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Sonntag, 20. Oktober 2019

Schönberg, Arnold - Moses und Aron

"rein, riesig, nicht mehr bewohnbar."


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Endlich ist diese international hochgelobte Stuttgarter Aufführung hier erhältlich, noch dazu zu einem sensationell günstigen Preis. Einfach wunderbar.

So endet Rilkes Gedicht mit dem Titel ‘an die Musik’, und wer immer sich diesem rätselschweren Bekenntniswerk nähert kann das spüren, das er die ‘letzte Ortschaft der Worte’ bereits passiert hat, auf dem Weg – ja, auf dem Weg wohin? Durch das Dunkel der Symbole und Paradoxien leitet uns ein verzweifelter Moses, der sein Volk nicht erreicht. Seine schwache Stimme (eine Sprecherrolle) wird der Macht des Gedankens nicht mehr gerecht. Aron ist sein Vermittler, der liebliche Gesang auf dessen Flügeln das Gotteswort menschlich werden soll. Moses und Aron ist eine der Opern, in der uns die Ausweglosigkeiten des 20. Jahrhunderts nahe kommen. Sie ist Schönbergs einzige Oper, unvollendet, unvollendbar nach Moses letztem, verzweifelten Aufschrei ‘du Wort, das mir fehlt’. Sie ist Schönbergs Auseinandersetzung mit seinem jüdischen Glauben, mit der Vertreibung, Demagogie und Unsicherheit allen Lebens. Sei ist der Ausdruck der kunstphilosophischen Fraggestellungen, die ihn Zeit seines Lebens in Komposition und seinen Texten geplagt haben.

Orchester und Ensemble der Stuttgarter Oper, verstärkt durch den Krakauer Rundfunkchor und den Stuttgarter Kinderchor führen meisterhaft durch das Dickicht dieser Riesenpartitur. Von Anfang bis bleibt eine musikalische Hochspannung erhalten, wie sie selten erlebt wird. Verzweiflung, Zorn, Wahnsinn, Hysterie steigern sich zu erschütternden Chorszenen. Und inmitten der komplexesten Tutti-Stellen ragt die Stimme der Einsamkeit, vertreten durch Wolfgang Schöne, wie ein Eisberg heraus.

Im Orchestergraben füllt Lothar Zagrosek die optischen Leerstellen mit suggestiver Klangkraft. Das Orchester wird in ausgezeichnet geprobter und kammermusikalisch transparenter Art und Weise geführt, so dass dieser gleichsam immateriellen Gedankenmusik Gerechtigkeit erfährt. Die Partitur ist bei Sängern und Instrumentalisten detailgenau erarbeitet und auch die komplexesten Tempowechsel werden souverän gemeistert. Die Stimmen sind klar, und die Texte fast immer gut zu verstehen (bei dieser Oper sollte man ohnehin zumindest immer den Text mitlesen) und selbst die etwas freie Tonhöheninterpretation der Sprechrolle überzeugt. Chris Merritt meistert nach einer kleinen Anfangsschwäche die riesenhaft schwere Partie schön, klar und mit dem nötigen Schmelz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schönberg, Arnold: Moses und Aron

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
24.07.2006
Medium:
EAN:

CD
730099615822


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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