonflikt mit viel Feingefühl heraus. 

Die CD ist auf jeden Fall ein hörenswerter und solider, wenn auch nicht gerade ein sehr emotionsgeladener, Beitrag zur Wagnerpflege.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Wagner, Richard: Die Walküre

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
3
14.08.2006
Medium:
EAN:

CD
730099617222


Cover vergössern

Dirigent(en):Zagrosek, Lothar


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Muerte en Venecia: Willy Decker zeigte Brittens 'Death in Venice' 2014 im Teatro Real. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Mit und ohne Minimal: Das Tippett Quartet widmet sich mit seinen enormen Qualitäten den Streichquartetten des polnischen Komponisten Henryk Górecki. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Christiane Bayer:

  • Zur Kritik... Wo ist das Strahlen?: Die Stücke sind schön eingesungen, wenn auch ohne große interpretatorische Überraschungen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Frühling für die Ohren: Stefen Temmingh und Dorothee Mields spüren mit Neugier den unterschiedlichen Vogelstimmen und deren Bedeutungen in der europäischen Barockmusik nach. Was für ein buntes Gezwitscher, bei dem einem Ohr und Herz aufgehen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Ein würdiger Auftakt: Der Startschuss zu einer Kuhnau-Reihe bei cpo könnte fulminanter gar nicht ausfallen: tadellose Umsetzung großartiger Musik durch das Ensemble Opella Musica mit Unterstützung der Camerata Lipsiensis. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Christiane Bayer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nordischer Impressionismus: Oramo kann Lemminkäinen: Sibelius-Fans dürfen aufhorchen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Erkundenswertes Süditalien: Nicola Logoscino bereichert die Musikgeschichte Neapels und Sizilens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich