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Samstag, 6. März 2021

Haydn , Joseph - 6 Streichquartette, op. 20

Seriosität und Strenge


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Charakteristisch für die hohe Spielkultur ist die hervorragende klangliche Balance innerhalb des Ensembles.

Joseph Haydns 1772 komponierte Streichquartette op. 20 (Hob. III:31-35) gehören zu den Meilensteinen in der Entwicklung dieses kammermusikalischen Genres. Aufgrund ihrer experimentellen Ausrichtung enthalten sie eine Fülle eigenwilliger Momente und zeigen, wie der Komponist die Grenzen der noch jungen Gattung nach verschiedenen Seiten hin auszuloten versuchte. Einerseits setzt er sich etwa in den Finalsätzen der Streichquartette f-Moll, A-Dur und C-Dur mit der barocken Tradition der Fugenkomposition auseinander, lässt aber andererseits auch im D-Dur-Quartett erstmals den für spätere Werke so charakterischen Tonfall ‘alla zingarese’ einfließen.

Das auf historischen Instrumenten musizierende Quatuor Festetics aus Budapest, das sich schon mehrfach um Haydns Quartette verdient gemacht hat, setzt die Kompositionen auf einer Doppel-CD des Labels Arcana mit ausgereiftem Ensemblespiel um. Charakteristisch für die hohe Spielkultur ist die hervorragende klangliche Balance innerhalb des Ensembles, bei der jedes Instrument zur Geltung kommt und nicht etwa – wie in anderen Aufnahmen immer wieder zu bemerken – die erste Violine meist in den Vordergrund rückt. Der Ernst, mit dem sich die Musiker dem Notentext widmen und dabei auch die vom Komponisten gesetzten Wiederholungszeichen strikt befolgen, teilt sich sofort mit: Hier wird nichts aufgebauscht oder in romantisierender Melodienseligkeit mit sentimentalem Zuckerguss vorgetragen; es herrscht vielmehr eine für manchen Hörer vielleicht gewöhnungsbedürftige Schlichtheit und Strenge, die jedoch gerade dazu beiträgt, die Besonderheiten von Haydns erstaunlichen Werken hervortreten zu lassen.

Zu musikalischen Höhepunkten geraten dabei etwa die spannungsvoll nachgezeichneten Irregularitäten im Kopfsatz des g-Moll-Quartetts, die mit ihrer an Sprachnähe gemahnenden Gestaltung die Satzstruktur beinahe sprengen, der wunderschön und zart über federnder Siciliano-Begleitung ausgesungene langsame Satz des klangfarblich abgedunkelten f-Moll-Quartetts oder der kontrapunktisch konstruierte Kopfsatz des C-Dur-Quartetts mit seiner ständig wechselnden Satzdichte, die sich bisweilen in dramatischen Augenblicken fängt. Allein die Momente pulsierender Dramatik in der Durchführung könnten manchmal etwas stärker akzentuiert werden, um den Eindruck von Statik zu umgehen, der sich hier leicht einstellt.

Ein Lob gilt schließlich auch dem Booklet, verfasst von dem ungarischen Musikforscher Lászlo Somfai, das vorbildlich Aufschluss über den Stellenwert dieser wichtigen Kompositionen gibt, ohne jedoch den Leser mit unnötigen wissenschaftlichen Details zu belasten. Interessant ist auch, dass die Anordnung der Stücke, die man – abweichend von den verschiedenen, durch Drucke überlieferten Anordnungen bei der Einspielung gewählt hat – ausführlich begründet wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn , Joseph: 6 Streichquartette, op. 20

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
2
01.05.2009
Medium:
EAN:

CD
3464858024132


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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