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Samstag, 22. Januar 2022

Franz Vorraber - Wiener Soirée

Heimspiel für Vorraber


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt ein erfreuliches 'Heimspiel' des Österreichers Vorraber, der diesen von Wien inspirierten Stücken den gewissen Glanz der alten Habsburger-Monarchie verleiht.

Der österreichische Pianist Franz Vorraber machte zuletzt mit einer Gesamteinspielung der Klavierwerke Schumanns auf sich aufmerksam. Mit dieser CD widmet er sich dem musikalischen Wien, die neun von ihm ausgewählten Stücke sind überwiegend Bearbeitungen, die die Habsburger-Metropole mehr oder weniger zum Gegenstand haben. Die beiden Schubert-Transkriptionen Franz Liszts geben der Veröffentlichung ihren Titel: 'Soirée de Vienne'. In der Tradition des großen Virtuosen stehen auch die beiden Bearbeitungen von Sergej Rachmaninov, der zwei berühmte Werke von Fritz Kreisler – 'Liebesfreud' und 'Liebesleid' – für Klavier alleine einrichtete. Eine weitere Schubert-Paraphrase stammt von Carl Tausig, auch drei Originalkompositionen sind mit von der Partie: 'Alt-Wien' von Leopold Godowsky, Alfred Grünfelds 'Soirée de Vienne' und die 'Geschichten von Strauß' aus der Feder Erich Wolfgang Korngolds, ein Werk, das sich für einen Interpretationsvergleich anbietet: Michael Schäfer hat dieses Stück über den Walzerkönig für Profil/Edition Günter Hänssler eingespielt.

Am Anfang dieser 'Wiener Soirée' stehen die ebenfalls von Johann Strauß inspirierten Arabesken 'An der schönen blauen Donau' von Adolf Schulz-Evler, ein einst bei vielen Pianisten beliebtes Stück, dessen Wirkung mit den Jahren ein wenig verblasst ist. Vorraber ist um eine klare, präzise artikulierende Interpretation bemüht, bei der Verzierungen und Figurenwerk zwar eine Rolle spielen, aber nicht überhand nehmen. Die Remininszenzen an den legendären Strauß-Walzer sind so gut nachvollziehbar, für pianistische Virtuosität ist reichlich Platz.

Weniger gilt dies für Godowskys 'Alt-Wien', das sich bei weitem nicht so spektakulär wie die Chopin-Transkriptionen des gleichen Komponisten präsentiert. Etwas rustikaler geht es in Schuberts 'Militärmarsch' zu, einem ursprünglich vierhändigen Stück, das von Tausig für einen Pianisten eingerichtet wurde. Vergleicht man dieses Werk mit den Schubert-Paraphrasen Liszts, so wird klar: Liszt war ein sensiblerer Bearbeiter als Tausig. Vorraber kann man solche Qualitätsunterschiede nicht zur Last legen, er brilliert in allen drei Schubert-Transkriptionen und profitiert von einem exzellenten Klangbild, wie man es von Thorofon-Aufnahmen kennt und schätzt.

So könnte man an dieser CD allenfalls aus der Perspektive extremer Werktreue etwas aussetzen: Wozu überhaupt eine Bearbeitung? Warum beispielsweise Kreislers Werke für Klavier transkribieren, wenn sie doch für Violine und Klavier komponiert wurden? Wer keine derartigen Bedenken hat, wird mit dieser Mischung aus pianistischem Feuerwerk und Walzerseligkeit viel Freude haben. Sind die meisten Werke – oder zumindest ihre Urheber – gut bekannt, so darf man zudem Grünfelds Werk als echte Entdeckung bezeichnen. Das siebenminütige Stück dürfte im Repertoire jedes entsprechend begabten Pianisten seine Wirkung nicht verfehlen.

Bleibt noch Korngolds Werk, auf den ersten Blick eine Schulz-Evler vergleichbare Hommage an den Walzerkönig, in der freilich auch die Ironie nicht zu kurz kommt. Übertrieben wäre die Behauptung, Korngold mache sich über Strauß lustig; aber er betrachtet ihn durchaus mit Humor. Es scheint, daß dieser Humor in Vorrabers Einspielung deutlicher herauszuhören ist als bei Schäfer, der eine nüchtern-sachliche Herangehensweise bevorzugt.

Insgesamt ein erfreuliches 'Heimspiel' des Österreichers Vorraber, der diesen von Wien inspirierten Stücken den gewissen Glanz der alten Habsburger-Monarchie verleiht. So gesehen, handelt es sich um eine vor allem für Nostalgiker und Freunde virtuosen Klavierspiels empfehlenswerte CD. Ein kleiner Kritikpunkt zum Schluss: Die Booklet-Texte sind recht knapp ausgefallen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franz Vorraber: Wiener Soirée

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Thorofon
1
11.09.2006
Medium:
EAN:

CD
4003913125323


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Thorofon

In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


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